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Der Ausbilder als Beziehungsmanager
„In den nächsten drei Jahren
werde ich mehr Zeit mit dir verbringen als dein Vater.“
Dieser Satz, den mein Meister vor über 23 Jahren während
meiner Einführung in den Betrieb eher nebenbei sprach,
hat sich auf meiner „Festplatte“ eingebrannt. Heute weiß
ich warum: Er formulierte ein Leitbild, das angesichts
zunehmender Technisierung und Anonymität in unserer
Gesellschaft aktueller denn je ist: Beziehung als
Schlüssel zumAusbilden und Lernen.
Das Aufnehmen und Gestalten
von Beziehungen ist für die Entwicklung eines Menschen wichtig.
Informationen können sich Lehrlinge notfalls aus Büchern
oder elektronischen Medien organisieren, aber soziale
Kompetenz lernen sie nur im Umgang mit anderen Menschen.
Ausbilder nehmen hier eine Vorbildfunktion ein, da sie
für ihre Lehrlinge als Modell für das Gestalten von (Arbeits-)Beziehungen
stehen.
Management von Beziehungen Doch Beziehungen zu managen, ist nicht so einfach wie es
klingt. Es genügt nicht, nur freundlich zu sein.
Ausbildungsprozesse müssen bewusst initiiert, gestaltet
und gesteuert werden und das setzt Wissen über
menschliche Beziehungen voraus. Die meisten
Schwierigkeiten, die dabei auftreten können, sind
Kommunikationsprobleme. Daher gibt es im Grunde zwei
Aufgaben zu meistern: Einerseits mit sich und anderen
adäquat zu kommunizieren, andererseits mit den Emotionen
anderer richtig umzugehen. Das setzt voraus, dass
Ausbildungskräfte sich ihrer eigenen Emotionen bewusst
sind und sich mit Empathie auf die Lehrlinge einstellen
können. Die Kunst, gute Beziehungen zu führen, beginnt
also mit Authentizität.
So lautet die Devise: Professionelle Beziehungsarbeit statt
Kuschel-Management.
Ausbilden heißt
kommunizieren Die Kompetenz des Ausbilders besteht darin, Wissen und
Können zu vermitteln, aber auch die Beziehung zum
Lehrling effektiv zu managen. Diese Fähigkeit beinhaltet
in besonderem Maß eine kommunikative Kompetenz, die es
dem Ausbilder ermöglicht, mit schwierigen Situationen
und Konflikten konstruktiv umzugehen. Konsequenterweise
stellt sich die Frage, warum es im Rahmen der
Berufsausbildung so wichtig ist, über die Fähigkeit zu
kommunizieren zu verfügen? Einführungs-, Unterweisungs-,
Zwischen-, Beurteilungs-, Beratungs- und
Konfliktgespräche – das Spektrum der Gesprächsanlässe in
der Berufsausbildung ist vielfältig. Auch die nonverbale
Kommunikation nimmt einen großen Teil der Zeit während
des Ausbildungsalltags ein.
Das bedeutet: Ausbilden
ist kommunizieren.
Kommunizieren heißt
Beziehungen gestalten Gelungene Kommunikation hängt nicht allein vom Willen ab
- wobei das eine sehr gute Voraussetzung ist - sondern
auch von der Fähigkeit zu durchschauen, dass sie viele
Dimensionen der Verständigung hat. Neben dem Austausch
von Inhalten steht auch immer der Ausdruck von
zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn das Verhältnis
zwischen den Gesprächspartnern schlecht ist, sind selbst
einfachste Inhalte schwierig oder gar nicht zu
vermitteln.
Mit anderen Worten: Die
Beziehungsqualität ist der Schlüssel zum
Ausbildungserfolg.
aus:
Kluge, M.: Der Ausbilder als Beziehungsmanager. Was tun
mit "schwierigen" Azubis? Köln 2003.
Autor: Michael Kluge,
MKTrainKluge@aol.com
www.kluge-kompetenzen.de Quelle: aid, Fachzeitschrift „B&B Agrar“, Seite 266-267,
Ausgabe 10/03 Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des
Autors. |