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Die Todsünden der Kommunikation
- und wie man es besser macht ...
Sich herablassend benehmen
Bewerten
Wenn wir uns ein positives oder negatives Urteil über jemanden
erlauben, dann geschieht dies in der stillschweigenden Annahme,
dass wir uns für etwas Besseres halten. Dies trifft ganz
besonders dann zu, wenn wir andere ganz global und nicht
spezifisch beurteilen. Phrasen wie "Du bist ein guter
Mitarbeiter" oder "Du bist hoffnungslos "nützen sehr wenig, da
es sich um sehr allgemeine Aussagen handelt, die der Empfänger
nur als Behandlung "von oben herab" empfindet. Vermeiden Sie
ebenso globale Beurteilungen vom dem Typus "Du bist
rücksichtslos" oder "Du musst dich schon stärker engagieren,
wenn du weiterkommen willst"
Spezifizieren Sie Ihr Lob oder
Ihren Tadel. Sagen Sie nie, was Sie mögen oder nicht mögen, ohne
dass Sie dies auch begründen. Befassen Sie sich lieber mit
Tatsachen, anstatt Meinungen und Deutungen zu verwenden.
Benutzen Sie neutrale Wörter, und vermitteln Sie dem anderen
durch Ihre Körpersprache, Ihren Tonfall und Ihre Wortwahl Ihren
Respekt vor ihm.
Trösten
Eine andere Form der Überheblichkeit ist, jemanden zu beruhigen,
zu bemitleiden oder zu trösten. "Morgen sieht alles bestimmt
ganz anders aus." "Mach dir keine Sorgen, es gibt am Himmel
immer einen Silberstreifen, ich bin davon überzeugt, dass alles
gut wird." "Dein Kummer nimmt mich so richtig mit." Diese
Bemerkungen sind oft nicht gerade hilfreich, da sie viel zu
häufig falsch sind. Sie beinhalten auch, dass wir meinen, über
die Lage eines anderen besser Bescheid zu wissen als er selbst.
Wenn man es sich richtig überlegt, ist diese Form der
Kommunikation geradezu beleidigend.
Begegnen Sie anderen Menschen aus
einer Haltung der gegenseitigen Achtung. Reden Sie weder von
"unten herauf" noch von "oben herab" mit anderen. So vermeiden
Sie jegliche herablassende Wirkung. Meiden Sie auch Klischees
und leere Beschwichtigungen.
Den "Psychologen spielen" oder
"etikettieren"
Sie haben sicher schon folgende Kommentare gehört: "Das
behauptest du nur, weil du einen Autoritätskonflikt hast." "Ich
glaube, du hast nicht ganz verstanden." "Dein Problem ist . . ."
"Du hast doch Verfolgungswahn." "Du bemühst Dich einfach nicht
genügend." Diese Art von Bemerkungen sind Beispiele von
"Etikettieren ". Diese Art der Kommunikation "jubelt uns hoch"
und stuft den anderen Gesprächspartner herunter. Es ist
gefährlich, andere Menschen oder ihr Verhalten mit einem Etikett
zu versehen, da wir eigentlich nicht wissen, ob es wirklich
stimmt. Meistens stimmt es nämlich nicht. Dennoch benehmen wir
uns dem anderen gegenüber, als ob unsere Vermutung zuträfe. Dies
kann natürlich zu den verschiedensten kommunikativen Problemen
führen.
Widerstehen Sie der Versuchung,
andere Menschen oder ihr Verhalten zu etikettieren. Wenn Sie
etwas verändern wollen, was ein anderer sagt oder tut, dann
beschreiben Sie Ihre Sicht klar und deutlich, ohne Deutung oder
Bewertung. Bleiben Sie bei den Tatsachen, und gehen Sie
eventuell auf die Wirkung ein, die das Verhalten auf Sie gemacht
hat. Das sind legitime Argumente. Dagegen sind die Deutungen
eines Amateurpsychologen niemals legitim.
Ironische Bemerkungen machen
Obwohl sie teilweise durchaus zum Umgangston gehört, stellt
Ironie eigentlich eine aggressive Herabsetzung des Opfers dar.
Auch angeblich freundliches Scherzen kann daneben gehen und zu
verletzten Gefühlen führen. Oft verhindern ironische Bemerkungen
ein offenes Gespräch. Ironie gehört in die gleiche Rubrik wie
Beleidigung, Verhöhnen und Beschämen - und führt auch zu den
gleichen Ergebnissen.
Es ist meistens besser, das zu
sagen, was man wirklich meint, anstatt es in eine ironische
Bemerkung zu kleiden.
Übertriebene oder
unangebrachte Fragen stellen
Niemand hat es gerne, wenn er verhört, geprüft oder
"ausgequetscht " wird. Mögen Sie das? Genau diesen Effekt
erzeugt ein Bombardement von Fragen, seien es offene Fragen, die
vollständige Antworten verlangen, oder geschlossene Fragen, die
entweder mit "Ja" oder "Nein" bzw. einer kurzen faktischen
Angabe beantwortet werden können.
Wenn Sie eine Frage stellen, dann
sorgen Sie für Blickkontakt und zeigen Sie durch Ihre
Körpersprache, dass Sie zuhören - nicken Sie und bestätigen Sie
ab und zu. Beziehen Sie sich bei Ihrer Rückantwort wiederum auf
etwas, das der andere gerade gesagt hat, oder fassen Sie das
eben Gesagte kurz zusammen. Wenn Sie weitere Auskünfte
benötigen, können Sie zu Ihrer nächsten Frage übergehen.
Wenn Sie allerdings sehr viele
Fragen an jemanden haben, dann ist es besser, ihn um Erlaubnis
zu bitten: "Wenn Sie nichts dagegen haben, möchte ich Ihnen gern
einige Fragen stellen." Verknüpfen Sie jeweils die folgende
Frage mit der vorangegangenen Antwort, indem Sie kurz
zusammenfassen. Dies wird den "Stakkato"- oder
"Maschinengewehr-Effekt" mindern.
Signale setzen
Befehlen
Befehlen bedeutet, dass Sie jemandem eine Anweisung so geben,
dass ihm keine Möglichkeit zur weiteren Diskussion bleibt, er
sich nicht weiter informieren kann, kein Raum bleibt, um
abzulehnen oder gar zuzustimmen. Durch Ihren Befehl fühlt sich
der andere eher wie eine Maschine denn als Mensch. Je nach Ihrer
Position wird er entweder mit einer aggressiven Antwort oder
widerstrebendem Gehorsam reagieren.
Wenn Sie das nächste Mal geneigt
sind zu sagen: "Sie müssen ..." oder "Hören Sie auf!", dann
hören Sie lieber auf. Suchen Sie nach einer besseren
Möglichkeit, Ihre Botschaft mitzuteilen.
Eine subtilere Form des Befehlens
ist, den anderen "einzuspannen ". Damit ist gemeint, dass der
andere höflich, aber bestimmt in eine Richtung gedrängt wird.
Dies geschieht meist durch logische Argumente und Aussagen, die
davon ausgehen, dass der andere stillschweigend annimmt, ohne
dass ihm wirklich Gelegenheit gegeben wird, sich dazu zu äußern.
Indem Sie dafür sorgen, dass die Unterhaltung sehr schnell
vorankommt, wird der andere derart übertölpelt, dass er Ihrer
Ansicht zustimmt.
Benutzen Sie Ihre Empathie, und
drücken Sie Ihre Botschaft so aus, dass der andere leicht
versteht, warum etwas getan oder unterlassen werden soll. Bieten
Sie Verbesserungsvorschläge an. Konzentrieren Sie sich soweit
wie möglich auf das Ergebnis, das Sie erzielen möchten, und
überlassen Sie dem anderen die Modalitäten. Wenn Sie sich dabei
ertappen, dass Sie ein Gespräch schnell zu dem von Ihnen
gewünschten Ergebnis führen, dann fragen Sie sich, ob Sie dabei
den anderen in Ihre Richtung zwingen oder ihn einschüchtern.
Wenn ja - wollen Sie dies wirklich tun? Wäre es für Sie nicht
hilfreicher und auf längere Sicht auch besser für die
zwischenmenschliche Beziehung, wenn Sie dem anderen aufmerksam
zuhören würden?
Den anderen bedrohen
"Wenn Du dies nicht machst . . ." oder "Es wäre besser, wenn . .
.": Drohungen dieser Art - entweder ausdrückliche oder subtile,
zum Beispiel angedeutete "Entweder-oder-Botschaften" - sorgen
dafür, dass Menschen argwöhnisch werden. Dies fördert die
Kommunikation nicht gerade. Viele Menschen wehren sich gegen
Drohungen. Sie suchen nach Möglichkeiten, nicht zu gehorchen.
Wenn gute Gründe dafür sprechen,
dass jemand etwas tun bzw. lassen sollte, dann erklären Sie ihm
dies. Sie können ihm auch mögliche Konsequenzen schildern, und
zwar auf eindeutige und faire Weise. Ermuntern Sie ihn, anstatt
ihn zu bedrohen.
Ungebetene Ratschläge erteilen
Wenn Sätze wie "Sie sollten . . .", "Sie müssten . . .", "Haben
Sie auch versucht . . ." oder "Wenn Sie auf mich hören, dann
werden Sie . . ." aus uns hervorsprudeln, dann laufen wir
Gefahr, dass es so klingt, als ob wir moralisierten, predigten
oder einen Vortrag hielten.
Wenn andere Menschen unseren Rat
oder unsere Meinung hören möchten, dann lassen Sie sie auch
zuerst danach fragen. Wenn wir Ihnen unseren Rat aufzwingen,
werden sie uns wahrscheinlich ignorieren. Was wir sagen, wird
für sie nur leeres Geschwätz sein.
Wenn Sie unbedingt einen
ungebetenen Rat erteilen möchten, dann bitten Sie zuerst um
Erlaubnis: "Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich einen Vorschlag
machen würde?" oder "Möchten Sie gerne hören, wie ich damit
umgehen würde?".
Vermeidung
Vage sein
Wenn wir nicht gleich zur Sache kommen, muss unser
Gesprächspartner herumrätseln, was wir eigentlich meinen oder
wollen. Da aber Gedankenlesen nicht allzuweit verbreitet ist,
raten die meisten falsch! "Vage sein" bedeutet auch, sich nicht
zu seinen eigenen Botschaften zu bekennen. Sätze wie "Jeder
weiß, dass . . ." oder "Die meisten Menschen stimmen zu, dass .
. ." sind Beispiele dafür, wie man nicht sagt, was man selbst
meint.
Spezifizieren Sie! Die Schlüssel
dazu sind gegenseitige Achtung, Empathie, für sich selbst
sprechen bzw. sich zu seinen eigenen Botschaften bekennen.
Informationen zurückhalten
Manche Menschen verbreiten Informationen auf der Basis von "Nur
soviel wie notwendig ". Vielleicht hat diese Haltung früher
funktioniert, aber heute müssen Menschen umfassend informiert
werden, wenn sie ihre Arbeit richtig machen und erfolgreiche,
vollwertige Mitglieder ihres Teams sein sollen. Informationen
zurückhalten führt zu Machtspielen und falschen
Überlegenheitsgefühlen anstatt zu einer erfolgreichen
Kommunikation.
Falls Sie irgendwelche
Informationen besitzen, die jemand anderem nützlich sein
könnten, dann geben Sie diese auch weiter. Höchstwahrscheinlich
werden Sie wiederum etwas Interessantes für sich selbst in
Erfahrung bringen.
Ablenkungsmanöver
Wenn ein Gespräch sehr emotional oder persönlich wird, können
sich andere Menschen unbehaglich fühlen und versuchen, wieder
auf oberflächliche Themen zurückzukommen. Dies führt dazu, dass
wir den Sprecher ablenken, das Thema wechseln oder in Klischees
antworten.
Konzentrieren Sie sich auf Ihren
Gesprächspartner und benutzen Sie die Techniken für aktives
Zuhören, die wir noch ausführlich besprechen werden. Wir sind
nicht gezwungen, jedes Mal, wenn wir uns mit jemandem
unterhalten, ein tiefes, bedeutsames Gespräch zu führen.
Andererseits gewähren uns manche Gespräche einen tiefen
persönlichen Einblick und dies sollten wir nicht stets
automatisch ablehnen. Ein Teammitglied oder ein Kollege könnte
andeuten, dass er etwas Persönlicheres mit uns besprechen will:
Eine erfolgreiche Kommunikation wird dann nicht erreicht, wenn
wir ihm die kalte Schulter zeigen.
Quelle: Von Vacano,
Kornelia (2000). Gesprächs- und Verhandlungsführung. In
Hochschulkurs: Management-Fortbildung für Führungskräfte an
Hochschulen. Gustav-Stresemann-Institut, Bonn.
Gefunden bei
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/
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