
Mitarbeitermarketing
ist genauso wichtig wie Gästemarketing
von
Hans C. Leu, Inhaber des Hotels Abergo Giardino,
Ascona-Schweiz
Zu
Beginn meiner Karriere gab es in der Hotellerie noch keine
Personalpolitik, die diesen Namen wirklich verdient hätte. Die
Patrons betrachteten sich selbst als Herren, die Mitarbeiter
wurden oft als Knechte behandelt. Vielleicht ist das ein wenig überspitzt.
Nichtsdestoweniger hatte der damals übliche Umgang mit den
Mitarbeitern Folgen: So rieten Eltern, die solche Erfahrungen
gemacht hatten, ihren Kindern vom Gastgewerbe ab und der Nachwuchs
fehlte. Knechte gibt es heute zwar nicht mehr, aber die Hotel- und
Restaurantangestellten leiden oft noch immer an fehlender Wertschätzung,
zumal in vielen Betrieben ein zu großes Hierarchiegefälle
herrscht.
Wir müssen also um den Nachwuchs sehr besorgt sein, gerade wenn
wir auch in Zukunft die erwarteten Leistungen erbringen wollen.
Die genannten Erkenntnisse haben mich gereizt, eine zeitgemäße
Mitarbeiterpolitik zu entwickeln, um so eine vordere Position auf
dem Mitarbeitermarkt einzunehmen und unter den Besten auswählen
zu können.
| Natürlich
müssen auch die materiellen Werte stimmen. Dazu zählen
vor allem: |
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Angemessener
Lohn, Sozialleistungen, Prämien |
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Geregelte
Arbeitszeit, genügend Freizeit, Ferien,
Überstundenabgeltung |
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Gesundes
und abwechslungsreiches Essen in einem Essraum mit
entspannter Atmosphäre |
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Wohnen
in neuzeitlichem Komfort |
Diese
Punkte sollten eigentlich selbstverständlich sein. Weil das aber
nicht so ist, ragen solche Betriebe heraus, in denen die
Personalpolitik stimmt. Die Mitarbeiter bewerten das Arbeitsklima
in den Hotels und Restaurants, ähnlich wie das die Hotel- und
Restaurantführer bei der Qualität mit ihren Sternen tun.
Schade, dass viele Betriebe mit glänzendem Renommee von ihren
Mitarbeitern umgekehrt proportional bewertet werden. Denn Luxushäuser
gehen nicht selten davon aus, dass ihr Personal wegen der Referenz
des Hauses schlechte Arbeitsbedingungen in Kauf nimmt.
| Welches
ist die erfolgreichste Art der Mitarbeiterwerbung, die
selbst in einem ausgetrockneten Stellenmarkt funktioniert? |
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Als
erstes muss hier natürlich die Mund-zu-Mund-Propaganda
genannt werden. Wie beim Bemühen um neue Gäste ist sie
die billigste und gleichzeitig beste Form der Werbung. Im
weit gespannten Beziehungsnetz unter Kollegen funktioniert
sie sehr effektvoll im positiven wie natürlich auch im
negativen Fall. |
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Pfiffig
getextete und gut aufgemachte Stelleninserate sind
ebenfalls eine gute Möglichkeit das eigene Haus
sympathisch vorzustellen und so die gewünschte
Aufmerksamkeit zu erzielen. |
Dank
dessen, dass ich immer auf beides zurückgreifen konnte, musste
ich in meiner 30 jährigen Laufbahn fast nie professionelle
Stellenvermittler in Anspruch nehmen.
| Welches
Vorgehen bewährt sich im Giardino am besten, wenn sich
jemand für eine Stelle bewirbt? |
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Zuerst
entscheiden wir uns, ob wir in diesem Bereich überhaupt
jemand benötigen bzw. anhand der Unterlagen, ob der
Bewerber in Frage kommt. |
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Wenn
nein, erhält er sofort eine Absage, damit er sich weiter
bewerben kann. |
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Wenn
ja, stellen wir uns ihm ehrlich und offen vor, indem wir
neben dem Hotelprospekt einen eigens kreierten Prospekt
mit Geschäfts- und Mitarbeiterphilosophie und eine
Stellenbeschreibung in seiner Sprache senden. |
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Jetzt
kann sich der Bewerber überlegen, ob wir seiner
Vorstellung entsprechen. |
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Im
positiven Falle laden wir ihn zu einem intensiven Gespräch
ins Hotel ein, anlässlich dessen er sich nun uns
vorstellen kann. Sein zukünftiger Abteilungsleiter zeigt
ihm dann sein Arbeitsfeld, macht ihn mit anwesenden
Kollegen bekannt und führt ihn durch das ganze Haus. |
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Neben
seiner Fachkompetenz wird seine Teamfähigkeit geprüft
und auf ein freundliches, zugewandtes Wesen geachtet. Wenn
seine Augen angesichts der Idee bei uns zu arbeiten, zu glänzen
beginnen, steigen seine Chancen im Ensemble aufgenommen zu
werden. |
Durch
diese sorgfältige gegenseitige Auswahl lassen sich Enttäuschungen
auf beiden Seiten und damit die gefürchtete und teure
Personalfluktuation weitgehend vermeiden. So gelingt es uns,
hochmotivierte Mitarbeiter im Team zu haben, die sich mit unseren
hochgesteckten Zielen identifizieren und unsere Anliegen zu ihren
eigenen machen.
Fazit:
Zufriedene Mitarbeiter bleiben länger, arbeiten lieber
und helfen, neue Kollegen zu werben. Nicht zuletzt sind
sie dem Gast freundlicher und aufmerksamer zugewandt. |
Quelle:
Hans C. Leu
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