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Tourismus-Marketing: die etwas andere Methode
Was ist auf dem
Tourismus-Markt gefragt?
Umwelt-, qualitäts- und erlebnisorientierte Angebote. Wenn Sie
den Trend nicht verschlafen möchten, brauchen Sie die modernen
Marketing-Methoden, um mithalten zu können. Beachten Sie aber,
dass es speziell im Tourismus immer wieder ein Nebeneinander von
Produzenten- und Konsumentenmärkten gibt. In der Hochsaison etwa
können Sie es sich leisten, monopolistisch zu handeln, Preis und
Angebot zu bestimmen. In der Nebensaison dagegen ist der Kunde
König.
Die
Tourismusbranche hat also Besonderheiten aufzuweisen.
Deshalb kann man auch das Tourismus-Marketing nicht
unbedingt in den großen Topf des allgemeinen Marketing werfen.
So hat es beispielsweise Dienstleistungscharakter, es ist
nachfragebezogen, kann in einzelwirtschaftliches und/oder
gemeinsames Marketing (Mikro- und Makro-Marketing) unterteilt
und als ganzheitlicher Ansatz gesehen werden. Und Sie können
Tourismus-Marketing
auch noch als Marketing-Management-Methode betrachten. Das ist
dann nicht mehr die rein instrumentelle Sichtweise, sondern eine
mehrstufige Planungsmethode:
1. Analyse-Phase
(Informations-Marketing):
Dazu gehört die generelle Umfeldanalyse, Informationen zu
Angebot und Nachfrage und ein Stärken-Schwächen-Profi l. Wenn
Sie die gewonnenen Daten in Zusammenhang bringen, leitet das zur
nächsten Marketing- Phase über.
2.
Konzeptionsphase (Strategisches Marketing):
Hier werden auf der Grundlage der gewonnenen Daten
(Chancen-Risiken, Stärken-Schwächen, Lebenszyklus und Portfolio)
Ziele entwickelt und anschließend die Marketing-Strategie
festgelegt.
3.
Gestaltungsphase (Taktisches Marketing):
Jetzt entscheiden Sie über die Instrumente, die Sie zur
Gestaltung Ihrer Marketing-Strategien einsetzen. Die Produkt-,
Preis-, Vertriebs- und Kommunikationspolitik gehören hierher,
aber auch Dinge wie Partnership, Sponsoring, Events oder
Product-Placement.
4.
Umsetzungsphase (Marketing-Implementierung):
Jetzt wird es konkret, die Organisation muss geplant werden, d.
h. die Zeit, das Personal und die Finanzierung.
5. Kontrollphase
(Marketing-Controlling):
Schließlich wollen Sie ja wissen, ob Ihre Ziele auch realisiert
werden konnten. Das Ganze ist ein ewiger Kreislauf: Wo stehen
wir – Wo wollen wir hin – Was können wir unternehmen – Welche
Maßnahmen ergreifen wir – Sind wir angekommen?
Informationen: Sammeln ist gut, auswerten ist besser
Sie brauchen
jede Menge Hintergrundwissen, bevor Sie Ihr Marketing-Konzept
auf die Beine stellen. Wirklich verwerten können Sie letztlich
aber nur das, was strategisch wichtig ist. Deshalb sind
Betriebsanalyse, Marktanalyse und Umfeldanalyse die Basis für
Ihre Marketing-Aktivitäten. Sie betreiben also erst mal
diagnostisches Marketing.
Fangen Sie mit
Ihrem Umfeld an.
Filtern Sie die betrieblichen Einflussgrößen heraus, bevor Sie
gegenwärtige und künftige Trends ableiten. Bei der statischen
Umfeldanalyse geht es einmal um das Mikroumfeld (dazu zählen
Abnehmer, Lieferanten, Absatzmittler, Konkurrenten und
Ersatzprodukte) und dann um das Makroumfeld, also die
politischrechtliche, technologische, physische, soziokulturelle
und ökonomische Komponente. Speziell im Tourismus haben diese
Größen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung.
Dynamisches
Marketing
Da wir es aber mit
modernem Marketing zu tun haben, stehen dynamische
Gesichtspunkte im Vordergrund: Was sind die Trends, wohin geht
die Entwicklung? Natürlich müssen Sie den gesamten
Tourismusmarkt kennen. Maßgeblich aber ist das für Sie relevante
Marktsegment. Also machen Sie eine Marktanalyse: Angebots- und
Nachfrageanalyse sowie Marktabgrenzung und Bestimmung der
Marktstruktur. Dabei gilt es immer auch die Besonderheiten für
den Tourismusbereich zu berücksichtigen. Für die Marktabgrenzung
bedeutet das etwa, dass Sie nicht in allen Anbietern gleich
Konkurrenten sehen und dass nicht alle Nachfrager wichtige
Kunden sind.
Wenn Sie die
Betriebsanalyse hinter sich gebracht haben, liegen Ihre Stärken
und Schwächen offen auf dem Tisch. Daraus sollte Ihnen dann klar
werden, welche marketingrelevanten Möglichkeiten Ihr Betrieb hat
und wie die allgemeine betriebliche Zielstruktur aussieht. Wie
sieht es mit den vorhandenen Ressourcen aus, dem Ist-Portfolio,
dem Total Quality Management, den Leistungsketten? Die
Betriebsanalyse liefert reichlich Antworten als Voraussetzung
für die folgende Konzeptionsphase.
Die Qual der Wahl, oder: Wissen Sie eigentlich, was Sie wollen?
Es sollten
sich Ihnen jetzt genügend Perspektiven bieten, um die weiteren
Maßnahmen festzulegen: die Marketing-Strategie. Dazu werten Sie
zunächst alle Daten der Analysen aus. Daraus leitet sich die
übergeordnete Philosophie (Ziel) ab, die Struktur (Strategie)
und der Prozess (Marketing-Mix). Oder, als bildlicher Vergleich,
der Zielort, die Route und das Beförderungsmittel.
Im Tourismus können
Sie ein Ziel allerdings nur definieren, nachdem Sie auch die
überbetrieblichen und tourismuspolitischen Zielsetzungen
berücksichtigt haben. Und dann müssen Sie unterscheiden zwischen
-
den Mikrozielen
für touristische Einzelbetriebe und
-
Makro-Zielen,
zu denen z. B. der sanfte Tourismus einer Region zählt, dem
Sie sich mit Ihrem Beherbergungsbetrieb u. U. anpassen
müssen.
Wie werden Sie
vorgehen?
Zur Gesamtstrategie zählen die Entwicklungs-, Konkurrenz-,
Kunden- und Positionierungs-Strategie. In diesem Strategie-Mix
finden Sie u. a. die Entwicklungsrichtung, das
Wettbewerbsverhalten, Segmentierungsstrategien und Preis-
Mengen-Strategien. Knackpunkt aller Überlegungen ist, dass
Marketing nicht mehr im Schrotflinten-Prinzip geschieht, sondern
ganz differenziert, also nach Scharfschützen- Manier. Zwar ist
Massenmarketing – „alles für alle“ – im Tourismus noch weit
verbreitet, wenn Sie sich jedoch auf ein Marktsegment
konzentrieren, sparen Sie Kosten und erzielen höhere Umsätze.
Was sich anbietet, ist die Segmentierung nach geografischen
Aspekten: Woher kommen die Gäste (interessant für
Destinationen), was ist das Reiseziel der Touristen (interessant
für Reiseveranstalter)?
Mixen Sie, aber richtig
Sie sollten
im Marketing nicht nur ein Instrument spielen, es darf schon ein
ganzes Orchester sein. Wichtig ist, dass alle dasselbe Stück
spielen! Produkt-, Preis-, Vertriebs-, Kommunikations- und
sonstige Politikarten müssen also aufeinander abgestimmt sein.
In der Produkt-Politik setzt auch der Tourismus vermehrt auf
Markenpolitik. Lufthansa, TUI und LTU beispielsweise vermarkten
ihre Angebote jeweils unter einem Markennamen. Das soll dem
Kunden Vertrauen und Sicherheit geben. Auch der Tourismus
braucht ja Stammkunden und Kaufwiederholung. Es ist also schon
entscheidend, wie Sie Ihre Produktpalette gestalten. Wenn Ihre
Kernleistung allerdings ein bestimmtes qualitatives Niveau
erreicht hat, müssen Sie versuchen, den Zusatznutzen durch
produktpolitische Marketing-Maßnahmen zu beeinflussen.
Zum Kernprodukt
Ski-Woche machen Sie den Kunden z. B. auf die Zusatzleistungen
schöne Landschaft, gute Verpflegung und Kommunikation mit
Gleichgesinnten aufmerksam.
Der Tourist
sieht auf das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Trotzdem sollten Sie für Ihren Marketing-Mix die Preispolitik
nicht überbewerten. Die anderen Marketing-Instrumente sind
eigentlich wichtiger. Vor allem aber muss die Preispolitik auf
die anderen Maßnahmen im strategischen Marketing-Mix abgestimmt
sein. Und denken Sie daran, dass eine ganze Reihe touristischer
Leistungen preisgebunden ist. Reisemittler etwa haben nur wenig
Spielraum, weil die Reiseveranstalter die Preise festlegen.
Einfluss auf die Preisbestimmung haben neben den internen
Kostenelementen die externen Marktelemente, die sich aus
konkurrenz- und nachfrageorientierten Bausteinen zusammensetzen.
Auch die
Vertriebswegepolitik ist im Tourismus ein wenig anders,
denn Produktion, Absatz und Konsum müssen hier als zeitliche und
räumliche Einheit gesehen werden (Uno-actu-Prinzip: Produktion
und Konsum fallen zusammen). Außerdem kommt der Konsument zum
Produzenten (Residenzprinzip), nachdem er sich durch die Buchung
ein Anrecht auf eine touristische Leistung erworben hat. Durch
Werbung und Verkaufsförderung sorgen Sie dafür, dass der Tourist
sich für das von Ihnen angebotene „Reise-Anrecht“ entscheidet.
Die Distributionspolitik untersucht also die
Buchungsmöglichkeiten und -abläufe, und das tangiert oft auch
die Instrumente der Kommunikationspolitik. Unter dem Namen
„Kontaktwegepolitik“ kriegen Sie beides unter einen Hut.
Von der Theorie zur Praxis: Endlich geht’s los
Sie haben
Informationen gesammelt und Konzepte erarbeitet, jetzt müssen
Sie all das auch umsetzen, die gefundenen Lösungen
verwirklichen, sonst bleiben Ihre Ideen in der Schublade. Um
strategische Konzepte durchzusetzen (Marketing-Implementierung),
müssen natürlich entsprechende Organisationsstrukturen
geschaffen und Personal-, Zeit und Finanzressourcen
bereitgestellt werden. Wichtig ist dann, wen Sie ansprechen
möchten: Ihre Mitarbeiter (betriebsinterne Anspruchsgruppe),
Ihre Lieferanten, Absatzmittler, Kapitalgeber, Konsumenten
(marktbezogene Anspruchsgruppen), die Politik oder die Medien?
Hauptsache, Sie erreichen eine umfassende Akzeptanz Ihrer
Maßnahmen.
Quelle:
Freyer, Walter. Tourismus-Marketing. Marktorientiertes
Management im Mikro- und Makrobereich der Tourismuswirtschaft.
Oldenburg 2001
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