
Nur
wer mit den Gästen denkt, kann wirklich für sie da sein
Mit
den Spielregeln auf dem Markt haben sich auch die Gepflogenheiten
der Gäste verändert - in dem Sinn, dass die Gewohnheiten von
gestern verschwunden sind. Umso wichtiger wird es, das eigene
Unternehmensprofil im permanenten Kontakt mit den Gästen zu
entwickeln.
Nur wer sich mit dem Verhalten seiner Gäste auseinander setzt,
kann die Spielregeln der Gastronomie verstehen.
Unberechenbar
und widersprüchlich statt einfach und übersichtlich
Zum situativen Konsumverhalten gehört in erster Linie: Die Gäste
sind sehr viel weniger berechenbar geworden. Sie lassen sich nicht
mehr so einfach katalogisieren. Wenn ich als Gastronom auf meinen
Klassierungen beharre, die das Geschäft so schön einfach und übersichtlich
machten, bin ich rasch weg vom Fenster. Reagieren kann ich auf
solche Situationen nur dann, wenn ich mich permanent in die Lage
des Gastes versetze und sein Verhalten beobachte. Es lohnt sich,
auch das eigene Verhalten unter die Lupe zu nehmen - wir sind ja
immer auch Gäste und wir sind gegen Trends aller Art auch nicht
immun ...
Wir
kaufen immer auch Prestige und Selbstanerkennung
Teure Luxusartikel verlieren den exklusiven Glanz, wenn sie
Allgemeingut werden: Was alle haben und alle tun, ist nicht mehr
interessant. Wer käme schon auf die Idee, mit seinen regelmäßigen
Gourmettreffen anzugeben? Der Ruf eines langweiligen Angebers wäre
ihm garantiert. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass
Gourmettreffen wirklich noch etwas Besonderes waren. Heute dagegen
erhält maßvolles Understatement eher Aufmerksamkeit.
Nahe
am Gast - weit weg von der Routine
Worauf es uns ankommt, ist die Fähigkeit, schnell und nachhaltig
auf Veränderungen zu reagieren. Junge Gastronomen kommen wohl
selten in die Situation, dass sie Trendscouts engagieren und dann
mit einem bestimmten Produkt und einer entsprechend orchestrierten
Kampagne geradezu auf eine kurzlebige Mode spekulieren. Ihr «Rezept»,
mit dem sie den Gästewünschen auf der Spur bleiben können,
entlehnen sie viel eher bei jenen Politikern, die immer von sich
behaupten, sie seien «nahe am Volk». Was in unserem Fall dann
heißt: nahe am Gast. Und nahe am Gast (und seinen Wünschen oder
Problemen) ist nur, wer regelmäßig den Kontakt pflegt. Diese
Kontakte dürfen jedoch keine Routine sein, sondern sie müssen
regelmäßig analysiert und systematisch ausgewertet werden:
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Stelle
ich im Gespräch mit dem Gast Veränderungen in seiner
Beurteilung meines Angebotes fest? |
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Hat
für den Gast die Beziehung zu mir noch den gleichen
Stellenwert? |
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Tauchen
im Gespräch mit dem Gast neue Angebote, Namen von
Mitbewerbern auf, die bisher nicht im Spiel waren? |
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Macht
mein Gast plötzlich Anspielungen auf den Preis - die
allenfalls darauf schließen lassen, dass ein anderes
Angebot im Spiel sein könnte? |
Das
Beispiel der erfolgreichen «Eindringlinge»
Aufmerksames Beobachten ist aber nur der eine, sozusagen passive
Teil. Das aktive, offensive und kreative Handeln ist für die
Pflege der Geschäftsbeziehungen und somit für den Erfolg genauso
entscheidend.
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Habe
ich dem Gast die versprochenen Unterlagen über das
geplante Catering (oder eine andere Anfrage) wirklich
sofort geschickt - oder liegt die Notiz immer noch auf
der Ablage? |
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Kennen
meine wichtigsten Gäste das neue Angebot bereits? |
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Habe
ich die Gäste über bevorstehende Veränderungen und
die damit verbundenen Möglichkeiten informiert? |
Das
sind nur ein paar der möglichen Fragen - von Fall zu Fall sieht
Ihre persönliche Checkliste selbstverständlich ganz anders aus.
Der Schluss aus diesen Überlegungen jedoch ist klar: Mit Routine,
wir sie noch so perfekt und effizient abgewickelt, ist kaum mehr
ein Blumentopf zu gewinnen. Sie können ja auch das Gewohnte neu
interpretieren. Nun ist die Gefahr der langjährigen Routine bei
jungen Unternehmen ja selten sehr groß. Hier geht es vielmehr
darum, sich Zugang auf einen Markt zu verschaffen, der nicht
gerade auf den Newcomer gewartet hat.
Und
doch: Es gibt sie immer wieder, die „Eindringlinge“, die es
schaffen. Weil sie das Geschäft von einer ganz andern Seite her
angehen, weil sie neue Ideen haben, weil sie neuen Pfiff
mitbringen und respektlos gegenüber Traditionen handeln. Mit präzisen
Vorstellungen nicht nur von der Zielgruppe, sondern von den Bedürfnissen,
Wünschen und Problemen der Gäste. Hier spielt ganz besonders die
Fähigkeit mit, Problemstellungen aus der Sicht des Gastes zu
sehen, zu verstehen und zu beurteilen - und dann die zielgenau
angepassten Lösungen anbieten zu können.
Wer
sich seinen Gästen gegenüber mit einem so klaren und überzeugenden
Profil darstellen will, muss zu allererst sich selber, seine
Kompetenzen und Ziele kennen. Er muss sich klar und eindeutig
positionieren.
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