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Hans Leu

 

Der außergewöhnliche Schweizer Gastronom Hans Leu ist in den Ruhestand getreten. 

In der Branche gilt der Schweizer Gastronom Hans C. Leu, Betreiber des vielfach preisgekrönten Luxusferienhotel Giardino in Ascona, als glorios-kuriose Mischung zwischen Showman, Visionär und kühlem Rechner. 

Dass Erfolg in der Gastronomie nicht von ungefähr kommt wird besonders deutlich, wenn Hans C. Leu über Ausbildung und berufliche Stationen erzählt. Auf der renommierten Hotelfachschule Lausanne wurde der Grundstein für eine Karriere gelegt, deren erstes Highlight nach einer Zeit als Empfangschef des Dolder Grand Hotels in Zürich die Stelle als Direktor des berühmten Kulm-Hotels in Arosa war. 

"Schon hier", so Leu, "wollte ich ganz bewusst die ausgetretenen Pfade verlassen. Ich hatte einen ganzen Korb voller ideeller Ziele. Aber ich verspürte auch einen unwiderstehlichen Drang aus dem Mittelmaß herauszuragen und den Mitbewerbern eine Nasenlänge voraus zu sein". 

Leu praktizierte in Arosa Erlebnishotellerie, als dieses Wort für die meisten in der Branche noch ein Fremdwort war. Dabei scheute er nicht davor zurück, Anleihen bei Reiseveranstaltern wie dem Club Mediterranee zu machen und sie in ungewöhnliche Ideen zur Unterhaltung der Gäste eines Luxushotels umzusetzen. Das reichte vom Theaterstück mit Beteiligung der Mitarbeiter über Zirkuseinlagen bis zum Gourmet-Picknick. "Während die umliegenden Hotels auf den gewünschten Besucherstrom warteten", so Leu, "verzeichnete mein Hotel die höchste Zimmerbelegung".

Dass er trotz aller Erfolge und der Aussicht auf ein bequemes Leben als Grandseigneur der Aroser Hotellerie nach 20 Jahren Abschied vom Kulm nahm, begründet er mit er Erfüllung eines langgehegten Traums. Beim Geldgeber hatte er sich freie Hand ausbedungen und konnte so mit dem Luxusferienhotel Giardino in Ascona seinen Phantasien, seiner Liebe zur Inszenierung und seiner Kreativität - verbundenen mit einem umfassenden Fachwissen - freien Lauf lassen. Dabei ließ er sich vom Zauber der Toskana ebenso inspirieren wie vom Theater und wählte für die Gestaltung einen Innenarchitekten mit Bühnenbildner-Vergangenheit. 

Sein Motto:
"Statt des üblichen Luxushotels wollte ich ein südliches Landhaus schaffen, das zum Verweilen einlädt und eine Atmosphäre bietet, als wäre man bei Freunden zu Gast." 

Bei aller Kreativität, so rät Leu, dürften grundlegende betriebswirtschaftliche Erfordernisse nicht vernachlässigt werden: Die Größe eines Hotels sollte wirtschaftlichen Erfolg ermöglichen, das Verhältnis Mitarbeiter zu Zimmer müsse stimmen, die Ausstattung von Zimmern und Funktionsbereichen wolle wohl überlegt sein etc. Sorgfältig plante er selbst in Arosa aber auch die Restaurants, die Bar, eine Enoteca, einen Wellnessbereich und den italienischen Garten, dem das Hotel seinen Namen verdankt.

Das Konzept verblüfft Gäste und Fachleute gleichermaßen und erwies sich schnell als durchschlagender Erfolg. Bester Beleg: Seit Jahren steht das Giardino ununterbrochen auf Platz 1 des Hotelratings des Wirtschaftsmagazins Bilanz, wurde erst kürzlich wieder vom Gault Millau zum Hotel des Jahres gekürt und ist seit 1990 Mitglied im Verbund Relais und Chateaux. 

Philosophie der 5 C´s
"Wir hatten bereits in den ersten drei Jahren den Beweis erbracht, dass wir die Philosophie der fünf C's aufs Beste erfüllen: Charactère, Charme, Cuisine, Calme und Courtoisie",  so Leu. 

Den Charakter garantiert das einzigartige Ambiente. Calme, also Ruhe, erzielt der Betrieb durch die enge Verbindung von Hotel und Garten, Charme nicht zuletzt die Tatsache, dass sich Menschen hier leicht begegnen können, wenn Sie wollen. Courtoisie, verstanden als Höflichkeit und Freundlichkeit, sind Teil eines umfassenden Verständnisses von Gastlichkeit, dem vielleicht wichtigsten Erfolgsgeheimnis von Hans C. Leu. 

"Wann immer neue Gäste kommen, versuche ich sie persönlich zu begrüßen. Die Gäste sollen sich bei uns als Königinnen und Könige fühlen, vom ersten bis zum letzten Moment. Sie sollen nicht belästigt werden, wenn sie Ruhe wünschen, und Kontakt finden, wenn sie ihn suchen", lautet sein Credo.

Ungewöhnliches Managementmodell
Zeit für die Gastgeberrolle erlaubte ihm sein individuelles Managementmodell. Dieses "Soft Management" zeichne sich durch extrem flache Hierarchien aus, innerhalb derer er selbst sich als Coach, Motivator und Ausbilder versteht, der seinen Führungskräften immense Freiheiten lässt ("die Departmentchefs sollen sich wie Unternehmer ihrer Abteilung fühlen") und auch den jüngsten Küchenburschen das Gefühl gibt, ein unverzichtbares Rädchen im Getriebe zu sein. Leu präsentiert neben zahlreichen weiteren interessanten Details auch beeindruckende Zahlen und Fakten. Da sind zum Beispiel mehr als sechzehn Mio. DM Jahresumsatz, 28.000 Logiernächte und eine Zimmerbelegung von knapp 90 Prozent zu nennen. 

"Von Anfang an wurden bei uns schwarze Zahlen geschrieben und bei den wirtschaftlichen Eckdaten sind wir immer an der Spitze der Rangliste der Schweizer 5 Sterne Ferienhotels".

Förderung junger Menschen
Sein größtes Anliegen war die Förderung junger Menschen. 
"In 15 Jahren habe ich sechs junge Hotelmanager auf dem Weg nach oben gefördert. Jeder von ihnen steht heute an der Spitze eines Schweizer Tophotels", berichtet er mit sichtbarem Stolz. Einen davon, Franz Reichholf, hat er zurückgeholt und ihm seine Nachfolge anvertraut "Denn das höchste für einen Unternehmer ist es, sein Werk in der Blüte des Erfolgs in berufene Hände zu übergeben und wie ein kluger Spitzensportler nach dem Erringen der Goldmedaille zurückzutreten." 

Gastlichkeit & Co wünscht Hans C. Leu, einem Vorzeiger in der Hotellerie einen geruhsamen und erfüllten Lebensabend. Danke, dass wir viel von Ihnen lernen durften.

 

 

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