|
 |
Hotel
Hornberg in Saanenmöser bei Gstaad,
Schweiz
Interview
mit den neuen Hornberg-Chefs ...
...
und vielleicht auch eine Marketing-Lektion für
Nicht-Gastronomen. |
| Von
links nach rechts: Christian Hoefliger, Brigitte von
Siebenthal, Hans-Peter Zimmermann |
|
Anmerkung des
Webmasters: Hans-Peter
Zimmermann (HPZ) ist Hypnosetherapeut und ganzheitlicher
Unternehmensberater in der Schweiz.
Seit Ende 1995 führe ich fast all meine
Seminare im
Hotel
Hornberg in Saanenmöser bei Gstaad durch. Grund: Die
besondere Energie dieses Hauses, die familiäre
Atmosphäre und ein Service-Standard, der seinesgleichen
sucht. Elisabeth und Peter von Siebenthal, die das
Hornberg 33 Jahre lang in zweiter Generation geführt
hatten, übergaben im November 2003 das Hotel und damit
auch die operative Führung an die dritte
Hornberg-Generation. Am 3. August 2004 zog ich mit den
neuen Hornberg-Chefs Brigitte von Siebenthal und ihrem
Lebenspartner Christian Hoefliger eine erste Bilanz.
HPZ: Brigitte und Christian,
täusche ich mich oder kann man bereits jetzt, neun
Monate nach Eurem Einzug ins Hornberg, eine deutliche
Zunahme der Übernachtungen feststellen?
Brigitte: Du täuschst dich nicht. Wir
können eine Umsatzsteigerung von 15 Prozent verzeichnen,
und das bei sinkenden Betriebskosten.
HPZ: Sinkende Kosten? Bedeutet
das weniger Qualität?
Christian: Um Gottes willen, das wäre
gar nicht gut. Nein, man kann dort Kosten sparen, wo der
Gast gar nichts merkt, zum Beispiel bei der
Mitarbeiter-Suche.
HPZ: Da bin ich aber gespannt,
wie Ihr das macht.
Christian: Ganz einfach. Ich kann in
einer Hotelier-Zeitung ein Inserat schalten. Wenn ich
das dreimal tue, bin ich an die 5000 Franken los. Ich
kann aber auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
fragen, ob sie jemanden kennen, der gut ins Team passt
und so eine Vermittlung mit 200 Franken belohnen. Damit
schlage ich mehrere Fliegen mit einer Klappe:
- Ich spare Kosten.
- Der Mitarbeiter hat etwas davon.
- Die Mitarbeiter holen sich ihre
Freunde in den Betrieb, schaffen dadurch ein noch
besseres Arbeitsklima und sind noch motivierter.
- Durch das gute Arbeitsklima
haben wir weniger Fluktuation, was die
Rekrutierungskosten nochmals reduziert.
Brigitte: Was bei uns zusätzlich die
Kosten senkt, ist die Tatsache, dass wir ein
Familienbetrieb sind, wo sich niemand zu schade ist
anzupacken. So können Spitzenzeiten von
Familien-Mitgliedern aufgefangen werden.
HPZ: 15 Prozent Umsatzsteigerung,
alle Achtung. In einer Branche, wo sonst jeder jammert!
Christian: Wir sind noch zu jung zum
Jammern

HPZ: Worauf führt Ihr diesen
schnellen Erfolg zurück? Ist die Wirtschaftslage besser?
Sind Schweizer Ferien im Trend? Oder betreibt Ihr
innovatives Marketing?
Brigitte: Schon möglich, dass die
Stimmung in der Wirtschaft etwas besser ist. Zusätzlich
sagen uns viele Gäste, sie hätten ein wenig genug vom
Fliegen, also bucht man irgendwo, wo man mit dem Auto
leicht hin kommt. Außerdem scheinen viele Menschen sich
vom klassischen
In-den-Süden-fahren-und-sich-dort-zwei-Wochen-lang-grillen-lassen
abzuwenden. In den Bergen ist es tagsüber nicht so
unangenehm heiß wie im Unterland, und abends kühlt die
Luft wohltuend ab, so dass man gut schlafen kann.
HPZ: Dann müsste der Umsatz aber
überall in den Bergen zunehmen, was nicht der Fall ist.
Nochmals: Betreibt Ihr innovatives Marketing?
Christian: Wenn du damit meinst, ob
wir irgend welche Leistungen so aufbauschen, dass sie in
der Tageszeitung oder Fachpresse zu lesen sind, nein,
solches Marketing betreiben wir nicht.
HPZ: Das nennt sich
Schaumschlägerei, und man kann damit Hotelier des Jahres
werden

Christian: Wir haben zum Beispiel
kürzlich einen Artikel in einem Gourmet-Magazin
abgelehnt, weil ich zuerst für eine konstant gute
Leistung sorgen will.
HPZ: Aber die habt Ihr doch
schon!
Brigitte: Nein, die haben wir erst
dann, wenn wir beweisen können, dass wir 365 Tage im
Jahr Qualität bieten. Dann brauchen wir aber auch keine
Zeitungsartikel (Unter uns gesagt: Das meiste sind
sowieso gekaufte PR-Artikel, das heißt, der Leser wird
verschaukelt). Es gibt einen alten Grundsatz: Ein
zufriedener Gast sagt es fünf Personen, dass er
zufrieden war. Ein unzufriedener Gast lässt seinen Frust
bei mindestens zehn Personen aus.
Christian: Ich habe ein schönes
Beispiel: Kürzlich kam eine Frau mit ihrer Freundin für
eine Woche in die Ferien. Als ich sie fragte, wie sie
auf uns gekommen sei, meinte sie: „Ich war kürzlich auf
der Durchreise und habe bei Ihnen Kaffee und Kuchen
genossen. Die Bedienung war so nett, dass ich beschloss,
einmal hier Urlaub zu machen.“
Deshalb kann man es nicht genug betonen: Jeder Tag ist
ein wichtiger Tag, und jeder Gast ist ein wichtiger
Gast.
HPZ: Das klingt ja fast so, als
ob es Spaß machen kann, Hotelier zu sein. Dennoch haben
viele Banken aufgehört, mit Hotels zusammen zu arbeiten,
weil ihnen die Branche zu riskant ist. Hat die
Hotelbranche Eurer Meinung nach auf lange Sicht
überhaupt eine Chance?
Christian: Nein, aber wir machen
trotzdem noch ein wenig weiter

Brigitte: Die Frage muss man sich in
jeder Branche und zu jeder Zeit immer wieder stellen.
Wenn heute jemand zum Beispiel einen
Schreibmaschinen-Shop betreiben will, muss er sich nicht
wundern, wenn die Kunden ausbleiben oder zumindest sehr
dünn gesät sind. Ferien machen die Menschen aber
voraussichtlich auch in zwanzig Jahren noch. Und eine
Region, wo so viel Natur pur angeboten wird, es fast
keine Industrie gibt und als Bauform der Chalet-Bau
vorgeschrieben ist, dürfte auch in vierzig Jahren noch
ihren Reiz als Ferien-Destination haben.
Christian: Ein großes Problem in der
Hotelbranche ist, dass die Preise für Übernachtungen
immer teurer wahrgenommen werden als sie eigentlich
sind. Ich kenne Leute, die kein Problem damit haben, an
einem Abend ein paar Freunde zum Essen einzuladen und
dafür 1000 Franken liegen zu lassen. Wenn sie aber für
ihre Hotel-Suite 1000 Franken pro Nacht bezahlen müssen,
wird ihnen übel.
HPZ: Woran mag das liegen?
Brigitte: Mit großer
Wahrscheinlichkeit daran, dass Essen ein Luxusgut ist,
Schlafen hingegen zu den Primär-Bedürfnissen gehört.
HPZ: Aber ein Aufenthalt in einem
luxuriösen Hotel ist doch mehr als nur eine
Übernachtung. Ich habe mir immer schöne Hotelzimmer
gegönnt, weil ich mich darin einfach besser fühle. Und
zwar nicht nur während des Hotel-Aufenthaltes, sondern
auch noch Jahre später. Das heißt, ich kaufe mir eine
bleibende Erinnerung ein und nicht einfach nur ein Bett
für eine Nacht. Außerdem fühle ich mich erfolgreicher,
was sich auch wieder auf meine Motivation und damit auf
mein Portemonnaie auswirkt.
Christian: Richtig. Und genau solche
Gäste sprechen wir an. Wir möchten mit Menschen zusammen
sein, die dem Leben genau so viel Wertschätzung entgegen
bringen wie wir. Nur so kann man auf Dauer Freude haben
an diesem Beruf.
HPZ: Wie ist es denn möglich,
dass heute ein Hotel noch Zimmer und Frühstück für 45
Franken anbieten kann?
Brigitte: Das ist meiner Meinung nach
nicht möglich. Nicht einmal dann, wenn die Liegenschaft
abbezahlt ist. Die Kosten fürs Frühstück betragen allein
schon mindestens 12 Franken, jedes saubere Badetuch 5
Franken und eine gute Putz-Equipe nochmals 20 Franken.
HPZ: Warum gibt es solche
Angebote dennoch?
Brigitte: Irgend jemand bezahlt immer
die Rechnung. In solchen Fällen vermutlich die
Mitarbeiter, die dann für einen Hungerlohn arbeiten
müssen und nur minimale Sozialleistungen genießen. Wir
haben in der Schweiz drei Kategorien von
Hotel-Betrieben:
- Günstige Betriebe, die das Geld
mit der Masse machen,
- Luxus-Hotels, die nicht rentabel
sein müssen, weil sie einem sehr reichen Menschen
gehören, der das als Hobby betreibt,
- Solide Betriebe (in der Regel
Familien-Unternehmen), die konstante Qualität
anbieten und eine große Stammkundschaft aufweisen.
Christian: Alle anderen werden in den
nächsten Jahren vom Markt verschwinden.
HPZ: Und damit auch das
Branchen-Gejammer ;-)
Christian: Hoffentlich. Wobei wir uns
um das Gejammer wenig kümmern. Wir haben sonst genug zu
tun.
Brigitte: Es ist eigentlich paradox:
Wir sind uns schon bewusst, dass jeder Betrieb rentieren
muss, und dass der Gast den Umsatz bringt, aber wir
denken beim Anblick eines Gastes nie an den Umsatz, den
er uns bringen könnte. Wenn wir hier im Saanenland so
wunderbares Leitungswasser haben und wir selbst ständig
davon trinken, warum soll der Gast nicht auch
Leitungswasser bestellen dürfen, und zwar gratis. Dem
Gast muss es gut gehen. Alles andere ergibt sich von
selbst. Oder ein anderes Beispiel: Wenn ich in einem
Hotel Ferien mache, möchte ich doch auch mal woanders
essen. Wenn uns der Gast am Morgen mitteilt, dass er am
Abend auf kulinarische Entdeckungsreise gehen will, dann
wird seine Halbpension auf Zimmer/Frühstück umgebucht.
Christian: Na ja, das ist doch eine
Selbstverständlichkeit!
HPZ: Überhaupt nicht. Ich kenne
viele Hoteliers, die darauf bestehen, dass man bei ihnen
isst.
Christian: Du hast ja Brigitte einmal
von dieser Studie der internationalen
Wirtschafts-Auskunftei Dun&Bradstreet erzählt, wonach
Firmen, die ihre Rechnungen pünktlich bezahlen, auch ein
verschwindend kleines Debitoren-Risiko haben...
Brigitte: Wir wollten es wissen und
zahlen unsere Rechnungen innerhalb höchstens einer
Woche. Es funktioniert, auch in unserer Branche, wo sich
andere manchmal Zahlungsfristen von bis zu sechs Monaten
erlauben. Unser Debitoren-Risiko ist praktisch null!
HPZ: Das sollte sich jeder
Hotelier hinter die Ohren schreiben. Was würdet Ihr
einem jungen Hotelier heute sonst noch an Tipps mit auf
den Weg geben?
Christian: Einem jungen Hotelier? Ich
bin ja selbst noch keine 30 und soll jetzt schon Tipps
geben?
HPZ: Na ja, der mit dem
pünktlichen Bezahlen der Rechnungen war doch schon ganz
brauchbar...
Brigitte: Wichtig finde ich, dass
laufend investiert wird. Das bedeutet nicht, dass man
sich überschuldet. Aber wenn man eben gut arbeitet wie
wir das die ersten neun Monate getan haben, dann ist man
liquide genug, um wieder ein wenig zu renovieren. Vor
der nächsten Wintersaison bekommt eines unserer
Hotel-Chalets neue Badezimmer, in zwei Jahren wird
vielleicht eine Fassade renoviert, in drei Jahren wird
das Hallenbad neu gebaut. Der Gast muss merken, dass
sich ständig etwas bewegt.
Christian: Ja, aber es darf sich
nicht bewegen, während er da ist. Daher legen wir solche
Arbeiten immer in die Saisonpausen.
HPZ: Das heißt, alles, was man
verdient, fließt immer gleich zurück in den Betrieb. Das
kann’s doch wohl nicht sein.
Christian: Nicht alles. Aber was ist
die Alternative? Wer lange Zeit nichts investiert, muss
auf einmal sehr groß investieren. Und das machen die
Banken in der Regel nicht mit, wenn man nicht einen
reichen Onkel im Hintergrund hat. Das Ganze nennt sich
Investitions-Stau, und es hat schon manchen viel
versprechenden Betrieb in den Ruin geführt.
Also, man muss schon klar sagen: Mit einem Hotel wird
man nicht reich. Aber wer das in der Hotellerie
bezweckt, der ist sowieso im falschen Job.
HPZ: Also ist Idealismus gefragt
und nicht Geschäftssinn?
Brigitte: Das eine schließt das
andere nicht aus. Manch einer ist mit seinem Idealismus
baden gegangen, weil er einfachste
Milchbüchlein-Rechnungen nicht angestellt hat. Aber ein
Hotelier muss eine große Portion Freude am Gastgebersein
mitbringen, sonst steht er auf verlorenem Posten.
Christian: Was ich einem jungen
Hotelier noch raten würde: Dass er sich nicht zu schade
ist zum Anpacken, wo es nötig ist.
HPZ: Das nennt sich
Selbermacheritis und führt früher oder später zum
Herzinfarkt...
Christian: Nein, nein, versteh’ mich
richtig. Ich kann sehr gut delegieren. Aber wenn ich
sehe, dass irgendwo schmutziges Geschirr herum liegt und
alle im Service sind voll beschäftigt, dann bin ich mir
nicht zu fein, es selbst weg zu tragen. So etwas
schätzen die Mitarbeiter, und sie machen es einem nach.
Kürzlich kam eine Kellnerin, die ihren freien Tag hatte,
im Restaurant vorbei und sah, dass wir sehr viel zu tun
hatten. Ich traute meinen Augen nicht, als sie auf
einmal voll am Arbeiten war. Das sind so Momente, wo ich
merke, dass wir mehr sind als einfach ein Arbeitgeber
für irgend welche austauschbaren Arbeitnehmer.
HPZ: In eurem Betrieb sind ja
auch alle Mitarbeiter untereinander per Du, vom Chef bis
zum Tellerwäscher. Hat das einen bestimmten Grund?
Brigitte: Es gibt ein altes
Sprichwort, das heißt „die Seele will geduzt werden“.
Das Du haben wir als Kind als Erstes kennen gelernt, die
Höflichkeitsform mussten wir später mühsam dazu lernen.
Von daher glauben wir, dass wir mit dem Du „näher
aneinander dran“ sind. Das heißt nein, wir glauben es
nicht, wir wissen es, denn das Du im Mitarbeiter-Team
haben meine Eltern bereits vor Jahren eingeführt. Es
passt irgendwie auch zu unserem Betrieb, denn viele
Gäste sind Stammgäste und duzen sich untereinander auch,
weil sie sich schon so lange kennen.
Christian: Kürzlich kam ein Gast von
einer Wanderung zurück und sagte spontan: „Ich habe
einen passenden Slogan fürs Hotel Hornberg. Hotel
Hornberg – endlich zu Hause!“ Da sind mir echt die
Tränen gekommen, denn das ist es, was mir vorschwebt:
Dem Gast ein zweites Zuhause im Saanenland zu bieten.
HPZ: Ich möchte nochmals zurück
zum Duzen im Team kommen. Wird das nicht von gewissen
Mitarbeitern ausgenützt?
Brigitte: Wenn das so wäre, müssten
wir uns fragen, was wir ausstrahlen, dass wir solche
Mitarbeiter anziehen. Das Gesetz der Resonanz gilt
überall, nicht nur bei Esoterikern

HPZ: Sprecht Ihr ein anderes
Zielpublikum an als Eure Eltern resp. Schwiegereltern?
Oder mit anderen Worten: Für welches Zielpublikum ist
das „neue Hotel Hornberg“ gedacht?
Christian: Jetzt hast du mich
erwischt! Ich weiß, man sollte eigentlich im modernen
Marketing ein ganz klares Bild von seinem Zielpublikum
haben. Aber schau dich hier im Garten mal um: Hier
spielen zwei Jugendliche eine Partie Tischtennis, da
sind zwei Senioren mit einer Partie Garten-Schach
beschäftigt, im Hallenbad tummeln sich die Kinder, und
dort hinten liegt ein Top-Manager im Liegestuhl und
genießt das herrliche Sommerwetter. Soll ich dieses
Idyll mit einer klaren Positionierung zerstören?
Soll ich der 90jährigen Lehrerin, die seit zig Jahren
mehrmals pro Jahr im Hornberg Ferien macht und es
genießt, wenn sie auf den gemeinsamen Wanderungen viele
Leute kennen lernt, sagen, dass sie nicht mehr kommen
darf, weil wir auf Doppelverdiener zwischen 30 und 50
Jahren aus sind? Das wäre menschenverachtendes Marketing
und es würde dem Hornberg viel von seinem heutigen
Charme rauben.
Brigitte: Vielleicht ist es einfacher
zu sagen, wen wir nicht haben als
Zielpublikum. Dadurch, dass wir keine Allianzen mit
Reisebüros eingehen, also keine Kontingente verkaufen,
haben wir keinen amerikanisch-russisch-asiatischen
Massen-Tourismus. Diejenigen Ausländer, die zu uns
kommen, sind Individualreisende, die
überdurchschnittlich gebildet und an der Kultur unseres
Landes interessiert sind.
Christian: Positiv eingestellte
Genießer halt, genau so, wie deine Seminar-Teilnehmer.
HPZ: Wie ist Eure Meinung zum
Thema Wellness? Ein vorübergehender Trend? Oder steigt
das Hornberg hier auch demnächst ein?
Brigitte: Also, wir verfügen ja seit
Jahren über Sauna und Hallenbad. Aber das ist natürlich
nicht das, was der Gast heute unter Wellness versteht.
Ich bin schon der Meinung, dass die ganze
Wellness-Geschichte ein Stück weit einem Trend
unterliegt. Als die ersten Wellness-Oasen mit
Amethysten-Sauna und sieben verschiedenen Dampfbädern
mit künstlichem Sternenhimmel, Musik und Duft-Effekten
aufgingen, waren alle erschlagen vor Ehrfurcht.
Inzwischen ist dieser Wow-Effekt vorbei und man besinnt
sich wieder auf Basis-Fähigkeiten.
Christian: Manch ein Wellness-Tempel,
der in den letzten Jahren für mehrere Millionen aus dem
Boden gestampft wurde, wird irgendwann die Rechnung
machen müssen: Wie viele zusätzliche Übernachtungen
müssen verkauft werden, um nur den Kapitaldienst zu
leisten, von dringend notwendigen Renovationen solcher
„Wasserschlösser“ einmal abgesehen?
Wir setzen lieber auf unser Grund-Angebot: Die familiäre
Atmosphäre, den schönen Garten mit Tischtennis,
Garten-Schach und kleinem Tier-Gehege, die gemeinsamen
Wanderungen mit Picknick...
Brigitte: Das ist auch Wellness, fast
noch mehr als wenn der Gast vor lauter Angeboten schon
wieder Stress bekommt.
HPZ: Wie wichtig ist Eurer
Meinung nach ein guter Verkehrsverein (=Tourismusverein;
d. Webmaster) und was muss er
Eurer Meinung nach tun
> für die Gäste?
> für die Hoteliers?
Christian: Der Verkehrsverein schafft
natürlich das Image einer Region. Das ist für unsere
Stammkunden nicht so wichtig, denn die wissen, was sie
bekommen. Aber für die Neukunden-Gewinnung ist das von
unschätzbarem Wert. Unser Verkehrsdirektor Roger
Seifritz, der diesen Job seit fünf Jahren macht, ist mit
Leib und Seele Betriebswirtschafter, und das wirkt sich
sehr positiv aus: Die Hoteliers werden wirklich in den
Marketing-Prozess einbezogen, und das funktioniert
sensationell gut.
Brigitte: Für den Gast ist es
wichtig, dass er gut gepflegte Wanderwege und Skipisten
antrifft. Auch dafür ist der Verkehrsverein zuständig.
Und seit einiger Zeit gibt es ein sensationelles
Sommer-Angebot: Für eine dreitägige EasyAccess-Card
bezahlt man 24 Franken, Kinder über 6 Jahren die Hälfte,
und Kinder unter 6 Jahren sind sowieso gratis.
HPZ: Und was für einen „Access“
erkauft man sich damit?
Brigitte: Damit sind alle Bergbahnen
gratis, der Zug zwischen Zweisimmen, Gstaad und Saanen
und vieles mehr. Die Karte ist schon mit einer einzigen
Bergbahn-Fahrt finanziert, und wir haben seither viel
mehr Familien, die ihren Sommer-Urlaub in der Region
Gstaad-Saanenland verbringen.
HPZ: Und das soll rentieren, 24
Franken für drei Tage Gratis-Bahnfahren?
Christian: Die Bergbahnen rentieren
sowieso nur im Winter. Also hat man sich gesagt: Warum
nicht etwas für den Sommer-Tourismus in der Region tun?
Brigitte: Ich glaube, dass unsere
Region auch einmalig ist in Sachen Sommer-Aktivitäten.
Ich erinnere nur an das Beach-Volleyball-Turnier im
Juni, das Swiss-Tennis-Open und die Saveur-Woche
(Gastro-Stars kochen im Saanenland) im Juli, das
Polo-Turnier im August, das Country-Festival im
September...
Christian: Und nicht vergessen, das
jährliche Menuhin-Festival von Juli bis September. Ich
finde, das passt nicht schlecht zum typischen
Saanenland-Gast: Am Morgen Golfspielen oder Wandern, am
Nachmittag ausruhen, am Abend fein essen und als
krönender Abschluss noch ein Konzert.
HPZ: Zum Abschluss noch eine
ketzerische Frage: Gibt es etwas, was Euch nicht gefällt
in der Gastronomie?
Christian: Ja, unzufriedene Gäste

Das Hotel Hornberg erreichen Sie wie
folgt:
Hotel Hornberg
CH-3777 Saanenmöser
Telefon 033 748 66 88 (von außerhalb der Schweiz 0041 33
748 66 88)
Fax 033 748 66 89 (von außerhalb der Schweiz 0041 33 748
66 89)
E-Mail
willkommen@hotel-hornberg.ch
WWW
www.hotel-hornberg.ch

Das Interview wurde von
Dr. Hans-Peter
Zimmermann Hypnose-Therapeut und -Ausbilder,
ganzheitlicher Unternehmensberater aus Zug in der Schweiz
geführt.
Veröffentlichung mit
freundlicher Genehmigung von
Christian Hoefliger, Brigitte von
Siebenthal, Hans-Peter Zimmermann |