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Verpflegung
bei Seminaren
Gut,
gesund und genussreich soll die Ernährung anlässlich von
Seminaren sein. Das Stehbuffet wird immer beliebter.
Jeder Küchenchef weiß: An Kongressen Kursen, Tagungen und
Seminaren sind Knoblauch, Kohl und Kabis tabu. Dieses mit K
beginnende Lebensmittel-Trio hat auf den Tellern von in Gruppen
speisenden Geistesarbeitern nichts zu suchen. Mahlzeiten, die blähen,
werden anlässlich von Meetings von niemanden geschätzt. Leichte
und bekömmliche Kost ist gefragt, und es gilt die Devise: "Feed
your brain." Denn Nahrung für das Gehirn macht leistungsfähiger.
So einfach ist das. Und dennoch ist das Komponieren eines
optimalen Seminar-Menus schwierig, wenn ein Koch die Richtlinien
der ernährungsmedizinischen Literatur einhalten will.
Überzeugende
Erkenntnisse
Die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse überzeugen zwar,
doch das Umsetzen in die Praxis ist kompliziert. Hinzu kommt, dass
Seminare bezüglich der Essengewohnheiten von sich höchst
unterschiedlich ernährenden Teilnehmern ohnehin Eintagsfliegen
sind. Beeinflussbar ist hier nicht die allgemeine Kondition des
Einzelnen, sondern lediglich dessen Tagesform. Diese Tatsache
entlastet das Gewissen der Gastgeber weitgehend. Von einem Hotel
oder Restaurant kann nicht mehr erwartet werden, als dass es sich
an die einschlägigsten Richtlinien hält. Dieser Ansicht ist um
Beispiel Matthias Knoche, F&B-Manager bei Mövenpick Hotels
& Resorts in Egerkingen.
"Für das Mittagessen reichen in der Regel zwei Gänge. Wir
empfehlen entweder eine kleine Vorspeise in Form eines Süppchens
oder Salats und einen Hauptgang oder - als Alternative - einen
Hauptgang und ein Dessert", erklärt Knoche. Das Essen dürfte
weder ermüden noch belasten, damit auch in der zweiten Tageshälfte
volle Konzentration möglich sei. Bestehe eine Gruppe hauptsächlich
aus Männern, werde ein Menu mit einer kleinen Portion Fleisch
(meist Kalbfleisch oder Poulet plus reichlich Gemüse) oder Fisch
bevorzugt. Überwiegten die Frauen, sei eher vegetarische Kost
gefragt. Natürlich seien auf Wunsch auch zwei Varianten erhältlich.
Die reichhaltigere Mahlzeit werde auf den Abend verlegt.
Voll im Trend sei jetzt an Seminar-Anlässen und Tagungen das
Stehbuffet mit Fingerfood, ergänzt Knoche: "Wer den leiben
langen Tag sitzt, schätzt das bisschen Bewegung, das er sich während
des Lunchs verschaffen kann." Das Stehbuffet ermögliche die
freie Kommunikation unter den Teilnehmenden. Während diese den
kleinen Hunger mit Häppchen stillten, könnten sie nach
Herzenslust zirkulieren. Zudem sei man nicht während der ganzen
Mittagspause mit Essen beschäftigt.
Kick in
der Pause
Im Umgang mit der Kundschaft muss kaum noch Überzeugungsarbeit
geleistet werden. "Die meisten Seminar-Veranstalter wissen
heute, was unter leichter Kost zu verstehen ist. Und es ist ihnen
bekannt, dass Leichtverdauliches von praktisch allen
Absolventinnen und Absolventen bevorzugt wird", ist der
F&M-Manager Adrian Landtwing vom Kongresszentrum Seedamm Plaza
in Pfäffikon überzeugt. Die Auswahl an speziellen Bankett- und
Seminar-Menus sei in diesem Hause groß - die Küche sorge laufend
für Abwechslung. Komme fleisch in Frage, würden vor allem
magere, gegrillte Stücke bevorzugt. Zudem laute eine eiserne
Regel: "Drei Gänge sind das Maximum." Gekocht werde auf
der Basis von Frischprodukten und somit saisonorientiert.
Convenience-Produkte würden seltener verwendet. Selten oder nie
ordern Firmen laut Landwing anlässlich von Seminaren alkoholische
Getränke. Und wenn, dann höchstens ein Glas Wein pro Person. Der
Begriff "Brain Food" hat für ihn mit Energy Food zu
tun. Fisch und Broccoli stimulierten den Geist, aber auch
Schokolade, Zucker und Bananen erzeugten die gewünschte Wirkung,
erklärt er. Deshalb würden im Kongresszentrum Seedamm Plaza in
den Pausen Energieriegel und Energie spendende Getränke,
Multivitamin-Jus und Früchte angeboten. Auch ein süßer, kleiner
Nachtisch mache als Energiespender Sinn.
Keine spezielle Brain-Food-Philosophie hat sich das
"Allegro" im Berner Kursaal auferlegt. Doch das Angebot
an Drei- bis Viergang-Menus ist laut der Sales-Assistentin Bettina
Schor derart breit gefächert, dass jeder Kunde das für seinen
Anlass Passende findet. Spezielle Wünsche nimmt der Küchenchef
jeweils persönlich entgegen.
Ein bisschen Fleisch?
Was sagen die Nahrungsmittel-Lieferanten zum Thema Verpflegung an
Meetings? Franz Kupper, Geschäftsführer von Bell AG,
Gastroservice in Kriens: "Heute wird zwar vermehrt fleischlos
gegessen, doch für die Gesundheit ist es am besten, wenn sich der
Mensch ausgewogen ernährt." Kalbfleisch und magere Stücke
vom Lamm, aber auch Entrecôtes und Hüftsteaks seien in Kongress-
und Seminar-Hotels stark gefragt. Grilliert und ohne Sauce
serviert sei Fleisch trotz seines
gewissen Fettanteils relativ leicht und bekömmlich.
Scharfes als Muntermacher
Gmür AG mit Sitz in Zürich importiert kulinarische Köstlichkeiten
aus aller Welt. "Ein großer Teil unserer Produkte kommt aus
Asien", präzisiert der Geschäftsführer Reto Gmür:
"Dabei handelt es sich um besonders leichte und bekömmliche
Produkte." Bekömmlichkeit sei indessen nicht das einzige
Kriterium für eine zweckdienliche Zwischenverpflegung: Zur Förderung
der Konzentrationsfähigkeit eigneten sich scharfe, beispielsweise
mit Chili gewürzte Häppchen. Hinzu komme, dass originelle
Produkte Aha-Erlebnisse böten und für Gesprächsstoff sorgten.
Zudem bevorzuge sein Unternehmen Produkte, welche die Kundschaft
mit kleinem Aufwand vorbereiten und problemlos sowie ohne Qualitätsverlust
längere Zeit warm halten könne. "Unser Angebot muss
fingertauglich, das heißt an Stehtischen oder im freien Stehen
konsumierbar sein", hält Gmür fest: "Und damit für
Abwechslung gesorgt ist, halten wir im Interesse der modernen
Gastronomie stets die Nase vorn."
Snacks
sind im Trend
"Brain Food ist ein unterschiedlich
auslegbarer Begriff", findet Hans Ulrich Schaer, Direktor der
Mövenpick Produktions AG in Birmensdorff: "Mit den Ansprüchen,
die Brain Food stellt, ist die Ernährungsindustrie überfordert."
Als Convenience-Food- Hersteller sei Mövenpick weder auf die
Hirntätigkeit stimulierende Push-Produkte noch auf
Functional-Food spezialisiert. Das Angebot sei ganz auf den
Dienstleistungsbereich vor Ort ausgerichtet, wobei das Sortiment
laufend mit hauseigenen und externen Gastronomen erneuert werde.
Ein spezifisch leichte Produktpalette besitze Mövenpick nicht - höchstens
in den Bereichen Bio und Ballaststoffe könne ein Beitrag
geleistet werden.
Auch Hans Ulrich Schaer ist aufgefallen, dass der Trend an
Kongressen, Seminaren und Tagungen in der Mittagspause in Richtung
Snacks geht. Fingerfood entspreche dem Zeitgeist und sei
kommunikativ. "Gleichzeitig nimmt der Convenience- Grad
laufend zu, wobei der Gast nichts davon merken soll. Die Qualität
muss den frisch zubereiteten Produkten ebenbürtig sein",
hebt Schaer hervor.
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