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Thema Motivation: Belohnung motiviert nicht!

 

Belohnung motiviert nicht

Ein alter Mann wurde täglich von den Nachbarskindern gehänselt und beschimpft. Eines Tages griff er zu einer List. Er bot den Kindern zehn Schillinge an, wenn sie am nächsten Tag wiederkämen und ihre Beschimpfungen wiederholten. Die Kinder kamen, ärgerten ihn und holten sich dafür die zehn Schillinge ab. Und wieder versprach der alte Mann „Wenn ihr morgen wieder kommt, dann gebe ich Euch fünf Schillinge.“ Und wieder kamen die Kinder und beschimpften ihn gegen Bezahlung. Als der Alte sie aufforderte, ihn auch am nächsten Tag zu ärgern, dafür würde er ihnen zwei Schillinge geben, waren die Kinder empört: Für so wenig Geld wollten sie ihn nicht beschimpfen. Von da an hatte der alte Mann seine Ruhe.

Der amerikanische Sozialpsychologe Alfie Kohn schildert dieses Beispiel in der Zeitschrift Health (5/1990). Er belegt damit sehr überzeugend neue Kenntnisse der Psychologie, die ein fundamentales Lerngesetz widerlegen: Belohnung ist nicht unbedingt das beste Mittel, um Kinder zu motivieren.

Völlig im Gegensatz zu B.F. Skinners bekannter Theorie, dass positive Verstärkung zu besserer Leistung führt, stehen neueste psychologische Studien.

In einer Untersuchung wurden Mädchen aufgefordert, jüngeren Kindern ein neues Spiel beizubringen. Für „erfolgreichen“ Unterricht wurde ihnen jeweils eine Freikarte fürs Kino versprochen. Einer anderen Gruppe von Mädchen wurde die gleiche Aufgabe gestellt, nur konnte sie mit keiner Belohnung rechnen. Das erstaunliche Ergebnis: Die Mädchen, denen eine Kinokarte als Lohn winkte, benötigten mehr Zeit, um den Kindern das Spiel zu erklären, waren unzufriedener und schafften es nicht, jedem einzelnen Kind die Spielregeln zu vermitteln. Erfolgreiche „Lehrerinnen“ waren jene Mädchen, die die Aufgabe sozusagen „umsonst“ übernommen hatten.

Weitere Untersuchungen, im Aufbau ähnlich wie diese, bestätigen: Wenn Kinder mit Belohnungen für eine Aufgabe gewonnen werden, verlieren sie sehr schnell das Interesse an der Aufgabe und erbringen geringere Leistungen als Kinder, die eine Aufgabe ohne versprochene Belohnung übernehmen. Der Grund: Belohnungen können die „intrinsische Motivation“ der Kinder hemmen. Sie handeln nicht, weil sie selbst es für sinnvoll halten, sondern weil es eine Belohnung dafür gibt. Die Kinder aus dem Eingangsbeispiel waren anfangs intrinsisch motiviert, den alten Mann zu ärgern. Später ärgerten sie ihn nur noch, weil es eine Belohnung dafür gab – ihre intrinsische Motivation wandelte sich in eine extrinsische. Und der Reiz, die Spannung, die Neugier waren verschwunden.

Bedeutet das nun, dass Belohnungen überhaupt keinen Effekt haben? Die Lösung, so Alfie Kohn, ist nicht, überhaupt nicht mehr zu belohnen, sondern die negativen Effekte der Verstärkung müssen eliminiert werden. Sätze wie: „Wenn du deine Hausaufgaben erledigst, darfst du fernsehen“ vernichten jede Eigenaktivität und Entscheidungsmöglichkeit des Kindes. Sie nehmen ihm die Kontrolle über die eigenen Handlungen und zerstören Interesse und Neugier. Auf Lob und Ermutigung nach getaner Arbeit sollte natürlich nicht verzichtet werden.  

PS. In punkto Anerkennung und Motivation sind wir alle Kinder!


 

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