
Langeweile raus,
Kultur rein!
Eine
Hotelbar sollte ein Ort der Begegnung sein. Dennoch herrschen an
sehr vielen Tresen Tristesse und Langeweile. Braucht die
Hotellerie mehr Barkultur?
Lokaltermin. Ein
wichtiger Geschäftsfreund hat mich in die "Metropol
Bar" eines renommierten Vier-Sterne-Hotels in der Innenstadt
bestellt. Ich gehe betont schwungvoll an der Rezeption vorbei, von
der mir der Concierge einen kurzen, nicht allzu freundlichen
Kontrollblick zuwirft. Der Blick sagt: "Vorsicht, kein
Hotelgast!" Ich spüre seine Augen im Rücken, bis ich die
Bar am Ende der Halle betrete. Vor mir tut sich eine Szenerie auf,
die den Namen des Outlets als frommen Wunschtraum entlarvt. Von
großstädtischer, pulsierender Stimmung keine Spur - obwohl die
"Blue hour" längst vorbei und draußen in der Stadt
viele Kneipen bis zum Bersten gefüllt sind. Doch hier: von einem
Dutzend Tischen gerade mal zwei besetzt, und an der lang gezogenen
Bar, die sich in U-Form fast durch den gesamten großzügig
bemessenen Raum zieht, sitzen ein Pärchen und zwei schweigende
Trinker.
Einer von ihnen blickt gedankenverloren an die verspiegelte Decke,
der andere hat seine Krawatte gelöst und betont seine Lockerheit,
indem er die Finger in kurzen Abständen in einer Schale mit Erdnüssen
versenkt und ein paar davon mit einer kurzen Schnappbewegung in
den Mund wirft. Hinter dem Tresen - vor der üblichen indirekt
beleuchteten Flaschenbatterie - stört ein Azubi die gedämpft
berieselnde Supermarktmusik. Er füllt Salzstangen aus der Großhandelspackung
geräuschvoll in Longdrinkgläser, die mit taubenblauen Servietten
ausgeschlagen sind. Das Blau harmoniert nicht ganz mit den grünen
Glasuntersetzern und den violett bezogenen Speisekarten, ganz zu
schweigen von den undefinierbar bräunlich-gemusterten
Sitzgelegenheiten.
Falsch
verstandener Full-Service
Ein Déja-vu,
denn so sieht es in bedenklich vielen Hotelbars der Drei- und
Vier-Sterne-Kategorie aus. Oft bietet sich auch im Luxussegment
ein ähnliches Trauerspiel. Mehr noch als misslungene Restaurants
repräsentieren lieblos geführte Hotelbars einen falsch
verstandenen Full-Servicegedanken.
Die Bar wird
mitgeschleift wie ein ungeliebtes Kind, das einfach dazugehört,
als Durstlösch-Station, die sich zwischen 21 und 23 Uhr etwas
belebt, und in der ansonsten die Kartoffelchips auf den Tischen
langsam weich werden, bis sie so ausgeleiert sind wie Barhocker
und Sessel. Überhaupt die Einrichtung: Meist beginnt hier schon
die Misere, denn viele der teuren Interieur-Designer verdienen die
Bezeichnung nicht, die auf ihrem Briefbogen prangt. Sie verkaufen
aus unerfindlichen Gründen immer wieder Sitzbezüge, die aus
allen möglichen Rauten, Linien und farblich abgesetzten Amöbenformen
zusammengewebt sind und schon von weitem den Eindruck erwecken,
sie seien nur dazu da, um die unzähligen Zigarretten-Brandlöcher
und alte Campariflecken gnädig zu verdecken.
Eine Einschätzung, die noch verstärkt wird durch die Beleuchtung
solcher Etablissements, welche es einem gerade noch erlaubt, den
Gesprächspartner zu erkennen. Die Krönung sind allerdings
zweifelsohne jene Hotelbars, die so tun, als zelebrierten sie
Originalität, in Wirklichkeit aber nichts anderes darstellen als
mit Nippes getarnte Pilsstuben. Eine Art von Bar, die vor allem in
Kreisstädten und - leider - auch in Hamburg oft anzutreffen ist.
Da hängt jemand einen Holzpapagei neben eine verstaubte
Deko-Palme und druckt Piña Colada fett in die Karte, und schon
glaubt er, die Gäste würden vor lauter Südsee-Sehnsucht ganz
besonders durstig werden. Oder - ebenfalls sehr beliebt - zwei
fotokopierte Schwarzweißporträts von Bogart und Bacall im
goldenen Kunststoffrahmen bilden den Anlass für die Blasphemie,
so etwas "Rick's Bar" dann zu nennen. Schade nur, wenn
der Barkeeper so aussieht, als wäre er der Lehrling von Rick und
könne Casablanca nicht einmal auf der Landkarte finden.
Gäste suchen
Gesellschaft
Es gibt
aber genügend positive Gegenbeispiele: "Harry's New York
Bar" im Berliner Grand Hotel Esplanade, die "Bristol
Bar" am Ku'damm, die nostalgische "Jahreszeiten
Bar" in Hamburg oder der als Jazzkeller ausgestattete
"Nightclub" im Bayerischen Hof München. Ganz abgesehen
von den großen Vorbildern, den todschicken In-Bars im New Yorker
Paramount oder Four Seasons. Alle diese erfolgreichen Bars haben
Gemeinsamkeiten: Sie leben von einem langfristig angelegten
Konzept, sie besitzen einen eigenen Eingang unabhängig von der
Hotellobby und sie verzeichnen eine hohe Besucherfrequenz.
Das ist gleichbedeutend mit Lebendigkeit, und das ist es schließlich,
was Gäste von einer Bar erwarten. Nicht umsonst gibt es im
anglo-amerikanischen Sprachraum das geflügelte Wort: "Eine
volle Bar verzeiht auch einen schlechten Barkeeper." In der
Tat: Niemand möchte nach einer anstrengenden Geschäftsreise an
einem dämmrigen Tresen sitzen, zusammen mit ein, zwei anderen
traurigen Gestalten, die schweigend an ihrem Bier nippen. Vor
diese Wahl gestellt, entscheidet sich wohl jeder Hotelgast dafür,
oben auf dem Zimmer lieber der Nachrichtensprecherin von CNN mit
dem Minibar-Fläschchen zuzuprosten.
| Fünf
Tipps für Ihre Hotelbar! |
 |
Jede
gute Bar hat ein Konzept. Spielen Sie eine gewisse
Musikrichtung, spezialisieren Sie sich auf bestimmte
Drinks, schulen Sie die Barkeeper entsprechend und
entscheiden Sie sich für einen konsequenten
Einrichtungsstil. Wer es allen recht machen möchte,
wird niemanden gewinnen! |
 |
Eine
Hotelbar ist kein Pilspub und ihr Barkeeper kein
Schankkellner. Pushen Sie Ihre Rendite mit aktivem
Verkauf von Saison-Cocktails oder ausgefallenen
Spirituosen. |
 |
Weisen
Sie Ihre Hotelgäste auf die Bar und deren Spezialitäten
hin, wo immer es geht: an der Rezeption beim
Late-check-in, mit Zimmeraufstellern oder sogar an der Tür
der Minibar. So mancher Gast überlegt es sich dann noch
einmal, ob er seinen Whiskey allein auf dem Zimmer oder
lieber mit anderen trinkt. |
 |
Kartoffelchips
gehören in einen Partykeller und nicht in eine Bar.
Versuchen Sie es einmal mit Macadamia-Nüssen,
gesalzenem Popcorn, Reisgebäck oder englischen
Crackers. Das gibt Ihrer Bar eine exklusive Note und
rechnet sich so allemal. Bieten Sie statt der
obligatorischen Gulaschsuppe lieber vorbereitete
Kanapees zum Verzehr an. |
 |
Installieren
Sie, wenn es technisch irgendwie möglich ist, einen
getrennten Eingang zur Straße. Nur so ziehen Sie genügend
Gäste außerhalb des Hotels an und haben den ganzen
Abend über eine ausreichende Besucherfrequenz. |
|