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Die Menüfolge
Eine angenehme Speisenfolge zusammenzustellen ist eine Kunst,
die heutzutage leider sogar in Spitzenrestaurants nicht immer
beherrscht wird und erst in den letzten Jahren langsam wieder
die Beachtung bekommt, die früher eine Selbstverständlichkeit
war.
Grundsätzliches
Eine gute Fleischbouillon, ein Braten mit Beilage, Salat und ein
Dessert - so könnte ein einfaches Menü aussehen. Jedoch wäre
diese Zusammenstellung nicht ideal: Fleischbrühe vor dem
Fleischgang sollte besser durch eine leichte Gemüsecremesuppe
ersetzt werden.
Aber da schon können sich die ersten Schwierigkeiten einstellen,
denn eine cremige Suppe, gebunden mit Sahne, darf es nur sein,
wenn die Sauce zum Braten als klarer Saft belassen und nicht mit
Sahne bereitet wird, außerdem die Beilage nicht sahnig sind (Kartoffelgratin
oder Blumenkohlauflauf) und schließlich das Dessert nicht cremig
ist.
Vier gute
Gerichte = ein gutes Menü?
Oberstes Gebot bei einem Menü muss sein, nicht nur
auf den Wohlgeschmack der einzeln Gerichte zu achten, sondern
jeden einzelnen Gang und jedes Detail auf das Ganze
auszurichten. Ein Menü aus super zubereiteten und schmackhaften
Einzelgerichten kann durchaus zum Reinfall werden, wen man ein
paar einfache Grundregeln nicht beachtet wie:
- Kalte vor warmen Gerichten
(Ausnahme: man liebt es heute, die Suppe als ersten Gang zu
servieren und danach erst einen Salat).
- Leichte und elegante
Gerichte müssen unbedingt immer vor schweren und reichen
Platten serviert werden.
- Fisch wird immer vor Fleisch
gereicht, ausgenommen kleine Ragouts oder kalte
Fleischgerichte bei festlichem Anlass und vor großem
Fischgang (etwa einem Lachs).
- Gibt es zwei oder mehrere
Fleischgänge, so kommt immer das helle vor dem dunklen
Fleisch - etwa Geflügel vor Lamm, Kaninchen vor Rind, Wild
stets am Schluss.
- Nie ähnliche Saucen, etwa
zweimal mit Sahne oder Eigelb, einander folgen lassen.
Möglichst zwei ähnlich Saucen überhaupt nicht in einem Menü
anbieten. Und dabei auch darauf achten, dass dieselben
Grundprodukte nicht in zwei Gängen den Geschmack bestimmen.
Keine Beilage wiederholen – also keine Bohnen zum Braten,
wenn im Salat schon Bohnen verwendet wurden.
- Alle Speisen müssen in einer
gewissen „Spannung“ zueinander. Beispiel: drei milde,
kontrastarme Speisen in Folge sind langweilig. Also – ist
der erste Gang etwa sahnig - sanft, wird der zweite etwa
säuerlich abgeschmeckt. Und folgt dann im Dritten etwas
würzig-gemüsiges, so entsteht durch diese
Unterschiedlichkeit eine appetitanregende, angenehme
Spannung.
- Die Speisen sollten dasselbe
Niveau haben: Ein Menü fällt auseinander, wenn z. B. Suppe
und Vorspeisen aus Fertigprodukten schnell zusammengestellt
wurden und das Hauptgericht aber mit aller Kunst und viel
Aufwand zu einem großartigen Erlebnis gestaltet wurde. Auch
passen rustikale und feine Speisen nur äußerst selten
zusammen.
Wie viele
Gänge?
Mit der Zeit änderten sich die Vorstellungen, wie
viele Gänge ein Menü haben sollte, so dass vieles, was wir in
alten Kochbüchern finden heute nicht mehr gilt. Wir haben unsere
Menüs um Gegensatz zu früher schlanker gemacht – wir essen heute
nicht mehr jeden tag Fisch oder Fleisch, sondern begnügen uns
auch oft Gemüse. Hier hat sich die Einstellung zum Essen zu
Gunsten der gesunden Ernährung entscheidend gewandelt. Die
Zwischengerichte gibt es meist auch nur noch bei größeren
Anlässen.
Heute reichen wir ebenfalls jedes
Gericht einzeln, was früher meist nicht der Fall war – da gab es
schon mal „Prager Schinken“ mit einer Pute gemeinsam, wie eine
mehr als hundert Jahre alte Menükarte beweist, in einem Gang.
Man sollte sich durch alte
Menükarten oder Menüvorschläge in älteren Büchern nicht
irremachen lassen, wenn man seine ersten vollständigen Menüs
zusammenstellt. Niemand beispielsweise aß bei einem festlichen
Mahl an einer Adelstafel alle 24 Gerichte, die zur gleichen Zeit
serviert wurden. Im Prinzip verlief so ein Essen nicht anders
als heute ein üppiges Büffet, von dem sich ja auch jeder nur das
aussucht, was er mag und nicht auf den Gedanken kommen wird, er
müsse von allem etwas nehmen.
Halten wir uns also an folgende Faustregeln:
- Ein normales Essen in der
Familie hat drei bis vier Gänge: Vorspeise, ein Hauptgericht
mit Beilagen, Salat, Dessert.
- Eine einfache Mahlzeit mit
Freunden oder ein Sonntagsessen ebenfalls, doch werden die
Gerichte dann reicher gestaltet, es kann auch mehrere
Beilagen geben und ein Käsegang sollte dann auch nicht
fehlen.
- Ein Festmahl in Familie oder
mit Freunden besteht aus Vorspeise(n), Suppe,
Zwischengericht, Hauptgericht, Salat und (oder) Käse,
Dessert.
Jahreszeiten
und Regionen
Ein gutes Menü richtet sich immer nach dem Angebot
des Marktes und nach der Saison. Aber man kann auch mal mit
Außerordentlichem aufwarten. So passen Erdbeeren im Juni zu
einem einfachen häuslichen Menü, im November zieren sie dagegen
die festliche Tafel. Die Scholle hat im Norden nicht denselben
Stellenwert wie im Süden und hier empfindet man ein Carpaccio
als Alltagsgericht, während es dort den Hauch von
anspruchsvoller südlicher Lebensart besitzt.
Die Getränke
vollenden ein harmonisches Menü
Welcher Wein zu diesem Fisch? Bier oder Wein zum
Schweinsbraten? Die Auswahl der Getränke macht sehr vielen
Menschen Schwierigkeiten. Dabei gibt es eigentlich so einfache,
immer zutreffende Regeln:
- Weißwein zu hellen Speisen,
Rotwein zu Gerichten in dunklen Saucen. Je heller, desto
leichter und säurebetonter, je dunkler, desto kräftiger,
älter und schwerer. In Grenzbereichen mag man spielen: etwa
einen leichten Beaujolais zu Geflügel, einen kräftigen
Riesling zu gekochtem Rindfleisch.
- Zu deftig rustikalen
Gerichten einen einfachen Landwein, zu den delikateren
Zubereitungen entsprechend anspruchsvolle Spitzenweine.
- Den Speisen im Menü folgend,
von leichten Weißweinen zu schweren Rotweinen übergehen, zum
Schluss aber, nach einem ausgiebigen Festessen, wiederum
etwas Erfrischendes servieren - zum Beispiel Sekt oder
Champagner.
- Während eines dreigängigen
Menüs bei einem Wein bleiben, bei mehrgängigen Menüs
unbedingt abwechseln.
Quelle:
www.chefkoch.de
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