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Das Lexikon der Besteckfehler
Ablege-Fehler
Dies ist ein »Renner« in der Fehler-Hitliste: Besteckteile
werden nach dem Essen in Schalen, Tassen oder Gläsern abgelegt.
Diese Praxis bleibt nur den (Not-)Situationen vorbehalten: Wenn
in der Gastronomie unvollständig serviert wird. Zum Beispiel in
einer Eisdiele, wenn der Eisbecher ohne Unterteller gebracht
wird. Eine solche Servierart ist in der gehobenen Gastronomie
nicht üblich. Deshalb gilt dort: Wird eine Speise oder ein
Getränk auf einem Unterteller (einer Untertasse) serviert, legen
Sie bitte das entsprechende Besteckteil immer auf diesem ab.
»Bleistift-Fehler«
Manche Menschen greifen Messer und Gabel, als hätten sie
Bleistifte oder andere Schreibgeräte in den Händen. Bei der
Gabel führt diese Handhabung dazu, dass sie mit den Zinken nach
oben zum Beispiel in Fleisch eingesteckt wird. Die richtige
Technik ist in diesem Fall allerdings umgekehrt: Mit der Wölbung
nach oben. Wenn überhaupt, wird die Gabel nach dem Abschneiden
eines Bissens umgedreht. Das ist die ganz feine, alte Art. Sie
ist heute aber kein Muss mehr. Wird die Gabel zum Transport von
Beilagen gebraucht, lautet die Empfehlung: Benutzen Sie sie so,
dass die Wölbung nach unten zeigt.
Geräusch-Fehler
Hier wird das Messer zum Geräusch-Produzenten. Sie kratzen damit
so intensiv auf dem Teller herum, dass andere Anwesende den
dringenden Wunsch verspüren, der Gastronom möge bitte die
Hintergrundmusik lauter stellen. Das Messer ist auf keinen Fall
zum Zusammenkratzen von Speisen (Speiseresten) da, streng
genommen nicht einmal als Schieber, sondern als Gegenhalt, um
eine Speise auf die Gabel zu nehmen. Dies geschieht lautlos.
Gestikulier-Fehler
Manchmal werden nachdrückliche Worte – » . . . und das sage
ich dir . . . « – oder Temperamentsausbrüche mit höchst
gefährlich anmutenden Besteckgesten begleitet. Ist ausladende
Gestik bei Tisch an sich schon verpönt, wird sie mit einem
Besteckteil in der Hand ganz unmöglich oder gar zur Drohgebärde,
wenn die Messerspitze beispielsweise auf jemanden am Tisch
zeigt. Vermeiden Sie deshalb den Gestikulier-Fehler beim Essen.
Griff-Fehler
Die Zeigefinger liegen so tief auf den Besteckteilen, dass sich
der eine am Beginn der Gabelwölbung, der andere am Anfang der
Messerklinge befindet. Dies sieht so aus, als brauchten Sie
enorm viel Kraft, um beispielsweise Fleisch zu schneiden. Besser
ist es, die Besteckteile weiter oben an den Griffen anzufassen.
Putz-Fehler
Vermutlich haben Sie auch schon diesen »Putzfimmel« beobachtet:
Jemand zieht die Messerklinge vom Ansatz bis zur Spitze
beispielsweise am Rand eines abgeschnittenen
Fleischstückes entlang, ehe er dieses zum Mund führt. Oder diese
Putzaktion findet an der Gabel statt und dann auch noch an
beiden Seiten. Das ist zuviel des Guten, streifen Sie Ihr Messer
also nirgendwo ab.
Schleck-Fehler
Eine weitere Möglichkeit für einen Messer-Fauxpas. Es sollte
weder mit irgendeinem Happen zum Mund geführt, noch in der
Öffentlichkeit genüsslich abgeschleckt werden.
Tellerrand-Fehler
Der wohl am häufigsten zu beobachtende Fehler: Bei einer
Unterbrechung des Essens werden Messer und Gabel rechts und
links mit den Griffen auf dem Tisch schräg an den Tellerrand
gelehnt. Das ist wenig elegant und außerdem unpraktisch:
Schmiergefahr! Eine unveränderte traditionelle Tischsitten-
Regel besagt: Einmal in Gebrauch genommene Besteckteile sollen
nicht wieder mit dem Tisch(-tuch) in Berührung kommen. Deshalb
werden während einer Essenspause das Messer mit der Spitze und
die Gabel mit den Zinken zur Tellermitte zeigend abgelegt. Falls
genügend Platz vorhanden ist, leicht überkreuzt.
Messer und Gabel als Signalgeber
Kennen Sie schon die »Geheimsprache« von Messer und Gabel? Wenn
Sie dem Kellner zu verstehen zu geben wünschen, dass Sie
zwischen den Gängen oder während des Essens eine Pause einlegen
möchten, so legen Sie die Gabel mit nach unten zeigenden Zinken
auf dem linken Tellerrand
ab und das Messer auf dem rechten. Die Griffe ruhen dabei nicht
auf dem Tischtuch.
Wenn Sie von einem Gang noch einen »Nachschlag« wünschen, so
signalisieren Sie dies durch ein auf dem Teller über Kreuz
abgelegtes Besteck. Haben Sie Ihre Mahlzeit beendet und
wünschen, dass der Teller abgeräumt wird, so zeigen Sie dies,
indem Sie Messer und Gabel nebeneinander auf der rechten Seite
des Tellers ablegen. Die Griffe ruhen dabei auf dem Tellerrand.
Wenn die Serviette ein Schwan ist
Wie sollen Sie sich verhalten, wenn sie auf ihrem Teller eine
hübsch gefaltete Stoffserviette oder gar einen aus Papier
kunstvoll dekorierten Schwan finden. Herrje, wohin mit dem Ding?
In den Ausschnitt stopfen? Neben den Teller legen? Falsch. Die
Serviette wird – und das ist bei erstaunlich vielen Leuten immer
noch unbekannt – auf den Schoß gelegt! Obwohl es doch vielleicht
praktischer wäre, gerade beim Spaghetti-Essen, die kostbare
Armani-Krawatte vor den Soßenspritzern durch eine umgehängte
Serviette zu schützen.
Die Serviette liegt also auf dem Schoß. Sie verlässt diesen
ausschließlich, um sich den Mund abzutupfen. Der Mund darf auf
keinen Fall abgewischt werden! Dieser Vorgang ist jedes Mal zu
wiederholen, wenn Sie spüren, dass es nötig ist. Darüber hinaus
ist sie jedes Mal dann zu benutzen, bevor Sie das Glas zum Munde
führen. Ansonsten gäbe es nämlich hässliche Fettflecken auf den
Glasrändern. Nach beendetem Mahl wird die Stoffserviette neben
dem Teller abgelegt. Sie kann dazu gefaltet werden, muss es aber
nicht. Seien Sie hier insbesondere nicht zu ordnungsbewusst und
akkurat. Hinterlassen Sie aber auch kein Schlachtfeld.
Keinesfalls darf die Stoffserviette auf dem beschmutzten Teller
abgelegt werden. Eine Ausnahme bildet hier die Papierserviette,
sie kann sowohl neben dem Teller als auch auf dem Teller
abgelegt werden, aber bitte niemals zusammenknüllen und
eventuell noch mit Zigarettenkippen auf dem beschmutzten Teller
zurücklassen.
Gefährliche Gerichte
Gibt es eigentlich Gerichte, die Sie aus taktischen Gründen
meiden sollten? Oder gibt es andererseits Speisen, die aus
verzehrtechnischen Gründen weniger Probleme erwarten lassen? Zum
Beispiel sollte man sich nicht zu der Aufregung, die ein
Bewerbungsessen naturgemäß mit sich bringt, auch noch durch
komplizierte Speisen zusätzlich belasten. Hummer, Krebse und
andere widerspenstige Kreaturen sollte man daher ebenso wenig
bestellen wie Spaghetti, deren Verzehr garantiert nicht ohne
Malheur abgeht.
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