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Kritik
üben
Haben Sie Angst oder poltern Sie?
Wer sagt einem anderen Menschen schon gerne, dass dieser einen
Fehler gemacht hat? Der Kritisierte fühlt sich gekränkt und
einem selber ist auch oft nicht wohl beim Kritisieren. Ein
zaghafter Chef wird Angst haben, er könne seine Mitarbeiter
durch barsche Kritik brüskieren und wird so vermutlich keine
Verhaltensänderung erreichen. Der offensive Vorgesetzte poltert
gleich los und versucht einzuschüchtern. Auch er wird vermutlich
meist scheitern. Die gescholtenen Mitarbeiter verweigern sich in
Zukunft. Gleichwohl: Das Kritikgespräch gehört unbedingt zu den
wichtigsten Führungsaufgaben.
Wie kommen Sie jetzt aus dieser Nummer?
Die Konfliktbereitschaft steigern
Es sei zunächst wichtig, dass Sie als Vorgesetzter weniger auf
die Mitarbeiter schielen als vielmehr die eigene
Konfliktbereitschaft steigern, raten Experten. Die meisten
Menschen verbinden nämlich Kritik mit etwas Negativem: Der will
mir etwas. Auch Sie werden vermutlich so denken, sollten es aber
nicht. Für Sie sollte Kritik künftig bedeuten: Wer mich
kritisiert, will mir helfen. Das wird Ihnen helfen,
sachgerechter zu kritisieren. Sagen Sie sich stets: "Ich helfe
meinen Mitarbeitern, ihre Handlung und Leistung zu verbessern.
Durch meine Kritik erhalten sie eine Chance, die sie sonst nicht
hätten."
Menschen und Kritikpunkte trennen
In jedem Kritikgespräch muss mithin klar werden, dass die Kritik
ein Arbeitsergebnis oder ein konkretes Verhalten – nicht aber
den ganzen Menschen in Frage stellt. Üben Sie in diesem Sinne
das Kritisieren zunächst außerhalb des eigentlichen
Arbeitsbereichs, z.B. im Gasthaus, wenn wieder einmal das Glas
nicht voll ist oder beim Fleischhauer, wenn das Papier mit
gewogen wird.
Gelassenheit
Vor allem lernen Sie, gelassen zu kritisieren. Was nutzt es der
Sache und Ihnen, wenn Sie gleich in die Luft gehen? Einen guten
Trick für Kritik fand ich dieser Tage in unserem "Handbuch für
den Vorgesetzten". Dort empfahl ein Experte: Stellen Sie sich
bei einem Kritikgespräch immer vor, ein unbeteiligter Dritter
würde Ihnen zuhören.
Offene Fehlerkultur
Betreiben Sie zudem in Ihren Einwirkungsbereich möglichst eine
offene Fehlerkultur, bei der auch Ihre Fehler als Vorgesetzter
bei passender Gelegenheit durchaus Gegenstand allgemeiner Kritik
sein sollten. Kritik sollte nichts Außergewöhnliches sein, kein
Gewitter, das sich plötzlich entlädt und alle zusammenfahren
lässt.
Keine Drohungen
Wenn Sie kritisieren, müssen Sie sich als gradlinige und
berechenbare Führungskraft zu erkennen geben. Das heißt:
Vermeiden Sie Ankündigungen bzw. Androhungen, halten Sie sich
konsequent an Zusagen und werfen Sie nicht kurzfristig Ihre
eigenen Entscheidungen wieder über den Haufen, frei nach den
Worten unseres früheren rheinischen Bundeskanzlers Konrad
Adenauer: "Was schert mich mein dummes Geschwätz von gestern."
Nein, Sie müssen zu Ihrer Sache stehen, wenn Sie von den
Mitarbeitern respektiert werden wollen; selbst wenn die Sache
unbequem ist.
Evaluation
Sollte ein Kritikgespräch trotz sorgsamer Vorbereitung
(wichtig!) nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen, geben Sie
nicht von vornherein dem Mitarbeiter die Schuld. Fragen Sie sich
vielmehr: Was habe ich falsch gemacht? Habe ich wirklich einen
kühlen Kopf bewahrt? War ich flexibel genug?
>>> So
gehen Sie mit Kritik um >>>
Veröffentlichung
mit freundlicher Genehmigung von:
VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG • http://www.vnr.de |