Der erste Whisky
Wann der erste Whisky gebrannt wurde, ist nicht
geklärt. Seit jeher streiten sich Schotten und
Iren darüber, wer den ersten Whisky, oder irisch
Whiskey, hergestellt hat. Die irische Legende
will wissen, dass der Schutzpatron der Insel,
St. Patrick (ca. 391-461), die Technik des
Destillierens aus dem Mittelmeerraum mit nach
Irland brachte.
Da jedoch die Schotten der Ansicht sind, dass
St. Patrick im schottischen Dumbarton geboren
wurde und dort die Technik kennen lernte,
bezeichnen sie sich selbst als Schöpfer des
Getränks. Da der ursprüngliche Begriff aber aus
dem Gälischen kommt, was durch irische
Einwanderer erst in Schottland Verbreitung fand,
ist davon auszugehen, dass der Whisky
tatsächlich aus Irland stammt.
Der Name
Whisky leitet sich vom gälischen uisge beatha
(gesprochen ui-sca-ba, noch drei weitere
Abwandlungen des gälischen Begriffs sind
bekannt, nämlich uisce beatha, quebaugh und
uisgebaugh) ab, das wiederum vom lateinischen
aqua vitae (=Lebenswasser oder Wasser des
Lebens) abgeleitet wurde. Da der englische
Einfluss auf Irland und Schottland im 12.
Jahrhundert immer größer wurde, die Engländer
sich jedoch mit dem Gälischen schwer taten,
wurde daraus die Verballhornung Whisky bzw.
Whiskey. War das Whiskybrennen zunächst nur den
Klöstern vorbehalten, so waren zu jener Zeit
waren bereits die ersten Destillerien
entstanden. Mit den englischen Soldaten fand
dieses Getränk nun auch den Weg nach England. Im
16. Jahrhundert schenkte der Count of Cork
(Irland) Queen Elisabeth I. mehrere Gallonen
Whiskey, was diesem Getränk weiteren
Popularitätszuwachs in England und der Welt
brachte, der Count jedoch wurde in seiner Heimat
jedoch als Verräter abgestempelt.
Der erste urkundliche Beweis
für die Herstellung von Whisky in Schottland
findet sich 1494. Die Schotten verwandten aber
im Gegensatz zu den Iren nicht Kohle zum feuern
der Öfen, die die gekeimte Gerste trocknen,
sondern Torf, was dem schottischen Whisky sein
rauchiges Aroma beschert. In Schottland war der
Whisky zunächst ausschließlich als Medizin
gedacht, 1505 erwarb die Zunft der Chirurgen und
Bader das Monopol zur Whiskyherstellung, bereits
zur Mitte des Jahrhunderts wurden jedoch schon
reichlich Verstöße gegen dieses Monopol
verzeichnet. 1579 wurde das Brennen
ausschließlich dem Adel gestattet, da die Gerste
als Nahrungsmittel in Schottland knapp wurde. In
ganz Schottland bis zu den Orkneys wurde Whisky
hergestellt, hauptsächlich jedoch in den
Highlands.
Während sich jedoch der irische Whiskey als
Exportschlager erwies, war der schottische
Whisky aufgrund seines würzigen Torfaromas
zunächst nur im Inland populär. 1644 wurde in
Schottland durch Cromwell erstmals eine Steuer
auf alkoholische Getränke erhoben, die jedoch
nach Charles' II. Rückkehr aus dem Exil wieder
abgeschafft wurde.
Malzsteuer und Aufstände
Die Union mit England traf die schottischen
Destillerien dann wie ein Hammer - die englische
Malzsteuer wurde, zwar zum halben Satz,
eingeführt. Die Brenner drückten ihren Unmut
darüber in einigen Aufständen in Glasgow und
Edinburgh aus, die Schwarzbrennerei, vor allem
im Hochland, boomte. Die legalen Brennereien
sahen sich genötigt, den Anteil ungemälzter
Gerste zu erhöhen. Dies hatte zur Folge, daß nur
der illegale Whisky als echter schottischer
Whisky betrachtet wurde und die Destillerien auf
ihren Produkten sitzen blieben. In jener Zeit
wurde legal hergestellter Whisky als "Parliament"
bezeichnet, während der Schwarzbrannt "Poteen"
(leitet sich vom Destillierkolben, Potstill, ab)
hieß.
Ähnliche Vorgänge waren in Irland zu
verzeichnen. Die Steuerbehörden sahen sich der
Situation fast machtlos gegenüber. In den
Highlands war Whisky mittlerweile das
Nationalgetränk. Traditionell war der
Whiskygenuss nicht nur Männern vorbehalten,
Frauen tranken ihn ebenfalls, ja selbst Kindern
wurde ab und an ein Teelöffel des Lebenswassers
gegeben. Der Toddy, ein Gemisch aus Whisky,
heißem Wasser und Zucker, war äußerst populär
und hilft auch heute noch bei den ersten
Anzeichen einer Erkältung.
Neue Steuern
Ende des 18. Jahrhunderts wurden neue Steuern
auf den Alkohol erhoben, was natürlich zu noch
mehr Schwarzbrennerei führte. 1784 wurde der
Wash Act verabschiedet. Wash ist die Würze, die
bei der Vergährung von Malz entsteht und dann
destilliert wird. Während in der Lowlands der
Wash die Berechnungsgrundlage mit 5 Pence je
Gallone für die zu entrichtende Steuer war,
wurden in den Highlands 20 Schilling je Gallone
Fassungsvermögen der Brennblase erhoben. Damit
wollte man die Größe der Destillierkolben
reduzieren, um den Whiskyausstoß besser taxieren
zu können. Die Aktion war von wenig Erfolg
gekrönt, die Highland-Brennereien reduzierten
einfach die Durchlaufzeit des Destillats und
erhöhten so wieder den Ausstoß. 1786 wurde die
Steuer erhöht und darüber hinaus noch eine
Steuer für die Ausfuhr nach England erhoben, was
zu einem schwunghaften Anstieg des Schmuggels
führte.
Die Regierung gegen Schwarzbrenner
1798 sah sich die Regierung genötigt, eine
Belohnung von 5 Pfund für die Nennung einer
Schwarzbrennerei auszusetzen. Die
geschäftstüchtigen Brenner machten sich dies zu
nutze. Wenn die Spirale der Brennblase, ein
nicht unerhebliche Investition, ausgetauscht
werden musste, bauten sie die brauchbaren Teile
der Anlage ab, um sie an anderer Stelle wieder
in Betrieb zu nehmen. Dann meldeten sie das alte
Versteck und strichen die Belohnung ein und
kauften sich eine neue Spirale. 1823 gab die
Regierung mit einer Art Amnestie ihren Kampf auf
. Es wurde eine Zulassungsgebühr von 10 Pfund je
Brennblase mit über 40 Gallonen Fassungsvermögen
erhoben und eine Abgabe von 3 Pence je Gallone
Alkohol. Von den zu diesem Zeitpunkt geschätzten
14.000 illegalen Betrieben waren 1874 nur noch 6
übrig.
Blended Whisky
Im 19. Jahrhundert erfand der Ire Aeneas Coffey
einen neuen Brennapparat. Doch während die Iren
an ihrer Tradition des Whiskeyherstellung
festhielten, wurde das Verfahren in Schottland
genutzt. Der Hauptvorteil der neuen Anlage war,
dass man kontinuierlich Whisky brennen konnte,
was den Ausstoß natürlich erhöhte. Außerdem
konnte man ein Gemisch aus gemälzter Gerste,
Gerste und anderen Getreiden verarbeiten, jedoch
verlor das Produkt das Torfaroma, es schmeckte
schärfer, fast wie reiner Alkohol. Man konnte es
aber mit den torfigen Highland-Whiskies
verschneiden, was das Getränk dann insgesamt
milder machte. 1850 wurde der erste Blended
Whisky, also ein Verschnitt aus reinem
Malt-Whisky und dem "Coffey-Destillat" in
Edinburgh verkauft. Dieses Gemisch fand schnell
Zugang zu den Märkten in England und Europa, die
bisher eher dem milderen irischen Whiskey
zugetan waren. Da der schottische Whisky nur
zweimal destilliert wird, während der irische
traditionell mit drei Destillationsdurchgängen
hergestellt wird, konnte der Scotch günstiger
angeboten werden, dass irische Whiskey-Monopol
war dahin. Der endgültige Durchbruch gelang
jedoch erst, nachdem in zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts die Reblaus Frankreich heimsuchte.
Der Wein verschwand quasi vom Markt und zunächst
die Engländer und dann das übrige Europa wandten
sich dem Whisky zu.
1909 wurde von den Maltwhisky-Herstellern die
Frage aufgeworfen, ob sich den ein Blended
Whisky auch Scotch nennen durfte. Die von der
Regierung eingesetzte Kommission stellte fest,
das ein Whisky ein Destillat aus verschiedenen
gemälzten Getreidesorten sei, eine
Auszeichnungspflicht auf dem Etikett hielt sie
auch nicht für nötig. 1915 wurde festgelegt,
dass ein Whisky mindestens 3 Jahre reifen muss,
bevor er in den Handel kommen darf.
Kriege und Prohibition
Probleme kamen auf die Brennereien durch die
beiden Weltkriege und die Prohibition in den USA
zu. Während des Ersten Weltkrieges wurde 1915
die Whiskyherstellung stark eingeschränkt, 1917
gänzlich unterbunden. Nach dem Krieg kamen die
Hersteller nur schwer wieder auf die Beine.
Viele Betriebe fusionierten. Darüber hinaus
machten ihnen die angehobenen Alkoholsteuern
beim Absatz zu schaffen. Während der Prohibition
verkaufte sich der schottische Whisky
ausgezeichnet nach Kanada. Die kanadischen
Destillerien durften Alkohol nur für die
Industrie herstellen. Also wurde der schottische
Whisky mit den einheimischen Produkten
verschnitten und dann in die USA geschmuggelt.
Für die Iren gingen allerdings durch das
Alkoholverbot langsam die Lichter aus. Schon
geschwächt durch den ersten Weltkrieg, war die
Prohibition eine weitere Schwächung.
Als 1934 das Verbot wieder aufgehoben wurde,
konnten die Iren den amerikanischen Markt nicht
schnell genug bedienen und die USA wandten sich
mehr den schottischen Erzeugnissen zu. Erst in
den 60er Jahren konnten die Iren durch Fusionen
und groß angelegte Werbekampagnen Teile des
internationalen Marktes zurückerobern. Während
des Zweiten Weltkriegs wurde die
Whiskyproduktion 1939 untersagt, Auf dem
britischen Binnenmarkt wurde ab 1940 die
Whiskyabgabe rationiert, durch ausreichende
Lagerbestände war für einige Zeit die Versorgung
sichergestellt. 1944 durften die Brennereien in
geringen Mengen für den Export produzieren. 1954
wurden alle Produktionsbeschränkungen aufgehoben
und Ende der 50er Jahre konnte die Nachfrage
bereits wieder befriedigt werden.
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die Herstellung >>>
Quelle:
www.schottlandgeschichte.de