Clever & Smart
Vermutlich
werden George Bush und sein Truthahn in künftigen PR-Lehrbüchern
als Musterbeispiel für gelungene Öffentlichkeitsarbeit zitiert
werden.
„Manchmal machen die Boys im Weißen Haus einen wirklich
cleveren Job“ stammelte ein ziemlich fassungsloser Präsidentschaftskandidat,
als Bush am Flughafen von Bagdad demonstrierte, was moderne PR zu
leisten imstande ist indem er den gebratenen Vogel wählerwirksam
vor die Kamera hob. Clevere Boys gibt es natürlich nicht nur im
Weißen Haus, sondern auch in den heimischen Agenturen und dort
werden ebenfalls gute Jobs gemacht, auch wenn nicht gerade ein
gestürzter Diktator und eine eigene Boeing als Hintergrund dienen
können.
Was
die cleveren Boys in den Agenturen mit ihren Kollegen im Weißen
Haus gemeinsam haben, ist der Umstand, dass vermutlich auch jene
ihren Job nicht um Gottes Lohn tun. Dem amerikanischen Präsidenten
ist das mit einem Blick auf das Budgetdefizit wahrscheinlich
ziemlich gleich, ganz im Gegensatz zu österreichischen
Auftraggebern. Zwar hat der Markt inzwischen akzeptiert, dass die
Betreuung durch die cleveren Boys eben ihren Preis hat, aber nicht
jedes Unternehmen kann sich das Full-Service Paket in Sachen
Agenturbetreuung auch leisten.
Mesi
Nordegg, verantwortlich für den Bereich „PR- Coaching und
Positioning“ bei ECC Publico, der Nummer eins unter den österreichischen
Agenturen, sagt: „Es gibt in den Unternehmen selbst auch clevere
Boys & Girls, die exzellente PR machen können, wenn man ihnen
zeigt wie das geht.“ Und weiter: „PR ist sowieso Chefsache,
und dem Chef muss man das notwendige Werkzeug in die Hand geben,
damit er sich das mit seinen Mitarbeitern organisieren kann.“
Mehr
als Kreativität
Mit Kreativität allein ist PR-Arbeit nicht getan. Die Umsetzung
ist dann trockene Knochenarbeit und auch die muss man lernen.
„Der Teufel steckt im Detail, über den Erfolg entscheidet immer
das richtige Timing und die Wahrung des strategischen Überblicks“
nennt Nordegg die Kriterien des Tagesgeschäfts und gibt gleich
einen Hinweis für die praktische Arbeit: „Ohne Checkliste mache
ich nicht einmal die Türe auf“. Oder anders gesagt: Es wäre
doch schade gewesen, hätten die cleveren Boys den
bildschirmgerechten falschen Truthahn aus echtem braungepinseltem
Plastik im Weißen Haus vergessen, als George Bush nach Bagdad
flog. Im Hangar am Flughafen hätte der Präsident nämlich nicht
einmal einen echten Vogel als Ersatz gefunden, weil die
angeblichen Truthahn-Kanonen der Militär-Köche auch zum
Thankgivings-Day nur die übliche Allerwelts-Kantinen-Kost der
amerikanischen Armee ausgespuckt haben.
PR
lernen
„Tue
Gutes und rede darüber“ hat es einmal in den grauen Steinzeiten
der Wissenschaft von den öffentlichen Beziehungen geheißen. Das
war zwar schon damals zu wenig und trotzdem beherzigen heute noch
viele Unternehmen bestenfalls den zweiten Teil der längst überholten
Weisheit. Hand aufs Herz: Wann ist in Ihrer Besprechung mit den
leitenden Mitarbeitern zuletzt der Satz gesagt worden: „Machen
wir eine Pressekonferenz. Wir sind schon seit drei Monaten nicht
mehr in der Zeitung gestanden.“?
Gar
nichts zu tun, ist oft eine brauchbare Alternative. Zumindest so
lange, bis etwas passiert. Die folgende Notoperation läuft dann
unter dem Schlagwort Krisen-PR, das eigentlich ganz etwas anderes
meint, als den meist vergeblichen Versuch, die Unterlassungen der
Vergangenheit mit irgendeinem Mäntelchen zu bedecken.
Klar,
es ist nicht jeder ein Niki Lauda, der bisher noch jede seiner
Airlines zielsicher ins wirtschaftliche Off gesteuert hat und
trotzdem der strahlende Sieger des Boulevards geblieben ist, der
er irgendwann im Cockpit mit den vier Rädern auch tatsächlich
war. Und es muss schon gar nicht jedermanns Sache sein, sich nach
einer mehr als dubiosen Pleite öffentlich Gedanken über die
Seriosität der nächsten Opernball-Partnerin machen zu dürfen.
Weder
das eine noch das andere ist eine gute Ausrede oder würden Sie
sagen: Ich verstehe nichts von Buchhaltung, also führen wir auch
keine Bücher?
Um
allen Einwänden zuvor zu kommen: PR kann man lernen. PR ist in
der Basis ein Handwerk. Wer es beherrscht, kann sich ein tragfähiges
Haus zimmern. Klar, gibt es Stararchitekten und deren Gebäude
sehen dann anders aus, aber zuerst einmal geht es darum, dass es
nicht hereinregnet. Im Idealfall findet man einen Stararchitekten,
der imstande ist, einem das Handwerk beizubringen und dann braucht
es noch den Anstoß, sich mit einer als notwendig erachteten
Materie auch auseinander zu setzen.
Autor:
Ernst Scheibl
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von www.die-wirtschaft.at
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