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letzte Aktualisierung: 
  28.03.2012

 
 

 
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Öffentlichkeitsarbeit  

Clever & Smart

Vermutlich werden George Bush und sein Truthahn in künftigen PR-Lehrbüchern als Musterbeispiel für gelungene Öffentlichkeitsarbeit zitiert werden.

„Manchmal machen die Boys im Weißen Haus einen wirklich cleveren Job“ stammelte ein ziemlich fassungsloser Präsidentschaftskandidat, als Bush am Flughafen von Bagdad demonstrierte, was moderne PR zu leisten imstande ist indem er den gebratenen Vogel wählerwirksam vor die Kamera hob. Clevere Boys gibt es natürlich nicht nur im Weißen Haus, sondern auch in den heimischen Agenturen und dort werden ebenfalls gute Jobs gemacht, auch wenn nicht gerade ein gestürzter Diktator und eine eigene Boeing als Hintergrund dienen können.

Was die cleveren Boys in den Agenturen mit ihren Kollegen im Weißen Haus gemeinsam haben, ist der Umstand, dass vermutlich auch jene ihren Job nicht um Gottes Lohn tun. Dem amerikanischen Präsidenten ist das mit einem Blick auf das Budgetdefizit wahrscheinlich ziemlich gleich, ganz im Gegensatz zu österreichischen Auftraggebern. Zwar hat der Markt inzwischen akzeptiert, dass die Betreuung durch die cleveren Boys eben ihren Preis hat, aber nicht jedes Unternehmen kann sich das Full-Service Paket in Sachen Agenturbetreuung auch leisten.

Mesi Nordegg, verantwortlich für den Bereich „PR- Coaching und Positioning“ bei ECC Publico, der Nummer eins unter den österreichischen Agenturen, sagt: „Es gibt in den Unternehmen selbst auch clevere Boys & Girls, die exzellente PR machen können, wenn man ihnen zeigt wie das geht.“ Und weiter: „PR ist sowieso Chefsache, und dem Chef muss man das notwendige Werkzeug in die Hand geben, damit er sich das mit seinen Mitarbeitern organisieren kann.“

Mehr als Kreativität
Mit Kreativität allein ist PR-Arbeit nicht getan. Die Umsetzung ist dann trockene Knochenarbeit und auch die muss man lernen. „Der Teufel steckt im Detail, über den Erfolg entscheidet immer das richtige Timing und die Wahrung des strategischen Überblicks“ nennt Nordegg die Kriterien des Tagesgeschäfts und gibt gleich einen Hinweis für die praktische Arbeit: „Ohne Checkliste mache ich nicht einmal die Türe auf“. Oder anders gesagt: Es wäre doch schade gewesen, hätten die cleveren Boys den bildschirmgerechten falschen Truthahn aus echtem braungepinseltem Plastik im Weißen Haus vergessen, als George Bush nach Bagdad flog. Im Hangar am Flughafen hätte der Präsident nämlich nicht einmal einen echten Vogel als Ersatz gefunden, weil die angeblichen Truthahn-Kanonen der Militär-Köche auch zum Thankgivings-Day nur die übliche Allerwelts-Kantinen-Kost der amerikanischen Armee ausgespuckt haben.

PR lernen
„Tue Gutes und rede darüber“ hat es einmal in den grauen Steinzeiten der Wissenschaft von den öffentlichen Beziehungen geheißen. Das war zwar schon damals zu wenig und trotzdem beherzigen heute noch viele Unternehmen bestenfalls den zweiten Teil der längst überholten Weisheit. Hand aufs Herz: Wann ist in Ihrer Besprechung mit den leitenden Mitarbeitern zuletzt der Satz gesagt worden: „Machen wir eine Pressekonferenz. Wir sind schon seit drei Monaten nicht mehr in der Zeitung gestanden.“?

Gar nichts zu tun, ist oft eine brauchbare Alternative. Zumindest so lange, bis etwas passiert. Die folgende Notoperation läuft dann unter dem Schlagwort Krisen-PR, das eigentlich ganz etwas anderes meint, als den meist vergeblichen Versuch, die Unterlassungen der Vergangenheit mit irgendeinem Mäntelchen zu bedecken.

Klar, es ist nicht jeder ein Niki Lauda, der bisher noch jede seiner Airlines zielsicher ins wirtschaftliche Off gesteuert hat und trotzdem der strahlende Sieger des Boulevards geblieben ist, der er irgendwann im Cockpit mit den vier Rädern auch tatsächlich war. Und es muss schon gar nicht jedermanns Sache sein, sich nach einer mehr als dubiosen Pleite öffentlich Gedanken über die Seriosität der nächsten Opernball-Partnerin machen zu dürfen.

Weder das eine noch das andere ist eine gute Ausrede oder würden Sie sagen: Ich verstehe nichts von Buchhaltung, also führen wir auch keine Bücher?

Um allen Einwänden zuvor zu kommen: PR kann man lernen. PR ist in der Basis ein Handwerk. Wer es beherrscht, kann sich ein tragfähiges Haus zimmern. Klar, gibt es Stararchitekten und deren Gebäude sehen dann anders aus, aber zuerst einmal geht es darum, dass es nicht hereinregnet. Im Idealfall findet man einen Stararchitekten, der imstande ist, einem das Handwerk beizubringen und dann braucht es noch den Anstoß, sich mit einer als notwendig erachteten Materie auch auseinander zu setzen.

 

Autor: Ernst Scheibl
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von www.die-wirtschaft.at
 

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