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Innere Kündigung
Den Begriff „innere Kündigung"
prägte in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts Dr.
Reinhard Höhn. Er beschrieb damals ein Phänomen, das er
vor allem in staatlichen Verwaltungsorganisationen
beobachtete: „Die innere Kündigung eines Beamten ist der
bewusste Verzicht auf Engagement und Einsatzbereitschaft
in seinem Beruf und damit die Ablehnung der wichtigsten
Anforderungen, die heute in Wirtschaft und
Verwaltung an einen Mitarbeiter zu stellen sind." (R.
Höhn, 1983)
Dass diese Erscheinung gerade
bei Beamten erforscht wurde, ist sicher kein Zufall,
allerdings tritt sie nicht nur dort auf. „Ein Gespenst
geht um in unseren Unternehmen – das Gespenst der
inneren Kündigung", so äußerte sich Reinhold Sprenger
(Mythos Motivation, 1992, Neuauflage 1998) über die
flächig verbreitete „Krankheit“ in modernen Unternehmen.
Über die Bedeutung dieses
Phänomens ist sich die Fachwelt einig: Die
betriebswirtschaftlichen Schäden für das Unternehmen und
die negativen Folgen für die Betroffenen sind beachtlich
und nicht ohne weiteres abschätzbar. In die innere
Emigration zu gehen, ist eine Problemlöse-Strategie, bei
der keiner gewinnt: „Wer an seinem Schreibtisch sitzt
und von Hawaii träumt, ist weder an seinem Schreibtisch
noch auf Hawaii." (R. Sprenger)
Abschied auf Raten
Die innere Kündigung kommt nicht plötzlich. Sie ist das
Ergebnis eines langwierigen Prozesses oder einzelner
einschneidender Ereignisse im Arbeitsleben eines
Mitarbeiters. Sie vollzieht sich leise, in kleinen
Schritten und ist meist weder für den betroffenen
Mitarbeiter noch für dessen Vorgesetzten ohne weiteres
erkennbar. Aus einem engagierten,
auseinandersetzungsfähigen und leistungswilligen
Mitarbeiter wird zunehmend ein anscheinend konturloser,
angepasster Mittelmaß-Beschäftigter, der vor sich „hin-dienstet"
(Beamtenjargon).
Die Gründe, warum diese
Wandlung nicht sofort auffällt, sind einfach: Ein
Mitarbeiter, der innerlich bereits gekündigt hat, ist
unauffällig und ordnet sich widerspruchslos der
vorherrschenden Unternehmenskultur unter. Ziel seines
Verhaltens ist, nicht bei seiner inneren Emigration
ertappt zu werden. Würde dies geschehen, käme es zu
Konflikten und er müsste vielleicht sogar mit seiner
Kündigung rechnen. Beides will der Mitarbeiter aber
vermeiden.
Innere Kündigung als
„Erfolg“ des Führungsverhaltens
Anstatt die innere Emigration als solche zu
begreifen, interpretieren manche Vorgesetzte von
„Emigranten" deren Verhaltensänderung, z. B. eines
ehemals unangepassten Querdenkers, sogar als erfolgreich
verlaufenen Anpassungsprozeß, aufgrund eigener
gelungener Führungsarbeit – und belohnen den
Mitarbeiter, indem sie ihn befördern.
Das macht natürlich auch bei
den Kollegen Eindruck: Wenn bei Leistung
„weniger mehr ist", dauert es nicht lange, bis die
Kollegen nachziehen. Was im kleinen begonnen hat, artet
dann schnell zu einem Flächenbrand aus, der nach und
nach das ganze Unternehmen in einen Dornröschenschlaf
versetzt.
Woran Sie „innere
Emigranten“ erkennen
Innere Emigranten lassen sich durchaus von Mitarbeitern
unterscheiden, die sich mit ihrer Arbeit und ihrem
Unternehmen identifizieren. Folgende Verhaltensweisen
charakterisieren sie:
1. Dienst nach Vorschrift
Der Mitarbeiter hält sich strikt an die vorgeschriebene
Regel-Wochenarbeitszeit. Fällt mehr Arbeit an, lässt er
sich nur mühsam zu Überstunden überreden. In seiner
Freizeit beschäftigt ihn selten ein Gedanke an die
Arbeit.
2. Arbeit in Maßen
Routinearbeiten wickelt er möglichst rasch und ohne
Ehrgeiz ab. Reicht die Arbeitszeit nicht aus, bleibt die
Arbeit liegen. Ist noch Zeit übrig, wird diese oft
genutzt, um private Dinge zu erledigen.
3. Häufige bzw. längere
Fehlzeiten
Früher hatte der Mitarbeiter das Image, körperlich
belastbar zu sein. Nun scheint ihm plötzlich jeder
Luftzug zu schaden. Die Krankheitstage häufen sich. Wie
und ob die eigene Arbeit während seiner Abwesenheit
bewältigt wird, scheint ihm gleichgültig zu sein.
4. Fehlender Biss
Die eigenen Arbeitsergebnisse oder gar die der Abteilung
interessieren den Mitarbeiter kaum. Bei
unvorhergesehenen Herausforderungen krempelt er nicht
die Ärmel hoch, sondern stellt sich auf den Standpunkt:
Sollen doch die anderen (der Chef) sehen, wie sie damit
zurechtkommen.
5. Keine unbezahlte Minute
Der Mitarbeiter ist bei betrieblichen
Abendveranstaltungen oder Besprechungen außerhalb der
Arbeitszeit selten anzutreffen. Seine Abwesenheit
begründet er oft als Rücksichtnahme auf private
Gegebenheiten.
6. Zunehmende soziale
Desintegration
Der Mitarbeiter zieht sich immer mehr von formellen
und informellen betrieblichen Kontakten zurück. Er baut
die zwischenmenschlichen außerbetrieblichen Aktivitäten
stark aus. Je weniger Engagement er für die betriebliche
Arbeit zeigt, desto weniger zieht es ihn auch zu
Kollegen hin, die sich mit der Firma identifizieren.
7. Keine Eigeninitiative,
keine Verbesserungsvorschläge
Mitarbeiter, die innerlich gekündigt haben, legen meist
keinen großen Wert mehr darauf, durch Eigeninitiative
oder Kritikfähigkeit an den Arbeitsabläufen und
Arbeitsstrukturen etwas zu verbessern. |
Quelle:
www.zuerich-agrippina.de
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