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Gästeorientierung im Dienste der Qualitätsentwicklung und
Qualitätsverbesserung
von Kurt H. Steindl, Akademischer Trainer
Gästeorientierung wird häufig verwechselt mit
-
dem
Mitarbeiterverhalten
-
der
Serviceorientierung
-
dem
Konsumentenverhalten
-
der
Zielgruppenorientierung
Der Begriff
„Gästeorientierung“ zielt nicht nur auf das Verhalten der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in unmittelbaren Kontakt
mit den Gästen treten. Häufig wird damit auch die gezielte
Ausrichtung des ganzen Unternehmens zur optimalen Erfüllung der
Gästeerwartungen bezeichnet.
Was ist
Gästeorientierung tatsächlich?
Gästeorientierung ist zum Schlagwort geworden. Doch was ist dies
eigentlich? Gästeorientierung bedeutet, dass sich ein
Unternehmen ganz an den Ansprüchen seiner Gäste orientiert.
Feargel Quinn (Crowning the Customer
1990;
zitiert von Murphy 1994, S. 38) beschreibt dies mit drastischen
Worten: „Mit kundenorientiert meine ich ein Unternehmen,
in dem alle Schlüsselentscheidungen auf dem alles beherrschenden
Wunsch beruhen, dem Kunden besser zu dienen. Ich meine ein
Unternehmen, in dem jedermann den Kunden als seine einzige
Aufgabe betrachtet." Gästeorientierung bedeutet, dass
für ein Unternehmen die Wünsche und Erwartungen der Gäste an
erster Stelle stehen (vgl. Kamiske/Brauer 1999, S. 124).
Kundenorientierung zielt darauf ab, „[...] nicht die
maximal mögliche Leistung zu generieren, sondern exakt die
Leistung zu erbringen, die der Kunde verlangt“ (Keuper
2000, S. 60).
Gästeorientierung bedeutet, dass
-
die
Bedürfnisse der Gäste im gesamten Unternehmen verstanden
werden.
-
die
internen Unternehmensziele direkt mit den Gästeerwartungen
verknüpft sind.
-
das
Unternehmen die Fähigkeit verbessert, die Gästebedürfnisse
in der täglichen Praxis zu erfüllen.
-
das
Unternehmen sicherstellt, dass seine Mitarbeiter über die
nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um die Gäste
zufrieden stellen zu können (vgl. Brugger 2002, S. 5).
Gästeorientierung heißt, die Bedürfnisse und Erwartungen der
Gäste zu erkennen und sich zu bemühen, diese zu erfüllen.
Ziel eines
Unternehmens ist es heute, dem Gast nicht nur die vereinbarte
Leistung zu liefern,
sondern darüber hinaus den Gästenutzen zu erhöhen und
langfristig stabile Beziehungen zu den Gästen aufzubauen (vgl.
Bruhn, 2003).
Loyale Gäste
Gästezufriedenheit steht in direktem Zusammenhang mit Loyalität,
Kaufintensität, Unternehmenstreue und positiver
Mundkommunikation und ermöglicht dadurch eine Gästebindung und
die Gewinnung neuer Gäste.
Gästeorientierung ist ökonomisch
Für Gästeorientierung sprechen vor allem ökonomische Gründe: Da
es immer teurer wird, neue Gäste zu gewinnen, müssen die
Stammgäste gepflegt werden, sonst können die
Unternehmen ihre ökonomischen Ziele nicht mehr erreichen.
Pflegen heißt, das Vertrauen der Gäste gewinnen, sie
zufrieden stellen und an das Unternehmen binden. Das bedeutet
aber auch, die Beziehung zu den Gästen muss lange genug dauern
und zu so vielen zum Beispiel Hotelbesuchen oder
Restaurantkonsumationen führen, dass sich der Aufwand der
Gästeorientierung für das Unternehmen bezahlt macht.
Auf die
interne Dimension achten
Ein gästeorientiertes Unternehmen darf auch die „interne
Dimension" (vgl. Whiteley 1995, S. 66) nicht vergessen. Jeder
Mitarbeiter, ob er mit dem Gast in direktem Kontakt steht oder
nicht, muss sich bewusst sein, dass seine Tätigkeit letztendlich
im Dienste des Gastes steht. Die einzelnen Mitarbeiter oder
manchmal auch ganze Abteilungen sind gegenseitig voneinander
abhängig. Es besteht quasi ein internes Kundenverhältnis. Werden
diese internen Beziehungen missachtet, wirkt sich das über
Umwege auch auf die Bedürfnisse der Endverbraucher aus.
Beispiel:
Bei einem Gastronomiebetrieb ist die Abteilung Service selbst
wieder Kunde der Abteilung Küche, von der sie die zu verkaufende
Ware bezieht. Betrachtet der Betrieb die Tätigkeit der
Servicemitarbeiter als wichtiger als die der Köche, die das Geld
nur ausgeben, aber keine Einnahmen vorweisen können, so verkennt
das Unternehmen die internen Strukturen. Ohne die gute
Vorleistung der Köche können die Servicemitarbeiter den Gast
nicht zufrieden stellen.
Es sollten
jedoch nicht die Schwächen außer Acht gelassen werden.
Übertriebene Gästeorientierung kann durch ständige Forderung
nach neuen Produkten oder Leistungen bei deren Umsetzung zu
einer Minderung der Erträge führen und somit die Finanzkraft
eines Unternehmens gefährden. Es können Zielkonflikte zwischen
Qualität und Produktivität auftreten, die oft aus kurzfristigen
wirtschaftlichen Überlegungen zu Ungunsten des
„Null-Fehler-Gedanken“ des TQM entschieden werden (vgl. Ebel,
2001, S. 52).
Worin liegt
die Herausforderung?
Die heutige Gastronomie und Hotellerie steht also vor der
Herausforderung, die Wünsche und Erwartungen ihrer Gäste zu
erkennen und mit entsprechenden Programmen darauf zu reagieren.
Gäste kaufen nicht eine Mittagsmahlzeit oder ein Getränk
alleine. Sie kaufen vielmehr gleichzeitig auch ein freundliches
Service und eine rasche Bedienung (vgl. Brugger 2002, S. 11).
Sie kaufen auch das
Image des Unternehmens und das Gefühl, etwas Besonderes zu
erhalten. Sie kaufen auch Entspannung, eventuell Urlaubsgefühle
und Erlebnis.
Bestehende Gästebeziehungen festigen
Eine zunehmende Zahl an Unternehmen stellt Gästeorientierung und
Gästezufriedenheit in den Mittelpunkt ihrer
Unternehmensgrundsätze. In Zeiten, die gekennzeichnet sind durch
eine Globalisierung der Märkte, den daraus resultierenden
Wettbewerbsdruck und Sättigungserscheinungen auf der
Konsumentenseite, erweist es sich für die Unternehmen als
existenziell, bestehende Gästebeziehungen zu festigen. Mit der
Entscheidung zur Gästeorientierung beweisen sie, dass sie die
entscheidende Rolle ihrer Gäste für die Existenz und den Erfolg
des Unternehmens nicht nur erkannt haben, sondern dass sie auch
bereit sind, das Ziel der Gästezufriedenheit mit geeigneten
Maßnahmen umzusetzen.
| Dies ist ein Auszug
aus:
Beschwerdemanagement im Dienstleistungsgewerbe
Gastronomie –
effektive Beschwerdebehandlung als Trainingsziel
Eine
Projektarbeit anlässlich des Abschlusses des
Universitätslehrganges für Training und
Bildungsmanagement an der Johannes Kepler
Universität Linz
Autor: Kurt H. Steindl,
Akademischer Trainer, April 2004
Diese
Projektarbeit können Sie käuflich erwerben.
93 Seiten, gebunden, 90,00 Euro + Versand
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