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Lokalaugenschein:
Restaurant Verdi/Linz
Ein ganz und gar subjektiver Situationsbericht
von Kurt Steindl
Dem 15. Hochzeitstag im August 2005 gebührt ein
adäquater Rahmen. Drei Hauben von Gault-Millau sind da gerade
recht. Kurzfristig springt die Verwandtschaft als Babysitter
ein. Speisen im Restaurant Verdi, hoch über Linz.
Reservierung
Bereits bei der telefonischen Reservierung eine angenehme
Überraschung. Der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung ist
offenbar gut geschult und wirkt sehr kompetent. Etwas überrascht
sind wir, dass wir für denselben Abend noch einen Tisch
bekommen.
Entree
Dafür enttäuscht uns das Willkommen: Obwohl nicht ausreserviert,
weist uns ein wortkarger Mitarbeiter den „Katzentisch“ direkt
bei der Eingangstüre zu. Lediglich die Tatsache, dass wir hier
bekannt sind, rettet uns den Abend. Der Maitrè lässt uns in der
Folge zwischen zwei schönen Tischen mit Blick auf Linz wählen.
Den ganzen Abend über bleibt der Katzentisch unbesetzt. Weshalb
also die anfängliche Zuweisung?
Die Speisenauswahl ist schwierig.
Bei den Vorspeisen möchten wir am liebsten alle probieren. Das
angebotene Menü (ab zwei Personen) zum 40jährigen
Betriebsjubiläum haben wir bereits vor zwei Wochen genossen,
also stellen wir uns dieses Mal selbst den Speisereigen
zusammen. Der überaus kompetente Maitrè hilft bei der Auswahl
und zeigt sich eher erfreut bei einem Sonderwunsch: für mich
gleich zwei Vorspeisen in Menügröße.
Als Aperitif ein Glas Champagner. Offen und
ausgezeichnet temperiert. Eine Wohltat. Wenig überzeugend
allerdings der Liptauer, der als Gedeck in Koalition mit
köstlichem, gehacktem Gemüse serviert wird. Der Gruß aus der
Küche – ein frittiertes Rindfleischbällchen und eine
geeiste Melonentasse – überzeugen uns schon eher.
Wein
Sehr angenehm finden wir die Weinauswahl in halben Flaschen.
Namhafte große Weine in kleinem Gebinde ermöglichen die
Heimfahrt mit dem eigenen Auto. Arachon von TFXT,
Jahrgang 2000.
Vorspeisen
Der
warm geräucherte Wildlachs mit Hirtentäschelsalat
und asiatischer Marinade
ist optisch und geschmacklich überzeugend. Die
lauwarmen Flusskrebse – eine Empfehlung des Maitrè – munden
vorzüglich. Etwas weniger überzeugt uns die überlange Wartezeit
auf die zweite Vorspeise. Mehr als 45 Minuten Pause zwischen
zwei kleinen Gängen stellen die Geduld gehörig auf die Probe.
Die getrüffelten Teigtaschen an Sellerieschaum erweisen
sich als Geschmacksexplosion am Gaumen. Eine herrliche
Komposition, die ich am liebsten gleich nochmals bestellen würde.
Offenbar ist man sich der Wartezeit bewusst
geworden. Als Überbrückung serviert man uns eine kleine Tasse
Sorbet vom weißen Pfirsich.
Hauptgang
Der zarte
Branzino
an Parmesan-Risotto
hält, was die Ankündigung verspricht, zart und äußerst delikat.
Der Mühlviertler Milchlammrücken erweist sich als das Beste vom
Lamm, das ich bisher genießen durfte. Ebenfalls zart und auf
den Punkt gebraten.
Als Nachtisch
eine Käsevariation und ich vertraue der Auswahl des
Mitarbeiters. Sechs verschiedene Käsesorten, gefällig an
Apfelscheiben und halbierten Trauben angerichtet, finalisieren
die Gaumenfreuden. Der Maitrè versteht es bei der Verweigerung
eines Desserts einen geeisten Cappuccino derart verführerisch zu
empfehlen, dass meine Gattin gerne schwach wird und freudig
genießt. Praktizierter Zusatzverkauf - ohne aufdringlich zu
sein, weil das Wohl des Gastes im Vordergrund steht. Für mich
als Seminartrainer absolut gelungen. Bravo.
Zum Abschluss serviert ein weiß behandschuhter Mitarbeiter noch
unaufgefordert zwei Verdi-Lollies. Kaffeecreme für die
Damen, Whisky für die Herren. Spaßig allemal, doch wohin mit den
Stielen? Die Untertasse des kleinen Espresso springt helfend
ein.
Fazit
Aus unserer Sicht hat das Restaurant Verdi den Titel „Bestes
Restaurant Oberösterreichs“ klar verdient. Die famose,
raffinierte und doch klare Küche von Patron Erich Lukas
überzeugt uns. Das Service – hier speziell des Maitrè - ist
erstklassig und kompetent, auch wenn die Kommunikation
(insbesondere Körpersprache) eines Mitarbeiters
verbesserungswürdig ist. Das Ambiente mit dem Blick auf das
nächtliche Linz ist atemberaubend. Die Einrichtung ist
schnörkellos und wohltuend einfach in der Linienführung.
Wir kommen
sehr gerne wieder. Nicht erst zur Feier des 16. Hochzeitstages.
www.verdi.at
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