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Leo Hillinger - ein Turbo
startet durch
Mit 23, in einem Alter, in dem
andere noch nicht einmal genau wissen, was sie beruflich tun
wollen, hat Leo Hillinger seine Weinweltreise bereits hinter
sich und beginnt 1990 den Aufbau des eigenen Weinguts praktisch
bei null.
Seine Arbeitsreisen
führten ihn
von Frankreich über Deutschland und Südafrika bis nach
Australien, Neuseeland und Kalifornien. Wieder zu Hause, war
klar, dass sich mit dem frisch übernommenen Betrieb – eigene
Rebfläche nicht einmal ein Hektar – einiges ändern werde müssen.
Wer den guten Leo irgendwann zwischen 1990 und 2004 kennen
gelernt hat, der wird eine ganz erstaunliche Änderung
konstatieren.
Der laute
Winzer
Waren es bisher eher Epitheta wie
„lautester Winzer des Landes“ oder „marketingbetonter
Ideensprudler“ oder „unruhigster Geist der burgenländischen
Winzerschaft“, die dem blonden Wuschelkopf voraneilten, so ist
nunmehr – vermutlich durch die Erfüllung des Lebenstraums,
nämlich des eigenen Kellers – eine Veränderung eingetreten, die
man kaum für möglich gehalten hatte: Leo Hillinger strahlt eine
Ruhe und Abgeklärtheit aus, die in allerhöchstem Maße (und auf
vortrefflichste Art, das sei hinzugefügt) mit seinem bisherigen
rastlosen Lebenswandel kontrastieren. Leo selbst kommentiert
seine Veränderung: „Früher gab’s Drang durch Druck. Heute
konzentriere ich mich auf das Wesentliche, und das ist die
Qualität des Weins. Ich geb’s durchaus zu, früher hatte ich
Profilneurosen aus Akzeptanzmangel, auch musste ich in Sachen
Qualität Kompromisse eingehen. Heute passt die Qualität, und das
gibt die Ruhe.“
Modernste Kellerei
Leo Hillinger hat sich mit einer
der modernsten Kellereien Europas ein Denkmal geschaffen, das
seinesgleichen sucht. Ich muss eines vorausschicken: Ich
verstehe nicht allzu viel von Architektur, einer Kunstform, zu
der mein Zugang ähnlich strukturiert ist wie bei Weintrinkern,
die sagen, sie verstünden nichts vom Wein, sie wüssten
lediglich, was ihnen schmecke. So ungefähr ist’s bei mir: Ich
verstehe nichts davon, weiß aber, was mir gefällt. Und der
Hillinger’sche Keller ist nicht nur beeindruckend, er gefällt
mir wirklich. Ende der Zwischenbemerkung.
Der neue Keller. Mag man die
Bezeichnung des Kellers als „Produktionshaus“ auch als
manieriert empfinden, so steckt doch eine ganze Menge
Gehirnschmalz, das sowohl von Seiten des Bauherrn wie des Linzer
Architekturstudios „GernerGernerPlus“ eingeflossen ist, in
Planung und Ausführung. Die Lage selbst in den Weingärten von
Jois ist sensibel, und dass die Genehmigungen zur Bauführung
einfach zu erhalten gewesen wären, könnte als Untertreibung des
Jahres in die Geschichte eingehen. Von außen zu sehen sind
eigentlich nur die Präsentationsräumlichkeiten mit der Lounge –
der Kostraum ragt als selbstbewusstes Statement aus dem
Weinberg, sein übergroßes Fenster erleuchtet die Nacht –, die
eigentliche Produktion liegt im Erdinneren. 40.000 Kubikmeter
Aushub schufen Platz für die Produktion und gleichzeitig ein
Kellerklima, das weitgehend natürlich und energieoptimiert zu
regeln ist. Über der großen Produktionshalle sorgen acht nach
Norden ausgerichtete Pyramidensockelfenster für natürlichen
Lichteinfall ohne direkte Sonnenbestrahlung. Herzstück der
gesamten auf die Verarbeitung von 300.000 Litern ausgelegten
Anlage ist die Computersteuerung des kompletten Betriebs über
funk vom Labor aus. 400 Barriques komplettieren die
Verarbeitung.
Der Kellerbau
war aber noch aus
einem anderen Grund als Herzstück des Betriebs lebenswichtig:
Gab es bisher vier Produktionsstätten – je eine in Rust und Oggau, als Untermieter in der Winzergenossenschaft Jois und das
Stammhaus in Jois selber –, so ist nunmehr die komplette
Verarbeitung des Ertrags von 50 Hektar Weingärten (25 ha eigene,
25 ha von Vertragswinzern) an einem Ort sichergestellt.
Reben und Wein
War der Kellerbau
eine unglaubliche Hauruck-Aktion – Baubeginn war im Mai 2003, im
Herbst wurde die komplette Lese 2003 bereits verarbeitet –, so
brauchte das Weingut naturgemäß länger, um zu seiner heutigen
Größe zu wachsen. Die besten Rebflächen – von der mütterlichen
Seite stammend – liegen in Rust und Oggau, von dort stammen die
Trauben für die Topserie „HILL“. Lag früher der Rotweinanteil
bei 80%, so liegt er heute etwa bei 70%, der Weißweinanteil ist
also wieder leicht ansteigend.
Aber fangen wir an der Basis an.
Da liegen die Sortenweine, Welschriesling, Chardonnay und
Sauvignon in Weiß (alles aus dem Stahltank), Blaufränkisch und
Zweigelt in Rot, dazu kommt noch mit dem „SMALL HILL“ eine
Rotweincuvée; alle diese Weine liegen preislich unter 10 Euro.
Die drei preiswerten Roten werden in der Regel sechs Monate in
gebrauchten Barriques ausgebaut. Darüber stehen die beiden roten
Sortenvertreter im Premiumbereich, St. Laurent und
Cabernet-Sauvignon, sowie die drei Hills: Hill 1 als rote, Hill
2 als weiße und Hill 3 als edelsüße Cuvée.
Leo Hillingers Weine
sind modern vinifiziert, keine Frage, aber längst nicht so aalglatt, wie man
das heutzutage vielfach hört, ganz im Gegenteil. Nach meinem
Gefühl haben sie in den letzten Jahren bedeutend zugelegt, und
zwar in Sachen Beständigkeit. Heute kann man jeden Wein des
Hauses bedenkenlos empfehlen, was früher nicht unbedingt der
Fall war (was der Winzer oben ja auch zugegeben hat.)
Arbeiten mit dem Konzentrator?
Natürlich wird nach dem letzten
Stand der Technik gearbeitet. Wie hält’s der Winzer mit dem
Konzentrator? Leo Hillinger hat da keine Berührungsängste und
sieht das sehr pragmatisch: „Der steht im Haus, wurde aber in
sechs Jahren nur zweimal verwendet, 1998 und 2001.
Betriebswirtschaftlich gesehen war’s unsere schlechteste
Investition.“ 2003 gab’s übrigens keinen Säurezusatz.
Degustationen & Seminare
Um für
die Probe der Weine einen entsprechenden Rahmen zu haben, wurden
Verkostungs- und Seminarräume geschaffen, die an Komfort und
Präsentationstechnik als „state of the art“ gelten dürfen.
Lounge, Seminarraum und Barriquebereich sind mit
Multimediatechnik ausgestattet. Dank funkgesteuertem Netz kann
die hochkomplexe Technik gebäudeübergreifend und einfach bedient
werden. So wird Information zum großen Erlebnis.
Weinakademikerin und
Sommelière
Aber alle Technik nützt nichts,
wenn die menschliche Komponente nicht stimmt. Und da hat Leo
Hillinger eine absolut kongeniale Mitstreiterin gefunden:
Daniela Mayer, aus Kärnten stammende Weinakademikerin und
Sommelière mit mehreren Saisonen Berufserfahrung unter anderem
in Tophäusern am Arlberg, arrangiert jede gewünschte Form von 2
bis 500 Personen, und für ihre Sachkenntnis darf ich als
Zaungast eines ihrer Seminare meine Hand ins Feuer legen.
Weingut Leo Hillinger
7093 Jois, Hill 1
Seminar & Events:
Daniela Mayer
Tel. +43/2160/8317, Fax +43/2160/8129
www.hillinger.net
leo@hillinger.net
Quelle: Veröffentlichung mit
freundlicher Genehmigung von
www.vinaria.at |