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Newsletter 02/2010
vom 27. Februar 2010

Inhalt 
1. Um ein Lernender zu sein, ...
2. Quo Vadis Schule?
3. Die goldene Schachtel

4. Best of Newsletter: Unternehmen, die in Zukunft erfolgreich sein möchten, müssen Sinn bieten.
5. Standards versus Motivation
  

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Dies ist ein Gratis-Insider-Brief für Kunden und Freunde der Firma Gastlichkeit & Co - Weiterbildungs- und Betriebsberatungsges.m.b.H.
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1. Um ein Lernender zu sein, musst du bereit sein, ein Narr zu sein.

Das Thema der Leere als eine Voraussetzung für wahres Lernen taucht auch in der bekannten Geschichte von dem Gelehrten auf, der zu einem Zen-Meister kommt: Der hochmütige Gelehrte fragt, wie er noch weiser werden könnte. Der Meister gießt einfach Tee in die Tasse des Gelehrten und gießt auch dann noch weiter, als die Tasse längst überfließt. So lässt er ihn ohne Worte wissen, dass kein Raum für Neues da ist, wenn die Tasse schon voll ist. Auch stellt sich die Frage, warum junge Leute häufig schneller lernen als alte, warum meine Söhne zum Beispiel die Namen der Saurier lernen konnten, während ich das nicht tat. Lag das daran, dass sie bereit waren, sich lächerlich zu machen, und ich nicht?

Oder denken Sie an ein 18 Monate altes Baby, das Sprechen lernt. Der Vater lehnt sich über das Kinderbett, in dem sein kleiner Sohn verschiedene unsinnige Laute von sich gibt. Aus diesem Geplapper hört der Vater die Silbe „pa“ heraus. Und was geschieht? Der Vater lächelt, springt vor Freude auf und ab und ruft: „Hast du das gehört? Mein Sohn hat Papa gesagt.“ Natürlich hat er nicht Papa gesagt. Aber nichts ist befriedigender für ein 18 Monate altes Baby, als einen Erwachsenen lächeln und vor Freude auf und ab springen zu sehen. In diesem Fall werden Behavioristen die Erkenntnis eines gesunden Menschenverstands bestätigen, nämlich dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby die Silbe „pa“ wiederholt, etwas gestiegen ist.

Der Vater ist weiterhin hocherfreut über das „pa“, aber nach einer Weile flaut seine Begeisterung ab. Schließlich sagt das Baby zufällig nicht nur „pa“, sondern „pa-pa“. Wieder wird der Vater fast verrückt vor Freude und erhöht dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass sein Sohn wieder „pa-pa“ sagen wird. Durch solche Verstärkungen und Annäherungen lernt das Kleinkind schließlich, „Papa“ zu sagen. Wir sollten uns daran erinnern, dass es ihm auf dem Weg dorthin nicht nur erlaubt wurde, drauflos zu plappern, „Fehler“ zu machen oder etwas ähnlich Klingendes zu sagen, kurz, sich wie ein Narr zu benehmen, sondern dass es darin auch noch unterstützt wurde.

Doch was wäre geschehen, wenn ihm diese Erlaubnis nicht erteilt worden wäre? Lassen Sie uns noch einmal die gleiche Szene betrachten. Der Vater beugt sich über das Kinderbett seines 18 Monate alten Sohnes. Aus dem Geplapper des Babys hört er die Silbe „pa“ heraus. Diesmal schaut der Vater ihn streng an und sagt: „Nein, Sohn, das war falsch! Die korrekte Aussprache ist Pa-pa. Also sag es mir nach: Pa-pa, Pa-pa, Pa-pa!“

Was würde wohl geschehen? Wenn alle Erwachsenen so auf das Baby reagieren würden, wäre es sehr wahrscheinlich, dass es nie lernen würde zu sprechen. Auf jeden Fall würde es schwere Sprachschwierigkeiten und andere, psychische Probleme ent­wickeln.

Wenn Ihnen dieses Szenarium zu extrem erscheint, möchte ich Sie bitten, über die Dinge nachzudenken, die Sie nicht gelernt haben, weil Ihre Eltern oder Freunde, die Schule oder die Gesellschaft Ihnen nicht erlaubt haben, auf spielerische, freie und närrische Weise mit dem Lernprozess umzugehen. Wie oft haben Sie etwas Neues nicht ausprobiert, weil Sie Angst hatten, dass man über Sie lachen könnte? Wie oft haben Sie Ihre Spontaneität unterdrückt, weil Sie sich fürchteten, für kindisch gehalten zu werden? Schade!

Der Psychologe Abraham Maslow entdeckte kindliche Eigenschaften, eine „zweite Naivität“ in Menschen, die einen ungewöhnlich hohen Anteil ihres Potentials verwirklicht haben. Ashleigh Montagu verwendete den Begriff Neotenie (abgeleitet von „neugeboren“), um Genies wie Mozart und Einstein zu beschreiben. Wir lächeln über das, was wir für die Verschrobenheit eines weltberühmten Genies halten, aber wenn unsere Freunde oder wir das gleiche tun, runzeln wir die Stirn. Dabei kommt es uns nicht in den Sinn, dass die Freiheit des Narren einer der Schlüssel zum Erfolg des Genies sein könnte - oder auch nur ein Hauptbestandteil bei etwas so Grundlegendem wie dem Erlernen der Sprache.

 

 

 
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2. Quo Vadis Schule?

Große dicke Krokodilstränen laufen über das Gesicht des Achtjährigen. Unfähig ein verständliches Wort zu sagen, sitzt er da und kann es gar nicht fassen. "Es war gerade so schön und jetzt muss ich hier weg." Und wieder Schluchzen und Heulen, dass einem kalt um Herz wird.

Was hier so klingt als wären herzlose Eltern dabei das eigene Kind von einer lustigen Party nach Hause zu holen, ist reine Fantasie. Nämlich meine Vorstellung von Schule. Stellen Sie sich doch vor, wie das die Welt verändern würde, wenn Schule ein Ort der Freude, der Neugierde und der Herausforderung, ja sogar der Motivation wäre. Wenn tatsächlich Jungs und Mädchen weinen würden, wenn der Unterricht zu Ende ist.

Schule als Ort der Freude? Als ein Ort, an dem alle Beteiligten mit Begeisterung und Hingabe agieren? Mit Lehrern, die mit leuchtenden Augen von interessanten Dingen erzählen, die Kinder anstecken mit ihrer eigenen Begeisterung? Die als Vorbild für Motivation wirken? Die selbst angesteckt sind vom Eifer des Lernens und von der Faszination des Neuen? Die ...

Ja, ich weiß .. Ich höre Sie schon sagen. Das gibt s nicht. Das ist reiner Idealismus. Das ist unvorstellbar. Ist es das wirklich? Gibt es denn in der Schule nicht Momente, in denen dieser Geist aufblitzt?

Ich selbst war ein sehr schlechter Schüler und hasste diese Institution. Heute, mit dem Abstand von mehr als 30 Jahren - und mittlerweile unterrichte ich selbst an einer Tourismusschule - kenne ich einige Faktoren, die mich damals abstießen. Da erinnere ich mich natürlich an den Psychopathen, der sein mangelndes Selbstwertgefühl auf meinem Rücken aufpolieren wollte. Der mir bereits in der ersten Stunde des neuen Schuljahres prophezeite, dass ich in beiden Fächern, in den er mich dieses Jahr unterrichtet, negativ abschließen werde. Der mir insgesamt 16 A3-Blätter mit 3,5mm Normschrift (wenn Sie wirklich gut sind, brauchen Sie für eines etwa 3 Stunden) als Heimarbeit auftrug, weil ich begonnen hatte, meine Hefte zu vergessen. Warum ich die vergaß? Na, ich wusste doch, dass er alle meine Hausübungen schlecht benoten würde und das führte dann dazu, dass ich gar keine Hausübungen mehr machte. Meine Motivation war auf dem aboluten Tiefpunkt. Ich will mich hier nicht verteidigen, aber als 13jähriger sah ich tatsächlich keine andere Chance, mich zu wehren. Ich fühlte mich diesem Mann hilflos ausgeliefert. Dies führte natürlich auch dazu, dass ich andere Fächer ebenfalls lustlos über mich ergehen ließ. Die Folge? Sie ahnen es bestimmt. Ich bin sitzengeblieben. Mit Pauken und Trompeten natürlich.

"Kinder, die in unserem Schulsystem gute Noten haben, sind entweder genial oder gestört!", so, lautet ein Ausspruch von Günter Funke. Unser lieber Freund aus Berlin hat hier den Nagel auf den Kopf getroffen. Entweder sind Kinder so genial, dass sie das Geschehen im Unterricht ohne viel Aufwand aufnehmen und erstklassig wiedergeben können oder so gestört, dass sie ihren Selbstwert an der Note aufhängen. Wenn ich eine gute Note schreibe, dann bin ich etwas wert, dann werde ich geliebt. Dann sind Mama und Papa lieb zu mir und zeigen, dass sie stolz auf mich sind. Außerdem bekomme ich dann auch Geld dafür. Für jede gute Note einen Euro. Ach ist das schön!!!

Und die Folgen? So erzieht man Perfektionisten, die ihr Leben lang auf der intensiven Suche nach Anerkennung und Aufmerksamkeit sind. Die im Grunde ihres Herzens gelernt haben, dass nicht sie als Person geliebt werden, sondern nur die Leistung zählt.So zieht man Histrioniker groß, die spüren, dass sie selbst nicht wichtig sind und bis an ihr Lebensende krankhaft süchtig nach Bedeutung sind und deshalb bei jeder Party das große Wort führen müssen. Dahinter stecken aber arme Seelen, die dringend therapeutische Hilfe benötigen würden. Natürlich kann man nicht alles auf die Schule schieben, aber eine Teilschuld besteht hier allemal.

Vor einigen Monaten traf ich eine Bekannte aus meiner Jugendzeit, die jetzt mit Lehrern arbeitet. Nämlich mit Burn-out-Erkrankten. Ich traute meinen Ohren kaum. Da sind Menschen darunter, die mit 30 Jahren ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Leer, ausgebrannt, am Ende. Dramatisch wird die Sache, wenn man bedenkt, dass ein Lehrer mit seiner Ausbildung ja nur als Lehrer arbeiten kann. Ohne Zusatzausbildung und eigenes Engagement öffnen sich kaum andere Berufschancen. Da sitzt also eine 30jährige und hat als einzige Perspektive die Frühpension. Quo vadis Schulsystem?

Was kann man tun? Nun, ich spreche hier nur für mich. Ich gestalte meinen Unterricht ganz bewusst anders als die meisten Lehrer. Dass hat mir auch schon Kritik eingebracht und sogar die Anordnung, mich mehr an herkömmliche Lehrmethoden zu halten. Kurz habe ich überlegt alles sofort hinzuwerfen. Aber damit hätte ich nichts verändert. Ich habe einen Gang zurückgeschaltet und mache weiter. Wie? Lebendig, lustig, spannend, interessant und vor allem mit viel Herz. Woran ich merke, dass die Schüler mit Eifer dabei sind und den Unterreicht genießen? Am meisten wohl an den oftmaligen Standing Ovations mit Applaus, wenn ich meinen Unterricht beende. Auch an den Kommentaren von Schülern, die mich bitten doch mehr Stunden zu übernehmen. Und natürlich daran, dass immer wieder ehemalige Schüler mit Intitiativbewerbungen bei Gastlichkeit & Co vorstellig werden.

Was können Sie tun? Geben Sie weniger auf Noten. Gleichen Sie im privaten Bereich das Manko des Schulsystems aus. Leben Sie mit Neugierde, Freude, Enthusiasmus, Humor und mit viel Herz den Kindern vor, was wirklich wichtig ist. Und vor allem, fördern Sie gute Lehrer. Erzählen Sie von denen. Berichten Sie von den großen Kinderaugen, wenn diese von großartigen Lehrer erzählen. Machen Sie aufmerksam, dass es nicht die Noten sind, die Lebenskompetenz hervorbringen. Engagieren Sie sich in Elternvereinen und üben Sie einen positiven Einfluss aus. Die nächste Generation wird es Ihnen danken.

"In da Schui lernst des, wosd eh´ net brauchst und den Rest wirst schon erfohrn!" Bayrischer Sinnspruch.
So schlimm ist es (hoffentlich) bei Ihnen nicht. Aber vermutlich ist auch hier ein Körnchen Wahrheit enthalten.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir.

Kurt Steindl

PS: Übrigens, die Lehrkraft, die mich anschwärzte, ist nun schwer krank und kann nicht mehr unterrichten. Ich wünsche auf diesem Weg aufrichtig gute Besserung und Gelegenheit über die eigene Einstellung nachzudenken.

 

 

 

   

  
3. Story: Die goldene Schachtel

Es war Weihnachten und die kleine Tochter überreichte dem Vater eine golden verpackte Schachtel. Sie hatte dafür das gesamte, wertvolle Geschenkpapier aufgebraucht und weil das Geld knapp war, war der Vater darüber verärgert. Als er dann das Geschenk öffnete und sah, dass die Schachtel leer war, schimpfte er los:

"Weißt du denn nicht, junge Dame, dass wenn man jemand ein Geschenk gibt, auch etwas in der Verpackung sein soll?" fragte er.

Die Augen seiner Tochter füllten sich mit Tränen und sie sagte: "Aber Papa, die Schachtel ist nicht leer. Ich habe so viele Küsschen hineingetan, bis sie ganz voll war."

Beschämt nahm der Vater seine Tochter in den Arm und bat sie um Verzeihung.

Quelle: Geschichtensammlung von Rainer Lenzenweger, Akademischer Trainer

 
   

 

 

 

 

 

 

 

4. Best of Newsletter
Immer wieder werden wir nach Berichten in vergangenen Newslettern gefragt. An dieser Stelle bringen wir deshalb mit einem "Best of" Auszüge, die zu den meisten Reaktionen geführt haben.
 

Unternehmen, die in Zukunft erfolgreich sein möchten,
müssen Sinn bieten.

Sinnzentriert nennt es Viktor Frankl. Loszulassen von der bisherigen Struktur ist nicht zu einfach. Manche Unternehmen versuchten den Spagat zwischen beiden Strukturen. Aber es ist wie beim schwanger sein: Man kann nicht ein bisschen schwanger sein. Man ist es oder man ist es nicht.

Menschen haben ja das Bedürfnis, zu wissen, dass das, was sie tun - 40, 50, 60, 70 Stunden in der Woche – bedeutungsvoll ist. Menschen wollen nicht einfach nur etwas abarbeiten, es soll auch einen Sinn haben, und zwar einen persönlichen Sinn. Das, was man tut, muss auch eine Wichtigkeit haben. Die sogenannte „Bottom-Line“, also was unterm Strich tatsächlich herauskommt, ist nicht das einzige Wichtige in einem Unternehmen.

Zukünftig wird es immer mehr darum gehen zu definieren, was ist der Sinn meines Tuns? Die großen Crashs der vergangenen Jahre zeigen ganz deutlich, dass eine Veränderung in der Wirtschaftskultur unabdingbar ist. Denken Sie an Swissair, Emron, Bawag und andere Pleiten der letzten Jahre. Ich persönlich kenne einen Finanzvorstand eines großen österreichischen Unternehmens. Dort ist es üblich dem Vorstand befristete Jahresverträge zu geben. Erst wenn der Vorstand in mehreren Jahren ununterbrochen eine Profitsteigerung vorweisen kann, bekommt einen längerfristigen Vertrag. Diese Vorgehensweise führt natürlich dazu, dass diese Vorstände in erster Linie an kurzfristigen Profitstreben interessiert sind. Denn nur der kurzfristige Erfolg sichert Ihren Arbeitsplatz. Es ist eine Erosion in der Wirtschaft zu bemerken: dieses reine Streben nach der „Bottom-Line“ für die Unternehmen langfristig in den Untergang.

Was die Aktie wert ist, ist nicht das wirklich Erregende für den einzelnen Menschen, für den Mitarbeiter. Sondern welchen Sinn sein Tun hat. Das Erregende ist die Erfüllung, die der Mensch dabei hat , wenn er nach seinen intrinsischen Motiven (=Grundwerte) lebt. Wenn er Vergnügen dabei hat .

Unternehmen, die hierarchisch geprägt sind, in denen großartige Strategien erarbeitet und erfüllt werden, werden es zukünftig schwer haben gute Mitarbeiter zu finden. Speziell junge Talente sind bereit sogar einen geringeren Verdienst in Kauf zu nehmen, wenn die Aufgaben interessant und  sinnvoll sind.

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5. Standards versus Motivation

Manchmal erzählen mir Seminarteilnehmer, dass sie gerne eine bessere Performance abliefern würden, sie fühlen sich aber von den Richtlinien gehemmt.

Da spüren RezeptionistInnen, dass es der Dame unangenehm ist, das Geburtsdatum bekannt zu geben. Aufgrund dieses Gespürs würden sie am liebsten das entsprechende Feld im Meldeschein auslassen, fürchten aber, dass sie sich dafür rechtfertigen müssen. Die Statistik Austria schreibt uns vor, das Geburtsdatum einzufügen. Andererseits überprüfen wir die Angaben des Gastes auch nicht. Deshalb meine persönliche Empfehlung: Die Bequemlichkeit des Gastes hat oberste Priorität. Also setzen Sie in solch einem Fall ein unmögliches Datum, wie zum Beispiel den 30. Februar ein. Warum so ein ungewöhnliches Datum? Damit Sie nicht in Versuchung kommen, dem Gast per Brief zu einem falschen Geburtstag zu gratulieren. Ich weiß, es gibt Buchungsprogramme, wo dies nicht möglich ist. Daran haben vermutlich Techniker gearbeitet, die wenig Augenmerk auf Dienstleistung legen. Bei denen der Mensch nicht unbedingt im Zentrum ihres Tuns steht.

Ein anderes Beispiel:
Da möchte ein Mitarbeiter den unzufriedenen Gast wieder versöhnlich stimmen und bearbeitet die Beschwerde. Die internen Regeln sehen aber kein Budget für derartige Fälle vor. Die angemessene Wiedergutmachung fällt ins Wasser, weil der Chef nicht da ist und der Mitarbeiter sich vor Vorwürfen fürchtet, wenn er auf eigene Verantwortung ein Dessert oder ein Glas Wein offeriert. So bleibt die Wiedergutmachung aus und der Gast kommt vielleicht nie wieder.

In beiden (tatsächlich wahren) Fällen wird die Motivation des Mitarbeiters untergraben. Er/Sie wüsste, was jetzt in der Situation das Beste wäre. Die Standards gehen aber auf diese Situationen nicht ein. Das bedeutet, der Mitarbeiter muss unter seinen Möglichkeiten agieren. Damit werden engagierte Mitarbeiter demotiviert und in der Folge zum Dienst nach Vorschrift geleitet.

Die meisten Chefs wünschen sich unternehmerisch denkende Mitarbeiter und sind doch in erster Linie dafür verantwortlich, dass diese ihr volles Potenzial nicht abrufen (können). Das Leben und die Kontakte mit den Gästen sind so vielfältig, dass man nicht alle Möglichkeiten in Standards fassen kann. Deshalb meine Empfehlung. Standards sind für neue Mitarbeiter gut. Ab einer gewissen Reife und Kompetenz sind sie jedoch hinderlich. Erst kürzlich habe ich die Rezeption eines erstklassigen Hotels trainiert. Dort habe ich der Führung klipp und klar gesagt, dass die Mitarbeiter mehr können und weiter sind, als die Standards hergeben. Nur widerwillig gab man mir Recht. Loslassen fällt meist schwer.

Natürlich ist es für die Führung leichter auf die Erfüllung der Standards zu pochen. Dies erzeugt ein Gefühl von Sicherheit. Andererseits werden engagierte Mitarbeiter dadurch oft behindert und sogar demotiviert. Die Fähigkeit selbst zu denken und die Situation empathisch zu erfassen, verkümmert mit der Zeit. Es ist schwer gute Mitarbeiter zu finden? Das denke ich nicht. Wir sollten vielmehr verhindern, dass Mitarbeiter auf Sparflamme arbeiten, indem wir ihnen zu viele Regeln und Standards vorsetzen, obwohl sie zu mehr fähig sind.

Irgendwo gelesen:
Regel Nummer 1: "Setzen Sie, wenn immer angebracht Ihren gesunden Hausverstand ein und handeln Sie danach!"
Regel Nummer 2: "Es gibt keine weiteren Regeln!"

Machen Sie´s gut.

 

 
     
 

   
G a s t freundliche Grüße aus Leonding
Ines & Kurt Steindl

  Gastlichkeit & Co
   Weiterbildungs- und Betriebsberatungsges.m.b.H.

  
A-4060 Leonding
   Im Weideland 8
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Offenlegung lt. § 24 Mediengesetz
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