
Trendig:
Rohlinge vom Feinsten
In den USA
boomen Restaurants, in denen nicht gekocht wird - so genannte
Roh-Bars. Seafood und anderes kommt roh auf den Tisch.
Dass derzeit nichts
brodelt jenseits des großen Teichs, bedeutet keineswegs, dass in
Sachen amerikanischer Kulinarik nichts los ist. Es ist ganz
einfach so, dass der momentane Renner einer ist, welcher die
Tische in ungekochter Form stürmt: Roh-Bar heißt er und kommt
mittlerweile, solo oder als Mittelpunkt eines Lokals, in dem sonst
brav und bravourös gekocht wird, in jeder Couleur daher.
Da gibt es mal die naheliegenden Versionen. Lokale wie das Half
Shell in Key West, Florida, etwa, wo auf die geeisten Platten
gelangt, was die lokalen Fischer kurz zuvor aus dem Meer gezogen
haben: Austern, Hummer, Muscheln, Krebse, Krabben und Fische können
individuell kombiniert und je nach Stück oder Gewicht geordert
werden. Wen es nach Rohem nicht gelüstet, kann sich die wässrigen
Köstlichkeiten auch gekocht bestellen.
Show und
Kinderparadies
Allerdings
wird solchen Rohlingen, die Ungekochtes verweigern, nicht eben
eine große Auswahl offeriert. Was in die Pfanne kommt, wird
gegart. Punkt. Und wem Meeresgetier nicht reicht, der kann gerade
mal zwischen zwei Beilagen wählen: Salzkartoffeln und Cole Slaw.
Im Monty's on the Beach in Miami, Florida, gehört die Roh-Bar auf
dem malerischen Patio mit Meersicht ebenso zur Show wie die
Reggae-Band, die nächtlich aufspielt, oder wie die überdimensionierten
Picknick-Tische, an denen die Gourmandisen vom rohen Fisch-und
Meerfrucht-Buffet verspeist werden. So ist es auch im BJ's on the
Water zu Washington D.C, Virginia: Jeden Nachmittag verwandelt
sich das Szenario auf der riesigen Terrasse dieser Sports-Bar in
ein Kinderparadies: Da werden die Enten am Fluss gefüttert. Für
die Kleinen gibt's hinterher Kids-Burger, Hot Dogs, Chicken
Nuggets & Co. Und für die Großen Fischiges von der Roh-Bar.
Meerfrucht- Teller oder -Körbe können sie sich zusammenstellen,
marinierte Fische, dazu werden Saucen serviert, Dips und diverse
Brote.
Innovation ist
beim Interieur zu suchen
Die Pearl
Oyster Bar in New York City ist zwar in kulinarischer Hinsicht
absolut keine, konzept- und interieurmäßig hingegen umso mehr
eine Innovation. Serviert werden New-England-Gerichte; all die
altbekannten guten Suppen, Eintöpfe, Fisch- und
Meerfrucht-Speisen also, welche die hübschen Dörfchen des
Staates Maine zu bieten haben. Das Lokal ist gerade mal 26 Stühle
stark; Barhocker, genauer, die in einer Reihe dem Tresen entlang
stehen. Der trägt denn auch die Roh-Bar, von der die Gäste sich
all das auslesen und individuell zusammenstellen können, was das
Meer zu bieten hat. Die typischen Hurricane-Lampen, die dunklen
Farben, die Kleinheit des Raumes tragen zur wohligen, beinahe
vertrauten Ambiance des Lokales bei.
Fisch und Meeresfrüchte, und nichts als das,
werden an der Roh-Bar des Pasion in Philadelphia, Pennsylvania,
feilgeboten. In raffiniertester Form allerdings: Chef Guillermo
Perot kreiert jeden Tag zehn verschiedene Marriagen von Rohem aus
dem Meer und verrückten, starken Marinaden, deren Säure ihm die
Arbeit des Kochens abnimmt und zu wundervollen Genüssen führt.
Die zehn Glücklichen, welche sich jeweils einen Sitz an der hipen
Bar haben angeln können, erlaben sich an Überraschungen wie
Ecuador-Shrimps mit einer geräucherten Tomaten-Pfeffer-Sauce,
Avocados und Popcorn, an einem Feuer-und-Eis-Thunfisch in
Kokos-Jalapeno-Fond oder an Jakobsmuscheln in
Lime-Blutorangen-Marinade.
Ceviche-Bars:
"Die Besseren Sushi-Bars"
Auch im
trendigen Chicama in New Yorks Flatiron-Quartier sind die 16 Stühle
rund um die Ceviche-Bar die begehrtesten des ganzen Restaurants.
Douglas Rodriguez, ein nordamerikanischer Chef mit einer
unendlichen Leidenschaft für alles Lateinamerikanische und ebenso
großem Talent, hat stets mindestens zwölf unterschiedliche
Ceviches auf dem Tisch stehen. Er wechselt seine Meer- und
Marinade-Kombinationen je nach Saison, nach Angebot und vor allem
nach Lust und Laune. Wer hier gespeist hat, den erstaunt die
Beurteilung des Managers vom Pasion, Tom, kein bisschen mehr:
Ceviche-Bars, meint er, seien die besseren Sushi-Bars. Weil Sushis
zwar gut, aber die Ceviches spannender, bunter, verschiedener,
lustiger, überraschender seien.
Essen ohne kochen
Solche Fragen kümmern Tom Saladino gar nicht erst. Im The Raw
Truth in Las Vegas, Nevada, arbeitet er ausschließlich mit
organisch gewachsenen Früchten, Gemüsen, Körnern, Samen und Nüssen.
Und zwar, ohne sie je zu erhitzen, aufzuwärmen, zu kochen oder zu
backen. "Ohne Enzyme zu zerstören", wie der Chef es
formuliert, dafür mit einem extrem großen Zeitaufwand als
Herausforderung. Die vitalen Köstlichkeiten kommen etwa als
Linsen-Curry-Kokosnuss-Salat daher, als Nori-Rollen mit Avocado,
verschiedenen Sprossen, Nüssen und Gemüsen sowie einem
Ingwer-Knoblauch-Dip. Oder als Neat Loaf (als Spielerei zu Meat
Loaf, was ein Hackbraten wäre), einem deftigen Gemisch von fein
gehackten Nüssen und Gemüsen, serviert mit einer
Tomaten-Basilikum-Sauce und Salat. Es gibt Silk Pies, Brownies,
Birnen-Mandel-Cakes, Smoothies und gefrorene Frucht-Crèmen. Rohes
und Pures im Quadrat."
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