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Beschwerdemanagement in Hotellerie und Gastronomie
Noch
bis vor wenigen Jahren wurden Beschwerden eine geringe Bedeutung
beigemessen. Die auftretenden Probleme und Wirkungen der
Gästebeschwerden wurden ignoriert. Der Hauptgrund dafür ist
darin zu suchen, dass der Nutzen eines professionellen
Beschwerdemanagements als zu gering, der Aufwand aber als zu
hoch empfunden wurde. Resignierende und abwandernde Gäste waren
die Folge dieses Verhaltens. Eine geringe Anzahl von Beschwerden
wurde als Beweis für eine hohe Gästezufriedenheit gesehen.
Eine effektive
Behandlung von Beschwerden ist aber für ein Unternehmen die
beste Gelegenheit, zu zeigen, was sie den Gästen wirklich zu
bieten imstande sind. In der Hotellerie und Gastronomie, in
denen viele Unternehmen ähnliche Angebote und Dienstleistungen
anbieten, sind gerade Situationen, die eine spontane Reaktion
verlangen, das überzeugendste Instrument, um den Gästen deutlich
vor Augen zu führen, dass das Unternehmen tatsächlich um ihre
Bedürfnisse bemüht ist.
„In den Augen der
Gäste sind Sie dann ein Top-Unternehmen beziehungsweise ein
schlechtes Unternehmen, wenn Sie gut oder schlecht auf
Beschwerden reagieren“ (Kobjoll 2000, S. 136).
Ziele des Beschwerdemanagements
Viele Unternehmen verfolgen das Ziel, die Anzahl der an das
Unternehmen gerichteten Gästebeschwerden zu minimieren. Dies ist
jedoch nur dann sinnvoll, wenn man davon ausgehen kann, dass
sich alle unzufriedenen Gäste beschweren. Nur dann wäre es ein
deutliches Zeichen für ein geringes Maß an Gästeunzufriedenheit.
Die
empirische Beschwerdeforschung belegt allerdings, dass dies
nicht der Fall ist. Ein Großteil der Gäste beschwert sich nicht.
Statt sich zu beschweren, wählen die unzufriedenen Gäste eine
andere Reaktionsform. Stichwort: negative Mundkommunikation
(vgl. Hansen 1990, S. 458).
Eine
geringe Anzahl von Beschwerden kann
-
auch eine Folge einer resignativen Einstellung von Gästen
sein.
-
auch das Ergebnis einer unternehmerischen Abwehr von
Beschwerden sein (zu hohe Gästekosten).
Ein effektives
Beschwerdemanagement beinhaltet einen komplexen
unternehmerischen Handlungsbereich. Es umfasst die Planung,
Durchführung und Kontrolle aller Maßnahmen, die ein Unternehmen
im Zusammenhang mit Beschwerden ergreift (vgl. Wimmer 1985, S.
223).
Dieses
sind:
-
Herstellung von (Beschwerde-) Zufriedenheit
-
Vermeidung von Opportunitätskosten durch andere
Reaktionsformen unzufriedener Gäste
-
Umsetzung und Verdeutlichung einer gästeorientierten
Unternehmensstrategie
-
Schaffung zusätzlicher akquisitorischer Effekte mittels
Beeinflussung der Mundkommunikation
-
Auswertung und Nutzung der in Beschwerden enthaltenen
Informationen
-
Reduzierung interner und externer Fehlerkosten
Die
Hauptziele eines Beschwerdemanagements sind
-
die Unzufriedenheit des des Gastes zu beheben
und
-
Fehler und Schwachstellen im Unternehmen zu entdecken und zu
beheben (Zentes 2001, S. 44).
Quelle:
Steindl, K. H. 2004: Effektives
Beschwerdemanagement im Dienstleistungsbereich Hotellerie und
Gastronomie. |