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Sinn & Ethik: Neuer Trend in der
Wirtschaft?
Persönlicher
Sinn und Spiritualität beschäftigen aktuell offenbar nicht nur
die breite Masse. Auch in der Wirtschaft scheint ein Bedürfnis
nach Ethik und Werten als spirituelles Gegenwicht zum zügellosen
"Raubtier-Kapitalismus" wieder zu wachsen.
Neue Berater
Das hat eine neue Sorte von Beratern auf den Plan gerufen: die
Philosophen. So genannte "Spiritual Consultants" zeigen
inzwischen fortschrittlichen Unternehmern und Managern, wie in
Zukunft auf der Basis von Integrität und alten Werten neue, gute
Geschäfte gemacht werden können. In den USA klopft auch noch
eine andere Zunft an die Fabriktore: Storyteller -
Geschichtenerzähler. Berater nutzen dort die Macht der Bilder
und Parabeln für ein narratives(=erzählendes) Consulting. Sie
sorgen ebenfalls auf ihre Art für einen Perspektivwechsel in der
Wirtschaft und bringen die internen Probleme eines Unternehmen
auf die Bühne.
Gesucht wird Orientierung & Sinn
Der Bedarf nach Orientierung an etwas Größerem als die ständige
Gewinnmaximierung findet in verschiedenen Spielarten nunmehr
Einlass in die Businesswelt, konstatiert das auf strategisches
Zukunftswissen für die Wirtschaft spezialisierte Magazin
"Zukunftsletter". Gefragt seien Gegenkonzepte zum stumpfen
"Mehr, schneller und effizienter". Viele rascher als den meisten
lieb sei, schiebe sich nämlich in der Wirtschaft die Frage nach
dem "Warum" in den Vordergrund. Wozu das Ganze? Das innere
Aufbegehren finde spätestens dann statt, wenn Manager an ihre
persönlichen Grenzen stießen. Die passenden Stichworte dazu:
Überforderung, Leistungsdruck, Burnout.
Ethik und wirtschaftlicher Erfolg
Es zeigt sich immer mehr: Ethik und zählbarer wirtschaftlicher
Erfolg stehen keineswegs im inneren Widerspruch zueinander,
selbst wenn Spiritualität zunächst keinen messbaren
marktgängigen Preis zu haben scheint. Die Agentur für
Unternehmens- und Wertekultur ist beispielsweise nach einer
Befragung von 2.000 Mitarbeitern in 32 Unternehmen gemeinsam mit
dem MCM Institut der Universität St. Gallen zu dem Schluss
gekommen: Es gibt einen messbaren Zusammenhang zwischen dem
gelebten Wertesystem in einem Unternehmen und dem
wirtschaftlichen Erfolg. Etwa rund ein Drittel des
betriebswirtschaftlichen Erfolgs lässt sich nach dem Ergebnis
dieser Befragung der im jeweiligen Unternehmen vorherrschenden
Wertekultur zurechnen.
"Return of Inspiration" in der Wirtschaft?
Alten Weisheiten bekommen tatsächlich mehr Raum im knallharten
Business. In den USA hat zum Beispiel der tibetische Mönch und
Erfolgsbuchautor Geshe Michael Roach ("Die Weisheit des
Diamanten") das Enlightened Business Institute gegründet. Sein
Institut bietet Coaching, Organisationsentwicklung und Training
auf der Basis alter buddhistischer Weisheiten an.
Der kanadische Berater und Buchautor Lance H. Scretan will mit
"Higher Ground Leadership" eine neue Sicht der Welt vermitteln.
Offenbar mit positiven wirtschaftlichen Konsequenzen: Ein von
ihm betreutes Medizin-Unternehmen hat beispielsweise innerhalb
von zwei Jahren seine enorme Personalfluktuation von 24% auf
unter 10% gedrückt. Das brachte dem Unternehmen unter dem Strich
Einsparungen von 75 Mio. US-Dollar im Jahr.
Geschichtenerzähler als
Berater
Die Storyteller in den USA sind auch längst keine kuriosen
Einzelkämpfer mehr: Es gibt in den Staaten bereits wichtige
öffentliche Veranstaltungen zu diesem Thema. Auf der Rednerliste
der Treffen stehen keineswegs graubärtige Gurus und Phantasten,
sondern knallharte Manager bekannter Firmen.
Storytelling wird von verschiedenen Experten inzwischen als die
"innovativste, Erfolg versprechendste Managementmethode seit
langem" angesehen. Die bildhafte Sprache und die indirekte
Kommunikation über anstehende Probleme im Unternehmen sollen
helfen, unterbrochene Kommunikation zwischen den Betroffenen
wieder in Gang zu bringen. "Die Bühne wird als sanktionsfreier
Raum begriffen", argumentieren die Protagonisten des
Unternehmenstheaters. "Auf dem heißen Stuhl darf man die
Wahrheit sagen"; ein Privileg, das übrigens bei Hof die Narren
schon früher hatten
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von:
VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG •
http://www.vnr.de
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