|
1.
Viktor Frankls sieben zentrale Prinzipien, die Leben und Arbeit
Sinn geben
2. Wir können unseren Willen zum Sinn erfüllen, wenn wir uns bewusst für
sinnvolle Werte und Ziele engagieren (Fortsetzung).
Verantwortung für unsere Wahl
Wenn wir uns entscheiden, von innen nach außen zu leben und zu
arbeiten, verlangt uns das eine bestimmte Einstellung und
bestimmtes Handeln ab. Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür,
dass wir nichts mehr zu verlieren haben - so singt es die
verstorbene Janis Joplin: "Freedom is just another word für
nothing left to lose", der Text stammt von Kris Kristofferson.
Ob es uns passt oder nicht, wir haben nicht nur die Wahl, wir
tragen auch die Verantwortung für unsere Wahl. Wenn wir unsere
privaten und/oder beruflichen Ambitionen in ein Schließfach
sperren und glauben, wir würden sie später wieder abholen, dann
ist das unsere Entscheidung. Wir haben gewählt und müssen dann
auch auf die mögliche Konsequenz gefasst sein, dass wir nie
zurückkommen und unseren Willen zum Sinn nie verwirklichen!
Wohlstand
Als Gefangene unserer Gedanken haben wir selten den freien Blick
durch die Gitterstäbe unserer metaphorischen Gefängniszelle. Um
klar zu sehen, müssen wir bereit sein, in uns zu gehen. Wir in
Europa leben in einem materiellen Wohlstand. Trotzdem fühlen wir
uns gehetzt und unglücklich und wir leben weder im Kontakt zu
unserem Innersten noch zu unseren Mitmenschen. Die
Selbstmordrate junger Menschen steigt und die Schere zwischen
den Wohlhabenden und denen im wirtschaftlichen Abseits öffnet
sich immer mehr. Wir haben die nötigen Ressourcen für ein
Gesundheitswesen, das alle versorgt, wir haben die Ressourcen
für ökonomische Stabilität, aber der Gegensatz zwischen Arm und
Reich ist dramatisch und an die Stelle von wechselseitigem
Respekt und Menschlichkeit tritt die Wertschätzung des Geldes um
seiner selbst willen.
Es ist eine
schlimme Zeit.
Aber sie schöpft aus der Fülle. Frankl hat darauf hingewiesen,
dass mit dem Ende des Kampfs um das physische Überleben der
menschlichen Gattung die Frage aufkommt: Überleben wofür? Heute
haben viele Menschen die finanziellen Mittel, um zu leben, und
trotzdem kämpfen sie mit der Frage: Wofür leben wir? Angesichts
des materiellen Überflusses wird unsere innere Leere, das
"existenzielle Vakuum", wie Frankl es nennt, immer bedrohlicher.
Neben dem
Gefühl der inneren Leere, das einen Großteil der Berufstätigen
(aber auch der Rentner) zu plagen scheint, fühlen sich viele
Menschen am Arbeitsplatz regelrecht gefangen und vielleicht auch
in ihrem Leben insgesamt. Wenn wir uns von der seichten
Gleichung "Arbeit ist Geld" verabschieden, können wir mit der
Suche nach Sinn anfangen.
-
Wie viele
Gelegenheiten bieten sich uns zu sinnstiftenden Begegnungen
mit anderen Menschen?
-
Nutzen wir
diese Momente und lassen wir uns auf die anderen ein?
-
Achten wir
die Menschen, die wir da treffen?
-
Nehmen wir
uns die Zeit, nutzen wir unsere Fähigkeit, Beziehungen
sinnvoll zu gestalten?
-
Gehen wir
respektvoll mit unserer eigenen Zeit um?
-
Halten wir
nach originellen, kreativen Ansätzen und neuen Perspektiven
für unsere Arbeit Ausschau?
-
Erleben wir
Beziehungen auf mehreren Ebenen gleichzeitig oder bewerten
wir sie immer nur nach dem unmittelbaren oder rein
finanziellen Nutzen?
Der Stress
bringt uns um.
Der Amoklauf ist nur der extreme Ausdruck einer verbreiteten,
ungezügelten Wut, sei es auf der Autobahn, am Arbeitsplatz, in
der Schue, zu Hause oder auf dem Parkplatz. "Durchdrehen" ist
eine oft benutzte Phrase, die wir nur allzu oft mit ganz
speziellen Erinnerungen verknüpfen. Der Zynismus wächst, die
Skepsis ebenfalls: Wir nehmen nichts mehr für bare Münze, was
von Regierung, Unternehmen oder sogar von so manchen Freunden
oder Nachbarn kommt. Unser Erziehungssystem versagt und lässt
die jungen Leute entfremdet und niedergeschlagen im Regen
stehen. Es ist ein "unerhörter Schrei nach Sinn", der die Maske
unserer Schönen-Tag-noch-Kultur Lügen straft. Erst wenn wir
diesen Schrei aus unserer eigenen Kehle und der der anderen
hören, erst dann wird der sinnvoll verbrachte Tag zum Maßstab
unseres Alltags werden.
Sich von
seiner Arbeit verzaubern lassen
mag für so manchen nach vergeblicher Liebesmüh klingen, aber
es kommt vor. Und wenn es geschieht, können die Auswirkungen auf
die Umgebung enorm sein. Bezaubert sein heißt, mit Herz und
Seele dabei zu sein, außer sich vor Begeisterung, Dankbarkeit,
Zustimmung, angefüllt von Möglichkeiten. Wenn wir diese
sinnzentrierte Sensibilität in unseren Beruf einbringen,
entfesseln wir Kreativität du Produktivität.
Quelle: Alex Pattakos. Gefangene
unserer Gedanken.
Die
Fortsetzung folgt im nächsten Newsletter |