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Spaß
an der Arbeit – ein Widerspruch?
Ein Artikel von Kurt H. Steindl
Eine
starke Hand?
Manche
Gastronomen glauben doch tatsächlich, dass Ihre Mitarbeiter ohne
eine starke Hand, die alles bestimmt und alles regelt völlig
hilflos sind. Dass der Laden aus den Fugen gerät, wenn sie nicht
ständig als Antreiber und Ordnungshalter fungieren. Ich kenne
Wirte, die gehen sogar soweit, dass sie ihre eigenen Mitarbeiter
als faules Pack und nicht vertrauenswürdig bezeichnen. Manche
benutzen diese Worte sozusagen auch als Motivation, damit dieses
arbeitsscheue Gesindel auch merkt, dass man über sie Bescheid weiß!
Sogar Fußtritte und Ohrfeigen gegen das „Personal“ habe ich
schon miterlebt.
Personal
ist ein Schimpfwort
Allein das Wort „Personal“ ist schon ein schlimmes
Schimpfwort, eine Erniedrigung! So wurde früher die Dienerschaft
bezeichnet, die willfährig und untertänigst die Wünsche der
Herrschaften zu erfüllen hatte. Von Mündigkeit und Stolz bei der
Arbeit keine Rede, eher Unterwürfigkeit und Kriecherei – und überhaupt,
das „Personal“ hat keine Meinung zu haben! Das „Personal“
hat sich nicht um geschäftliche Belange zu kümmern, sondern
widerspruchslos seinen „Dienst“ versehen. Darüber hinaus hat
es froh zu sein, von einem so mildtätigen Arbeitgeber überhaupt
aufgenommen worden zu sein.
Wahrscheinlich
haben Sie Ihre Karriere auch nicht sofort als Selbständiger
begonnen. Und gehörten Sie auch zum „Personal“? Wie ging es
Ihnen dabei, wenn über Sie als „Personal“ gesprochen wurde. Fühlten
Sie sich stark, anerkannt und motiviert? Vermutlich nicht! Also
was liegt näher, als eine andere Bezeichnung für Ihr
„Personal“ zu suchen?
Es
geht auch anders
Im Schindlerhof von Klaus Kobjoll in Nürnberg werden die
Mitarbeiter als „Mitglieder des Ensembles“ bezeichnet und
unterschreiben vor Arbeitsantritt einen „Spielvertrag“, in dem
genaue „Spielregeln“ vereinbart werden. Das Restaurant ist
eine „Bühne“ und Herr Kobjoll bezeichnet sich selbst als
„Intendant“! Klingt doch gleich viel freundlicher. Suchen Sie
sich eine passendere Bezeichnung für das Wort „Personal“. Es
reicht natürlich nicht, lediglich die Bezeichnung zu ändern. Man
muss dieses Prinzip schon auch leben. Erst dann bekommt es eine
Seele, die die ganze Mannschaft zu Spitzenleistungen treiben kann,
weil sie merkt, dass der Betreiber ihre Leistungen und auch sie
als Mensch zu schätzen weiß!
Missmutige
Vorgesetzte
Ein anderes Übel, mit denen Mitarbeiter oft konfrontiert sind,
sind missmutige Vorgesetzte. Da melden sich doch tatsächlich
Chefs ab und verkünden lautstark, dass sie jetzt für zwei
Stunden außer Haus sind. Nach einiger Zeit schleichen sie sich
dann durch den Hintereingang wieder ein und versuchen ihre
Mitarbeiter als Diebe und Faulenzer zu entlarven. Wer so negativ
programmiert vorgeht, wird auch sicher etwas finden, wofür er
seinen Mitarbeiter die Leviten lesen kann. Und wenn einmal tatsächlich
nichts gefunden wird, dann ärgern sie sich und erfinden etwas,
nur um zu zeigen, dass sie allmächtig und allwissend sind. Eine
allumfassende Gerechtigkeit sorgt ja offenbar dafür, dass jeder
Chef die Mitarbeiter bekommt, die er verdient! Wenn Sie glauben,
dass Ihre Mitarbeiter unredlich und faul sind, dann haben Sie sie
auch. Ist Ihre Einstellung eine andere, dann beschäftigen Sie
auch andere Mitarbeiter. Überprüfen Sie doch einfach Ihre
Geisteshaltung!
Ich
hatte selbst einmal so einen Vorgesetzten. „Arbeit muss weh
tun“, war sein Motto. Auf keinen Fall darf so etwas banales wie
Freude und Spaß dabei sein, denn dann würde man sein Geld nicht
wirklich verdienen! Wir haben es nach einiger Zeit auch tatsächlich
geschafft unseren Spaß an der Arbeit vor ihm zu verbergen!
Gelacht wurde nur, wenn der Chef nicht da war!
Autor:
Kurt H. Steindl
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