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Über die Bedeutung von
Gästebeschwerden
Unzufriedene Gäste,
deren Erwartungen an die Qualität der Produkte oder der
Dienstleistungen nicht erfüllt werden, haben generell zwei
Möglichkeiten: entweder sie beschweren sich oder eben nicht.
Wenn sie schweigsam bleiben, geben sie dem Unternehmen praktisch
keine Möglichkeit, den Grund ihrer Unzufriedenheit zu entdecken.
Gäste aber, die sich beschweren, zeigen damit deutlich, dass sie
auch zukünftig noch Kontakt zum Unternehmen halten möchten.
Vorausgesetzt, die genannten Gründe für die Beanstandungen
werden beseitigt. Nur dann hat das Unternehmen die Chance, die
Zufriedenheit des Gastes durch eine effektive
Reklamationsbehandlung wieder her zu stellen.
Genau genommen wird der Beschwerde führende Gast
zu einem ehren-amtlichen - weil unentgeltlich tätigen -
Mitarbeiter des Unternehmens. Der Gast zeigt einen Zustand auf,
bei dem ein Verbesserungspotenzial des Unternehmens vorhanden
ist.
Über die Charakteristik von Beschwerden
Gästebeschwerden werden allerdings von Mitarbeitern in der
Regel als unangenehm erlebt und gerne gegenüber dem Vorgesetzten
vertuscht. Dabei wird verkannt, dass jede Beschwerde auch die
Chance beinhaltet, die angebotenen Leistungen zu verbessern und
einen unzufriedenen Gast zurück zu gewinnen.
Die Philosophie der Beschwerdepolitik ist es
deshalb, die entgegen genommenen Beschwerden als
Verbesserungschance zu sehen, die Gäste wieder zufrieden zu
stellen und sie so zu binden. In der Regel wollen Gäste dem
Unternehmen nicht etwas „Böses“ antun, wenn sie sich beschweren.
Im Gegenteil: Sie teilen damit ihre Unzufriedenheit mit, damit
das Unternehmen die Chance hat, den Missstand abzustellen.
Anderenfalls würden sie sich überhaupt nicht melden und
zukünftig diese Produkte und Dienstleistungen nach dem Motto
„Bei denen habe ich schlechte Erfahrungen gemacht“ meiden (vgl.
Kreuzhage 2002, S. 86).
Hinsichtlich der Stärkung der Beziehung zu
zufriedenen Gästen geht es vor allem darum, das Entstehen von
Unzufriedenheit von vornherein zu vermeiden und Gästebindung
über eine Erhöhung des Leistungswertes zu festigen.
Folgender Satz aus dem Amerikanischen hat Gültigkeit: „Do it
right the first time.“ Ein flexibel geführter Dialog mit dem
Gast über die Dauer des gesamten Konsumzeitraums macht es
möglich, das Entstehen von Unzufriedenheit frühzeitig zu
erfassen und korrigierende Maßnahmen zu ergreifen (vgl.
Müller/Riesenbeck 1991, S. 68).
Auf einer zweiten Ebene der
Gästebindungsstrategie liegt die Stabilisierung gefährdeter
Beziehungen zu unzufriedenen Gästen. Hier geht es darum,
Geschäftsbeziehungen, die aufgrund von Gästeunzufriedenheit
brüchig geworden sind, wieder zu stabilisieren. Unzufriedenheit
ist eine zentrale Ursache dafür, dass Gäste ihre Loyalität zum
Unternehmen aufkündigen und für Angebote des Wettbewerbers
empfänglich werden. Wenn es aber dem Unternehmen gelingt,
Zufriedenheit wiederherzustellen und den Gast zu halten,
sind erhebliche ökonomische Vorteile zu erwarten.
Reichheld/Sasser (1990, S. 105) berichten, dass Unternehmen ihre
Gewinne um 100 Prozent steigern konnten, indem sie die
Abwanderungsrate ihrer Kunden um 5 Prozent senkten. Deshalb
kommt es in hohem Maße darauf an, Gästeunzufriedenheit zu
entdecken, zu analysieren und mittels gezielter Maßnahmen wieder
in Zufriedenheit umzuwandeln. Das ist die zentrale Aufgabe des
Beschwerdemanagements: “Doing it absolutely right the second
time”.
Ausgangspunkt einer Wiedergewinnungsstrategie
ist die Überlegung, Gäste, die seit längerer Zeit nicht mehr
beim Unternehmen konsumiert haben oder explizit die
Geschäftsbeziehung aufgekündigt haben, für das Unternehmen
zurück zu gewinnen.
Quellen:
Steindl, K. H.
(2004): Effektives Beschwerdemanagement im
Dienstleistungsbereich Hotellerie und Gastronomie.
Kreuzhage, S.(Hrsg.)
(2002): Handbuch für den Vorgesetzten. Bonn: Verlag für die
deutsche Wirtschaft.
Müller, W./Riesenbeck, H.-J.
(1991): Wie aus zufriedenen auch anhängliche Kunden werden. In:
Harvard Manager; Nr. 3, 1991
Reichheld, F.
R./Sasser Jr., W. (1990).
Zero Defections: Quality Comes
to Services. In: Harvard Business School Review, Nr. 5: S.
105-111.
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