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Zukunftstrends im Tourismus
Terror und Krieg haben die
Welt verändert. Dass auch der Tourismus die Folgen zu
spüren bekommt, ist nur logisch. Reiseunternehmen und
Reedereien kündigen Entlassungen an, die amerikanischen
Airlines stehen ganz schlecht da und das Wachstum in der
Branche wird wohl eher negativ sein. Wie es tatsächlich
weitergeht, ist schwer zu sagen. Als sicher geltende
Länder wie Skandinavien haben im Tourismus jedenfalls
zur Zeit die Nase vorn. Aber auch die islamischen Länder
werden sich – wenn die Situation im Nahen Osten nicht
immer noch weiter eskaliert – nach und nach erholen und
die Amerikaner werden in wenigen Jahren wieder verstärkt
nach Europa reisen. Das ist der Vergesslichkeitsfaktor.
Wissen Sie, was in den
Gehirnen Ihrer Zielgruppe vor sich geht? Sie müssen
Trends erkennen, wenn Sie sich einen Wettbewerbsvorteil
sichern wollen. Neben den Einzeltrends, beispielsweise
für Kulturreisen, sollten Sie vor allem die Richtung
kennen, in die die meisten Kunden laufen, sonst stehen
Sie recht schnell alleine da.
Trend 1: Traumurlaub
gesucht
Was sind die Qualitätsmerkmale, an denen die Kunden
ihren gewünschten Traumurlaub festmachen? Es gibt
zunächst die echten Qualitätsmerkmale, und die müssen
Sie übersetzen in abgeleitete Qualitätsmerkmale. Das
geht z. B. so: Der Kunde äußert seinen Traum, Sie kennen
die dafür notwendigen Produktionsmerkmale und können ihm
die maßgeschneiderte Reise bieten. Dabei können Sie
zeigen, dass Sie bei der intensiven Beratung besonders
kompetent sind. Und natürlich gibt es für die
verschiedenen Träume bereits die passenden Märkte:
- Der Abenteuer-Markt:
Der Mountainbike-Trip in Tibet gehört z. B. dazu. Und
überhaupt alles, was mit Extrem- und Fun-Sport zu tun hat.
- Der Markt der Emotionen:
Zum Beispiel eine organisierte Hochzeitsreise oder auch
bloß ein Urlaub im Themenpark.
- Der Fürsorge-Markt:
Schöner als ein Tamagotchi ist es doch, wenn der
tierfreundliche Kunde ein Hotel buchen kann und den Hund
gleich mit dazu, mit dem er dann im Urlaub spazieren gehen
kann.
- Der Markt für die Seele:
Warum reist man nach Alt-Griechenland, zu den Wikingern, ins
klassische England, zu den Samurai? Ganz einfach: Nostalgie
ist gut für den Seelenfrieden.
Trend 2: Die jungen Alten
Ganz neu ist das nicht, aber es wird immer noch viel zu
wenig beachtet: Die künftigen Senioren stellen nicht nur
eine zahlenmäßig starke Gruppe dar, sie haben auch sehr
konkrete Ansprüche. Dazu gehört, dass sie ihr Leben genießen
und ihre Freizeit erlebnisorientiert
gestalten; die meisten verfügen auch über das nötige
Kleingeld. Zwar verbringen sehr viele Senioren ihren Urlaub
im eigenen Land, aber Wandern muss da schon mindestens drin
sein.
- 77 % fahren deshalb in
die Alpen,
- 61 % reisen ins europäischeAusland,
- 59 % zum Baden ans Mittelmeer,
- 33 % zieht es nach Amerika und
- 21 % sogar nach Fernost.
Kaffeekränzchen können Sie
vergessen, die agilen Alten bevorzugen Busfahrten,
Vergnügungsparks, Gesundheitsferien, Bildungsreisen und
Kreuzfahrten. Und: Die Senioren halten es für lohnenswert,
für ihren Urlaub zu sparen. Dafür möchten sie dann aber auch
alles vom Feinsten.
Achtung, diesen Fehler
sollten Sie unbedingt vermeiden:
Sprechen Sie die Senioren nicht als Senioren an und
offerieren Sie ihnen keine Seniorenreisen mit
Gleichaltrigen. Das verzeihen die Ihnen nie!
Trend 3: Jedem das Seine
Sie können heute nicht mehr Pauschalreisen bieten und dabei
glauben, dass das schon allen gefallen wird. Sie haben es
bei Ihren Kunden mit Individualisten zu tun. Da will jeder
sein ganz spezielles Angebot, seinen ganz speziellen Spaß.
Erlebnis ist gefragt, von Disney-World bis zur unberührten
Natur, von der Reise in die Vergangenheit bis zum Event in
einer künstlichen Welt. Auf jeden Fall sucht der Tourist
hier sein persönliches Glück, denn darin sieht er die
Sinnerfüllung. Sicher nicht im Massentourismus. Lieber macht
man eine Spezialreise oder einen Themenurlaub, auch wenn das
schon nicht mehr ganz so individuell ist. Es kann also sehr
profitabel sein, sich auf einen
Nischenmarkt zu konzentrieren.
Trend 4: Die Mitte hat nichts
zu lachen
Klar, auch die großen Reiseunternehmen haben ihre
Probleme und die kleinen sowieso.Aber für die mittleren
sieht es ganz übel aus, ihnen dreht nämlich die
Disintermediation (elektronische Märkte ersetzen den
Wiederverkäufer) den Hahn ab. Wozu braucht man auch
Vermittler, wenn man als Konsument direkt beim Produzenten
kaufen kann?
Die „Prosumer“ sind das
Schreckgespenst des Handels. Nun aber nicht resignieren,
Ihre Chance heißt: Spezialisierung. Wenn Sie
Dienstleistungen bieten, die man in dieser Form eben nicht
übers Internet bekommt und bei denen auch die Grossen sich
schwer tun, haben Sie gut lachen, auch in Zukunft.
Konzentrieren Sie sich z. B. auf das besondere Angebot vor
Ort. Dann wird der Kunde vielleicht Transport und Unterkunft
von den Grossen nehmen, weil die eben billiger sind, aber
die individuelle Gestaltung des Urlaubs vor Ort, das dürfen
Sie als Klein- und Mittelunternehmer machen.
Trend 5: Die heile Umwelt
Fragen Sie mal, wie wichtig den Touristen eine intakte
Ökologie ist: Das Echo wird gewaltig sein. Aber wenn sie
deswegen auf etwas verzichten sollten, hört der Spaß vor
allem bei vielen jungen Leuten auf. Außerdem machen sich die
meisten ohnehin erst Gedanken, wenn es eigentlich schon zu
spät ist, wenn der Badesee schon stinkt und der Gletscher
nur noch eine bessere Eisscholle ist. Trotzdem ist der Ruf
nach der gesunden Umwelt da und viele Destinationen
engagieren sich auch in diesem Bereich – und sei es nur, um
einen Marketingvorteil herausschlagen zu können. Letztlich
ist aber doch schon etwas erreicht, wenn in einer Region die
Umwelt pfleglich behandelt wird, weil
man weiß, dass die Touristen darauf Wert legen.
Trend 6: Tourismus als
Leitökonomie?
In dieser Frage sind sich die Fachleute nicht einig, aber
die Idee ist eine Überlegung wert. Eine neue politische
Rolle wird der Tourismus künftig sicher übernehmen. Dann
entstehen neue Dienstleistungen beispielsweise zum
Verständnis der Globalisierung oder zur Wiederentdeckung
regionaler Identität.
Trend 7: Wellness wird
wichtig
Was macht der gestresste Geschäftsreisende? Er geht nach
der Sitzung in die Sauna. Wellness-Einrichtungen sind für
größere Häuser ein Muss. Die kleinen können es sich meist
nicht leisten. Man muss dabei unterscheiden zwischen
Entspannung, Verschönerung, Genusssteigerung (Wellness 1)
und aktiver Selbstkompetenz, Lebensbalance, Lernkompetenz (Wellness
2). Bei Kurz- und Wochenendaufenthalten kombiniert der Gast
gerne Wellness mit Sport.
Trotz Videokonferenzen:
Geschäftsreisen wachsen weiter In diesem Bereich sind Profis
gefragt, es bedarf einer kundengesteuerten Produktion, und
im letzten Moment kann alles wieder umgeworfen werden, was
ziemlich teuer werden kann. Darum können da nur die
Branchenriesen mit eigenen Commercial-Abteilungen mithalten.
Wenn Sie mit Ihrem Hotel dabei sein möchten, müssen sie
jedenfalls sämtliche technischen Raffinessen bereithalten:
elektronische Pinnwände, Smartboards, Multimedia ... Und der
Service muss natürlich auch stimmen, damit können Sie sich
profilieren. Der gesamte MICE-Markt (Meetings, Incentives,
Congresses, Exhibitions) wird wachsen, das Budget für
Kleinveranstaltungen steigt. Aber Achtung: Viele Firmen
führen ihre Meetings heute in den eigenen Hallen durch. Da
wird Ihr Beziehungsmanagement immer wichtiger. Gerade die
Trainer und PCOs (Professional Congress Organizers) sollten
Sie auf Ihrer Seite haben, dann fällt die Wahl der Firma
doch leichter auf
Ihre Destination.
Der Mensch bleibt mobil
Die Airlines erleben harte Zeiten, aber die, die nicht zu
schwer wiegende Managementfehler gemacht haben, sehen
bereits wieder Land und buhlen um die Passagiere. Auch die
Bahn schläft nicht, sie hat besonders den Geschäftsreisenden
im Visier, beispielsweise
mit ihrem Angebot von Hochgeschwindigkeitszügen oder
Spezialwagen für Konferenzen. Tagungen finden künftig direkt
im Flughafen oder im Bahnhof statt, das werden die neuen
Kongresszentren. Tagungsmöglichkeiten, Lounges oder Hotels
gibt es dort bereits; der Flughafen Kastrup in Kopenhagen
hat sogar im Transitbereich ein kleines Hotel. Das
Reisemittel Nummer eins bleibt nach wie vor das eigene Auto.
Nur eine kleine Gruppe kommt mit dem Motorrad oder dem
Fahrrad. Das sind Individualisten, aber mit attraktivem
Budget – und einem Gepäckproblem. Schon wieder eine Chance
für einen Nischenanbieter!
Mit dem Besonderen auf
Erfolgskurs
Sie sind ein kleiner Anbieter? Das macht nichts, Sie
müssen sich nur spezialisieren. Themenreisen z. B. sind
gefragt, weil die Bildung zunimmt ebenso wie der
Seniorenanteil. Das kommt auch den Städtereisen zugute. Da
fährt man doch schnell nach Paris zum
Shoppen, in die Oper nach Verona oder zum Christkindl-Markt
nach Nürnberg. Nicht sehr umweltfreundlich, aber „in“.
Künftig wird öfter und kürzer verreist. Wenn Sie
herausfinden, welches Thema im Trend liegt, hat die
Konkurrenz das Nachsehen.
Für jeden Anspruch das
passende Hotel
Geschäftsreisende brauchen oft nur ein Zimmer mit Dusche,
Frauen legen Wert auf Kleinigkeiten und Sicherheit, und
jugendliche Backpackers möchten eine billige und saubere
Unterkunft. Da haben Sie doch schon genug Zielgruppen für
Ihr Spezialhotel zur Auswahl. Daneben werden sich auch
kleine Luxusherbergen behaupten, die eben etwas ganz
Einmaliges bieten, sei es im Ambiente (alter Weinkeller
etc.) oder im Umfeld (z. B. Whale-Watching beim Frühstück).
Quelle: Homann, R.; Die
Zukunft des Tourismus
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