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Köche
können mehr
Es geht um mehr als nur einfach dastehen und vorlegen. Auch Köche
können für die Gäste aktiv dabei sein.
Wir kennen das
Bild: Da steht der Koch brav hinter dem Buffet. Mit frischer
Jacke, sauber gebundener Schürze und neuem Hut aus Papier auf dem
Kopf. Etwas verlegen vielleicht, denn er fühlt sich nicht so wohl
dort hinter dem Buffet. Er ist eben mehr der Handwerker und nicht
so ein Schlitzohr wie der Kellner.
Plötzlich ist es
geschehen: Mit lüsternem Blick steht der Gast vor ihm: Hilfe! Was
jetzt? Doch die Lust gilt nicht dem Koch, sie gilt dem Essen. Wenn
er jetzt nur wüsste, wie er dem Gast helfen kann.
Für die meisten Köche
endet hier die Story, denn sie greifen erst wieder in das
Geschehen ein, wenn die Platte leer ist, die Schüssel ausgekratzt
dasteht. Dann nimmt er sie weg und füllt oder legt nach.
Doch unser Koch
könnte mehr machen. Aber bitte mit Stil & Etikette.
1. Der Gast bemüht
sich etwas auf seinen Teller zu legen.
Dabei versucht er den
Kellner nachzuahmen, der mit einer Hand Gabel und Löffel hält.
Hier kann der Koch helfen. "Wenn Sie möchten, gebe ich Ihnen
gerne etwas von unserem Shrimpcocktail."
Was hat er gemacht? Er hat Hilfe angeboten und gleichzeitig erklärt,
um welchen Salat es sich handelt. Und er hat die Hilfe angeboten,
ohne das Wort "Hilfe" zu nennen. So fühlt der Gast sich
nicht blamiert.
2. Jetzt kann er empfehlen:
"Zu diesem Braten passt am besten
unsere hausgemachte Sauce XY. Möchten Sie etwas davon über oder
neben dem Fleisch?" Auch hier hat er Hilfe angeboten. Dazu das Wort
"hausgemacht". Schmeckt sicher besser als aus dem Eimer.
Langsam macht ihm die Arbeit wieder Freude.
3. Er sieht einen Gast mit zwei Tellern hantieren.
Der alte Herr
hat so seine Schwierigkeiten. "Darf ich
Ihnen behilflich sein? Und wenn Sie möchten, bringe ich Ihnen die
Teller auch an den Tisch." Der alte Herr freut sich, denn
zwei Teller, der Stock und die Unsicherheit, das ist einfach zu
viel. Unser Koch hat also auch noch die Teller an den Tisch gebracht.
Mehr Service konnte er hier nicht anbieten. Und das Wort
"behilflich" war hier korrekt.
4. Am Tisch angekommen, sieht er zwei leere Teller stehen.
So wie
wir ihn jetzt schon kennen, nimmt er sie mit. Unauffällig natürlich.
Die alte Dame an der anderen Tischseite lächelt ihm freundlich
zu. Er lächelt scheu zurück.
5. Jetzt fragt noch jemand nach den Käsesorten.
Doch unser Koch
ist mutig geworden. Er erklärt die einzelnen Sorten und sagt auch
gleichzeitig, wie sie schmecken. Es macht ihm immer mehr Spaß.
Doch dann trifft ihn der Schlag. Er zeigt auf einen der Käse und
weiß nicht wie er heißt. Was jetzt?
"Probieren Sie doch ein kleines Stück von diesem Käse hier
und sagen Sie mir, wie er Ihnen schmeckt. Lassen sie sich überraschen,
wie lecker der ist?" Die Falle hat er umgangen. Er legt ein
kleines Stück auf einen Teller und reicht sie dem Gast. Jetzt fällt
ihm auch der Name wieder ein. Glücklich nennt er dem Gast die
Sorte.
Der Gast ist zufrieden und nimmt von den angebotenen Sorten
jeweils ein kleines Stück. "Vielleicht ein Stück von
unserem Nussbrot dazu?" fragt unser Koch jetzt. Und der Gast
sagt. "Danke".
6. Nach und nach leeren sich die Platten.
Jetzt muss er aufpassen.
Schnell nimmt er drei fast leere Platten und bringt sie in die Küche.
Als er zurück kommt, sieht er, wie einem Gast ein Stück Fleisch
auf den Boden gefallen ist. "Nicht schlimm, ich nehme es
weg." sagt er und geht um das Buffet herum. Mit einer Gabel
hebt das Stück auf und legt es auf einen Teller. Der nächste
Kellner bekommt den Teller, um ihn in die Spüle mitzunehmen.
"Sind Sie bitte so nett und nehmen sie den Teller mit.
Danke"
Er hat den Kellner gesiezt. Irgendwann hatte er einmal gelesen,
dass man sich vor den Gästen nicht duzen soll. Der Kellner schaut
ihn zwar etwas verdutzt an, aber er nimmt den Teller mit. Der Gast
schaut und denkt sich: Hier sind die Mitarbeiter aber gut
geschult. Da könnte ich eigentlich auch meinen 65. Geburtstag
feiern.
7. Es ist wieder ruhiger geworden.
Der erste Schwung ist durch.
Unser Koch hat sich ein paar Löffel und Gabeln genommen und
tauscht die Vorlegebestecke aus. Manche sehen schon wirklich sehr
verschmiert aus. Und in der Mousse ist der Löffel sogar
abgetaucht. Gleich bringt er die Schüssel in die Küche. Dort
fischt er nach dem Löffel und legt einen neuen Löffel neben die
Schüssel.
Die Gäste bemerken zu größten Teil gar nicht den Austausch,
aber einige haben es bemerkt. Sie sind nicht nur mit dem Essen
zufrieden.
8. Die ersten Gäste begeben sich an das Dessert.
Er erblickt
wieder den alten Herrn von vorhin. "Kennen Sie schon unsere
Creme a la maison? Sie stammt von mir." fast wird er etwas
rot. "Ja, davon nehme ich etwas und auch etwas für meine
Frau." "Ich bringe Ihnen die Teller an den Tisch."
sagt unser Koch. "Ich weiß ja, wo Sie sitzen." Der alte
Herr lächelt.
Stil &
Etikette sind heute wieder mehr gefragt als viele denken.
Dabei handelt es sich oft nur um die berühmten Kleinigkeiten, die
uns das Buffet wieder zum Erlebnis machen lassen. Man kann dies
lernen. Und was am erstaunlichsten ist: Jeder kann es. Wenn wir
uns heute die Buffetvorschläge ansehen, dann können wir fast
deckungsgleiche Gerichte finden. Darum ist es doppelt so wichtig,
sich hinter, vor und am Buffet so verhalten, dass der Gast
zufrieden ist. Dann kommt er auch wieder und empfiehlt uns weiter.
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