2.
Effektive Kommunikation
Nichts ist schädlicher für das
Betriebsklima als die „Arroganz der Macht“ von Vorgesetzten
gegenüber ihren Mitarbeitern: demonstrative Ungeduld, auf die
Uhr schauen oder Unterbrechungen, wenn das, was vorgetragen
wird, nicht interessiert oder verärgert.
Besser ist: Schauen Sie Ihre
Mitarbeiter an. Zeigen Sie Ihr Interesse durch Lächeln,
Kopfnicken und -schütteln sowie Wiederholen des Gesagten in
kurzen Gesprächspausen: „Wenn ich Sie richtig verstanden habe“,
„Sie meinen also“ etc. Diese Technik hilft, das Gespräch auch
bei abweichenden Meinungen aggressionsfrei zu halten.
Partnerbezogen formulieren
Jeder Sieg erzeugt neuen Krieg: Selbst ein – oberflächlich
betrachtet – gewonnenes Wortgefecht kann in Wahrheit eine
Niederlage sein. Denn der Besiegte ist in seinem
Selbstwertgefühl verletzt und wird versuchen, dieses durch Rache
wiederherzustellen. Egal auf welcher Hierarchiestufe Sie sich
befinden, ob als Vorgesetzter, Untergebener oder
Gleichberechtigter: Am meisten erreichen Sie, wenn Sie wahrhaft
davon überzeugt sind, dass jeder Mensch ein Recht auf eine
eigene Meinung hat.
Als Vorgesetzter sollten Sie auf
jeden Fall das „Machtdiktat“ vermeiden: Dieser Begriff
umschreibt nicht umkehrbares Verhalten, etwa Äußerungen, die der
Mitarbeiter aufgrund von Hierarchiestrukturen niemals
zurückgeben könnte. „Das stimmt nicht, was Sie da sagen“, ist z.
B. ein solches Machtdiktat. Auf lange Sicht führt solches
Verhalten bei den Mitarbeitern zu Frustration, innerer
Emigration oder heimlichem Ungehorsam.
Der Ton macht die Musik
„Sie sind ein Lügner“! oder „Ich denke, dass Sie nicht die
Wahrheit sagen.“ Ein Inhalt, zwei Botschaften: Der erste Satz
verletzt, die Aggression provoziert zwangsläufig Gegenaggression
oder Resignation beim Mitarbeiter. Die zweite Fassung dagegen
beinhaltet zumindest theoretisch die Möglichkeit eines Irrtums,
bleibt offen für Argumente und ist vor allem eines: umkehrbar.
Negative Du-Aussagen, die fast immer verletzen, können Sie ohne
Änderung des Inhalts in positive Ich-Aussagen umwandeln. Also:
Statt des Rüffels „Stehen Sie nicht so faul herum“ äußern Sie
lieber mit Nachdruck die Bitte: „Mir wäre es lieber, wenn Sie
etwas schneller arbeiten könnten.“
Partnerbezogen führen
Führende müssen die Geführten von ihren Zielen überzeugen.
Das geschieht entweder durch logische Argumente auf der
Sachebene oder – wenn diese nicht angenommen werden – durch
partnerbezogenes Verhalten auf der emotionalen Ebene. Die
Meinung des anderen zu respektieren heißt nicht sie zu
tolerieren. Als Führungsperson müssen Sie einen klaren
Standpunkt vertreten und Zeichen setzen. Wenn Sie Ihren Respekt
jedoch ehrlich und nicht als bloße Masche demonstrieren,
entsteht ein Sympathiefeld,
das die zukünftige Zusammenarbeit enorm erleichtert.
Ein Beispiel: Mehrere Mitarbeiter
haben sich über den Abteilungsleiter X bei Ihnen beschwert.
Anstatt ihm nun auf der Basis von Aussagen Dritter eine
Generalpredigt zu halten, fragen Sie ihn direkt, ob etwas
zwischen ihm und seinen Mitarbeitern nicht stimmt, Sie hätten
diesbezüglich Klagen gehört. Sie geben ihm so genügend Freiraum,
seine Sicht der Dinge darzulegen. Dieser Führungsstil ist jedoch
keinesfalls mit einem „Um den heißen Brei herumreden“ zu
verwechseln: Vage, unheilschwangere Andeutungen können ebenso
wie direkte, aggressive Vorwürfe frustrieren.
Alte Gewohnheiten ändern
Machen Sie eine Bestandsaufnahme: Was sind Ihre
Schwachpunkte beim Reden und im Umgang mit anderen? Was Ihre
Ziele? In welcher Reihenfolge möchten Sie diese erreichen? Und
durch welche Maßnahmen? Gewohnheiten werden vom Unterbewusstsein
gesteuert. Ändern können Sie diese nur, indem Sie sich ihrer
(ungeliebten) Gewohnheiten immer wieder bewusst werden, sie
quasi an die Oberfläche zerren und sich die gewünschte Änderung
zum Beispiel durch Autosuggestion mehrmals täglich vor Augen
führen. Möglichkeiten:
- Ich höre immer und überall
zu.
- Ich rede umkehrbar.
- Ich respektiere andere
Meinungen.
Schreiben Sie Zettel mit Ihren
Vorsätzen, kleben Sie diese an strategisch wichtige Punkte
(Armaturenbrett im Auto, Badezimmerspiegel etc.) und bitten Sie
Verwandte und Freunde, Sie bei Verstößen daran zu erinnern.
Schritt für Schritt können Sie so lernen, effektiv zu
kommunizieren und sich durchzusetzen, ohne bei anderen Menschen
Wunden zu hinterlassen.
Fazit:
- Gute
Führungskräfte gewinnen, ohne dass jemand anders das Gefühl
hat zu verlieren.
- Vorgesetzte
sollten so reden, dass jeder Satz auch an sie selbst
gerichtet sein könnte.
- Die beste
Haltung beim Sprechen ist die natürliche: Mühsam
Antrainiertes fällt
unangenehm auf.
- Nehmen Sie
die Meinungen Ihrer Mitmenschen ernst, egal wie abwegig sie
Ihnen
manchmal erscheinen mögen.
- Entwickeln
Sie Mut zu Pausen im Gespräch, auch wenn sie Ihnen anfangs
quälend
lang vorkommen.
- Verzichten
Sie auf „Ähs“ und „Hms“ und sonstige Verlegenheitsfüller.
- Schauen Sie
Ihrem Gesprächspartner beim Sprechen und Zuhören in die
Augen.
- Unterbrechen
Sie Ihren Gesprächspartner nie – außer um zu wiederholen,
was er
gesagt hat, und ihn so zu bestätigen.
- Negative
Du-Aussagen können Sie durch positive Ich-Aussagen ersetzen,
ohne
ihren Inhalt zu verändern oder abzuschwächen.
- Ein
rhetorischer Sieg beschwört fast immer neuen Krieg herauf,
denn Verlierer
sinnen auf Rache.
Quelle: Scheerer H. (2002): Mit
Worten führen. Oder: Reden müsste man können
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